Obwohl der Kölner Stadtrat bereits im März 2020 eine umfassende Sanierung des maroden Deutzer Rings beschlossen hat, verzögert sich der Baubeginn um weitere Jahre. Die Stadtverwaltung plant nun, das Projekt neu zu bewerten und mit der Entwicklung des Deutzer Hafens zu verknüpfen. Eine konkrete Zeitplanung wird frühestens 2027 erwartet, während der Zustand der wichtigen Verkehrsachse sich weiter verschlechtert.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Stadtrat genehmigte bereits im März 2020 eine 6,2 Millionen Euro teure Sanierung des Deutzer Rings.
- Bis heute haben keine Bauarbeiten stattgefunden, der Zustand der Straße gilt als schlecht.
- Die Verwaltung prüft nun eine Zusammenlegung mit dem Bau von Zufahrtswegen zum neuen Stadtviertel Deutzer Hafen.
- Ein neuer Sachstand zum Projekt wird erst für das erste Quartal 2027 angekündigt, sieben Jahre nach dem ursprünglichen Beschluss.
Jahrelanger Stillstand bei wichtigem Verkehrsprojekt
Autofahrer in Köln müssen sich weiterhin auf eine marode Fahrbahn auf dem Deutzer Ring einstellen. Die wichtige Verbindungsstraße zwischen dem östlichen Zubringer und der Severinsbrücke weist seit über fünf Jahren erhebliche Schäden auf. Obwohl der Stadtrat schon vor Jahren grünes Licht für eine Generalinstandsetzung gab, herrscht auf der Strecke Stillstand.
Nun hat Verkehrsdezernent Ascan Egerer eine weitere Verzögerung angekündigt. Statt das längst beschlossene Projekt umzusetzen, soll eine neue strategische Prüfung stattfinden. Die Idee: Die Sanierung des Deutzer Rings könnte mit dem Bau der Verkehrsanbindung für das neue Quartier am Deutzer Hafen zusammengelegt werden.
Eine strategische Neuausrichtung
Die Verwaltung erhofft sich durch die Bündelung der beiden Großprojekte Synergien. Laut Egerer könnten durch eine gemeinsame Planung und Umsetzung Personal und Ressourcen eingespart werden. Auch eine mögliche Verkürzung der Gesamtbauzeit wird als Vorteil genannt. Ursprünglich war für die Sanierung des Deutzer Rings allein eine Bauzeit von zwölf Monaten veranschlagt worden.
Von "dringend erforderlich" zu jahrelanger Wartezeit
Die aktuelle Entwicklung steht im starken Kontrast zur ursprünglichen Bewertung der Lage. Im März 2020 stufte das damals noch von Stadtdirektorin Andrea Blome geleitete Verkehrsdezernat die Sanierung als „dringend erforderlich“ ein. In der Beschlussvorlage für den Rat wurde betont, dass nur eine Generalinstandsetzung die Verkehrssicherheit langfristig aufrechterhalten könne.
Das Schadensbild wurde damals detailliert beschrieben. Gutachter stellten fest:
- Erhebliche Schäden durch Verformungen der Deckschicht
- Deutliche Absenkungen in der Fahrbahn
- Querrisse mit Ausbrüchen im Asphalt
Das Fazit der Verwaltung im Jahr 2020 war eindeutig: Eine grundhafte Erneuerung im Vollausbau sei „unumgänglich“, um die Substanz der Straße zu erhalten und teure, provisorische Reparaturen zu vermeiden.
„Die Generalinstandsetzung ist dringend erforderlich, um die Verkehrssicherheit aufrechtzuerhalten und einen wirtschaftlichen Schaden durch kostenintensive temporäre Unterhaltungsmaßnahmen zu vermeiden.“
Auszug aus der Beschlussvorlage der Stadt Köln, März 2020
Die Gründe für die Verzögerung
Die jetzige strategische Neuplanung ist nicht der erste Grund für den Aufschub. Bereits im August 2023, also dreieinhalb Jahre nach dem Ratsbeschluss, hatte die Stadt das Projekt vorerst zurückgestellt. Als Grund wurde damals ein Mangel an Personal im zuständigen Amt für Straßen und Radwegebau genannt.
Die neue Verknüpfung mit dem Deutzer Hafen sorgt jedoch nicht für eine Beschleunigung. Im Gegenteil: Der nächste offizielle Sachstandsbericht ist erst für das erste Quartal 2027 geplant. Das bedeutet, dass zwischen dem politischen Beschluss und dem Beginn konkreter Planungen mindestens sieben Jahre vergehen werden. Im kommenden Jahr sollen zunächst Abstimmungen für einen groben Zeitplan erfolgen.
Wichtige Verkehrsachse für Pendler
Der Deutzer Ring ist eine zentrale Route im Kölner Verkehrsnetz. Er ermöglicht eine direkte Verbindung vom östlichen Zubringer über die Severinsbrücke in die Innenstadt und umgekehrt. Der Zubringer wiederum bindet Köln über das Kreuz Gremberg an die Autobahnen A4 und A559 an und stellt somit auch eine wichtige Verbindung zur A3 am Dreieck Heumar dar.
Geduldsprobe für Autofahrer geht weiter
Für die Kölnerinnen und Kölner bedeutet die erneute Verzögerung, dass sie auf absehbare Zeit mit den schlechten Straßenverhältnissen auf dem Deutzer Ring leben müssen. Risse und Absenkungen in der Fahrbahn bleiben eine tägliche Herausforderung. Wann die Bagger tatsächlich anrollen werden, um die als „unumgänglich“ bezeichnete Sanierung durchzuführen, bleibt völlig offen.
Die Hoffnung der Stadt, durch die Bündelung der Projekte Ressourcen zu schonen, steht der wachsenden Ungeduld der Verkehrsteilnehmer gegenüber. Die als dringend eingestufte Maßnahme zur Gewährleistung der Verkehrssicherheit rückt damit in weite Ferne.




