Der Schweizer Luxusuhrenhersteller Rolex hat seine Pläne für den Abriss und Neubau seiner Deutschland-Zentrale in prominenter Lage direkt am Kölner Hauptbahnhof überraschend aufgegeben. Das Unternehmen plant stattdessen einen Umzug auf die rechte Rheinseite nach Deutz, während die Zukunft des bisherigen Standorts neu bewertet wird.
Diese Kehrtwende kommt unerwartet, da die architektonischen Entwürfe für das millionenschwere Bauvorhaben bereits öffentlich vorgestellt und mehrfach überarbeitet worden waren. Als Gründe für die Entscheidung nennt das Unternehmen nun ökologische und ökonomische Überlegungen, die eine Sanierung des Bestandsgebäudes als nachhaltigere Option erscheinen lassen.
Das Wichtigste in Kürze
- Rolex hat den geplanten Neubau seiner Kölner Zentrale neben dem Dom abgesagt.
- Das Unternehmen zieht ab Mitte Mai schrittweise in die Messe-City in Deutz um.
- Als Gründe werden ökologische und wirtschaftliche Nachhaltigkeit angeführt.
- Die Zukunft des alten Standorts ist ungewiss; eine Sanierung und alternative Nutzungen werden geprüft.
Unerwartete Wende bei Prestigeprojekt
Für viele Kölner und Stadtplaner war es ein fest eingeplantes Großprojekt in bester Innenstadtlage: der Neubau der Rolex-Zentrale. Doch nun hat der Konzern die Reißleine gezogen. Eine Sprecherin von Rolex Deutschland bestätigte, dass der geplante Abriss des bestehenden Gebäudes an der Domprobst-Ketzer-Straße und der anschließende Neubau nicht weiterverfolgt werden.
Die Entscheidung ist bemerkenswert, da das Projekt bereits weit fortgeschritten schien. Noch im Juli des Vorjahres präsentierte das Unternehmen einen überarbeiteten Architektenentwurf des Düsseldorfer Büros RKW im städtischen Gestaltungsbeirat. Die Pläne sahen ein modernes, repräsentatives Gebäude vor, das der prominenten Lage zwischen Dom, Hauptbahnhof und der Kirche St. Mariä Himmelfahrt gerecht werden sollte.
Neue Begründung widerspricht früheren Aussagen
Die offizielle Begründung für den Stopp des Projekts wirft Fragen auf. „Für uns stellt die Sanierung – sowohl aus ökologischer als auch aus ökonomischer Sicht – die nachhaltigere Alternative zum Abriss und Neubau dar“, erklärte eine Unternehmenssprecherin. Interessanterweise wurde noch vor etwa einem halben Jahr mit einer nahezu identischen Argumentation der Abriss und Neubau als die bessere Lösung verteidigt.
Diese 180-Grad-Wende in der Argumentation deutet auf eine grundlegende Neubewertung der strategischen Ausrichtung des Unternehmens für seinen Kölner Standort hin. Was genau zu diesem Umdenken geführt hat, bleibt vorerst unklar.
Ein Gebäude mit Geschichte
Das betroffene Gebäude wurde 1976 fertiggestellt und stammt vom renommierten, 2022 verstorbenen Kölner Architekten Joachim Schürmann. Es steht nicht unter Denkmalschutz. Rolex nutzt den Bau seit 1983 als Deutschland-Zentrale mit Büros und Werkstätten. Der einst markante goldene Rolex-Schriftzug an der Fassade wurde bereits vor einigen Jahren entfernt, was schon damals Spekulationen über die Zukunft des Standorts auslöste.
Umzug nach Deutz und ungewisse Zukunft
Als Konsequenz aus der Entscheidung wird Rolex seinen traditionsreichen Standort in der Innenstadt verlassen. Ab Mitte Mai ist ein schrittweiser Umzug in das moderne Büroviertel Messe-City in Deutz geplant. Dieser Schritt wirft eine zentrale Frage auf: Handelt es sich um eine Übergangslösung oder einen dauerhaften Abschied von der Dom-Nähe?
In der offiziellen Mitteilung des Unternehmens wird der Umzug nach Deutz nicht explizit als Interimslösung bezeichnet. Stattdessen heißt es, man prüfe „weitere Optionen für die vollständige Sanierung des Gebäudes und alternative Nutzungsmöglichkeiten“. Was genau unter diesen „alternativen Nutzungen“ zu verstehen ist, ließ das Unternehmen auf Nachfrage offen.
Fakten zum Rolex-Standort
- Standort: Domprobst-Ketzer-Straße, Köln-Innenstadt
- Baujahr des Gebäudes: 1976
- Architekt: Joachim Schürmann
- Nutzung durch Rolex: Seit 1983
- Geplanter Umzug: Ab Mitte Mai in die Messe-City Deutz
Was geschieht mit dem Gebäude am Dom?
Die Zukunft des markanten Baus in direkter Nachbarschaft zum Dom ist somit völlig offen. Eine Sanierung könnte das Gebäude für eine Weiternutzung durch Rolex vorbereiten, aber auch für eine Vermietung an Dritte oder einen Verkauf. Die vage Formulierung über „alternative Nutzungsmöglichkeiten“ lässt Raum für vielfältige Spekulationen.
Denkbar wäre eine Umwandlung in hochwertige Büroflächen für andere Unternehmen, die die zentrale Lage schätzen. Auch eine Mischnutzung mit Einzelhandel im Erdgeschoss wäre eine Option. Die Stadt Köln verliert mit dem Stopp des Neubaus vorerst ein architektonisches Aushängeschild, gewinnt aber gleichzeitig die Möglichkeit, die Entwicklung dieses wichtigen Grundstücks neu zu denken.
Auswirkungen auf die Kölner Stadtentwicklung
Die Entscheidung von Rolex hat direkte Auswirkungen auf die Stadtentwicklung rund um den Kölner Hauptbahnhof. Das Areal westlich des Bahnhofs ist eines der wichtigsten Entwicklungsgebiete der Stadt. Der geplante Neubau galt als ein entscheidender Baustein zur Aufwertung des gesamten Quartiers.
Die plötzliche Planänderung eines so renommierten Unternehmens zeigt, wie dynamisch und unvorhersehbar städtische Entwicklungsprozesse sein können. Nun müssen neue Konzepte für diesen zentralen Ort erarbeitet werden.
Für die Stadtverwaltung bedeutet dies, dass die Planungen für diesen Bereich neu aufgerollt werden müssen. Die Absage könnte eine Chance sein, die Nutzung des Grundstücks noch stärker an den Bedürfnissen der Stadt auszurichten. Gleichzeitig entsteht eine Lücke in der langfristigen Entwicklungsstrategie für das Dom-Umfeld.
Der Umzug nach Deutz stärkt hingegen die Position der Messe-City als attraktiver und moderner Bürostandort. Für die linke Rheinseite bedeutet der vorläufige Abschied von Rolex jedoch den Verlust eines prominenten und traditionsreichen Unternehmens aus der unmittelbaren Innenstadt.




