Während die Grippewelle in Deutschland langsam abebbt, zeigt die Kurve in Köln nach den Karnevalstagen deutlich nach oben. Aktuelle Daten des Landesamtes für Gesundheit und Arbeitsschutz (LfGA) NRW belegen einen signifikanten Anstieg der gemeldeten Influenza-Fälle in der Stadt. Dieser lokale Trend steht im Gegensatz zur landes- und bundesweiten Entwicklung.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Zahl der gemeldeten Grippefälle in Köln ist in der vergangenen Woche von 168 auf 238 gestiegen.
- Dieser Anstieg widerspricht dem landesweiten Trend in NRW, wo die Fälle von 5201 auf 3689 sanken.
- Der Höhepunkt des Straßenkarnevals wird als wahrscheinliche Ursache für die erhöhte Ansteckungsrate gesehen.
- Influenza A ist mit 1761 Fällen der dominierende Virustyp in dieser Saison in Köln.
Kölner Zahlen gegen den Bundestrend
Die jüngsten Zahlen zeichnen ein klares Bild: Köln erlebt einen lokalen Anstieg der Grippeinfektionen. In der vergangenen Woche kletterte die 7-Tage-Fallzahl von 168 auf 238. Dies entspricht einer Zunahme von über 40 Prozent.
Diese Entwicklung ist besonders auffällig, weil sie dem Trend im restlichen Nordrhein-Westfalen und in ganz Deutschland widerspricht. In NRW sank die Zahl der gemeldeten Fälle im selben Zeitraum von 5201 auf 3689. Auch das Robert Koch-Institut (RKI) meldet für die vergangene Woche bundesweit 21.485 laborbestätigte Influenzafälle, was ebenfalls einen Rückgang darstellt.
Karneval als Infektionstreiber
Der zeitliche Zusammenhang zwischen dem Anstieg der Fallzahlen und den Karnevalstagen ist unübersehbar. Während der Feierlichkeiten kamen in Kneipen, auf Sitzungen und auf den Straßen unzählige Menschen auf engem Raum zusammen – ideale Bedingungen für die Verbreitung von Atemwegserregern. Mediziner hatten bereits im Vorfeld vor einem erhöhten Infektionsrisiko gewarnt und zur Einhaltung von Hygienemaßnahmen geraten.
Ein Blick auf die Saisonstatistik
Seit Beginn der aktuellen Saison, die in der 40. Kalenderwoche 2025 startete, wurden in Köln insgesamt 2203 Influenza-Fälle registriert. Damit liegen die Zahlen auf einem ähnlichen Niveau wie in der Vorsaison, in der im gleichen Zeitraum 2234 Fälle gemeldet wurden.
Eine Besonderheit dieser Saison ist die klare Dominanz eines bestimmten Virustyps. Von den gemeldeten Fällen entfielen 1761 auf Influenza A. Der Influenza-B-Typ spielt mit nur 29 registrierten Fällen bisher eine untergeordnete Rolle.
Bundesweite Lage laut RKI
Obwohl der Höhepunkt der Grippewelle überschritten scheint, bleibt die Aktivität akuter Atemwegserkrankungen hoch. Seit Saisonbeginn wurden in Deutschland 197.096 laborbestätigte Influenzainfektionen gemeldet. Im Zusammenhang mit einer Grippeerkrankung starben bundesweit 1087 Menschen, von denen 96 Prozent über 60 Jahre alt waren.
Andere Atemwegserkrankungen in Köln
Neben der Grippe zirkulieren auch andere Erreger in der Bevölkerung, wenn auch in geringerem Maße. Die Zahlen für Köln zeigen eine abnehmende Tendenz bei anderen bekannten Viren.
Die Rolle von COVID-19
Auch das Coronavirus ist weiterhin präsent. In der laufenden Saison wurden in Köln 1007 COVID-19-Fälle gemeldet. Dies ist ein Rückgang im Vergleich zu den Vorjahren, in denen 1332 (Saison 2024/2025) bzw. 5090 (Saison 2023/2024) Fälle registriert wurden. Die aktuelle Sieben-Tage-Inzidenz für Köln liegt bei 98,2, während sie in ganz NRW bei 112,83 liegt.
RSV-Infektionen rückläufig
Das Respiratorische Synzytial-Virus (RSV), das vor allem für Säuglinge, Kleinkinder und ältere Menschen gefährlich werden kann, zeigt ebenfalls eine rückläufige Entwicklung. In dieser Saison wurden in Köln 230 Fälle gemeldet, verglichen mit 295 und 303 in den beiden Vorjahren. Landesweit wurden 3851 RSV-Fälle registriert.
Ausblick und Empfehlungen
Der lokale Anstieg der Grippefälle in Köln nach Karneval unterstreicht die Bedeutung von Präventionsmaßnahmen bei Großveranstaltungen. Experten raten weiterhin zur Vorsicht, insbesondere für Risikogruppen.
Die bekannten Hygieneregeln bleiben ein wirksames Mittel, um sich und andere zu schützen:
- Regelmäßiges und gründliches Händewaschen
- Abstand zu erkrankten Personen halten
- In die Armbeuge husten oder niesen
- Bei Symptomen zu Hause bleiben, um weitere Ansteckungen zu vermeiden
Gesundheitsbehörden beobachten die Entwicklung in den kommenden Wochen genau, um festzustellen, ob es sich um einen kurzfristigen, auf Karneval beschränkten Effekt handelt oder ob die Grippewelle in Köln noch einmal an Fahrt aufnimmt.




