Die Parfümerie-Kette Pieper, Deutschlands größte inhabergeführte Parfümerie, hat am Freitag einen Antrag auf ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung gestellt. Das Unternehmen bestätigte, dass dieser Schritt notwendig sei, um eine nachhaltige Sanierung zu ermöglichen. Für die Stadt Köln hat diese Entwicklung direkte Auswirkungen, da vier Filialen im Stadtgebiet betroffen sind. Der Geschäftsbetrieb soll jedoch vorerst uneingeschränkt weiterlaufen.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Parfümerie Pieper hat ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung beantragt, um sich neu aufzustellen.
- Alle 120 Filialen, einschließlich der vier Standorte in Köln, sowie der Online-Shop bleiben geöffnet.
- Die Gehälter der Mitarbeiter sind durch das Insolvenzgeld für die nächsten drei Monate gesichert.
- Für Kunden ändert sich zunächst nichts; der Verkauf und Service laufen wie gewohnt weiter.
Ein Schritt zur Neuausrichtung
Die Entscheidung, ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung zu beantragen, wurde vom zuständigen Amtsgericht am 20. November 2025 genehmigt. Diese spezielle Form des Insolvenzrechts erlaubt es der bestehenden Geschäftsführung, die Kontrolle über das Unternehmen zu behalten und den Sanierungsprozess selbst zu steuern. Ziel ist es, das Traditionsunternehmen zukunftsfähig zu machen.
In einer offiziellen Mitteilung erklärte die Geschäftsführung, dass dieser Weg die beste Möglichkeit sei, das Unternehmen zu stabilisieren und strategisch neu auszurichten. Die Eigenverwaltung bietet den notwendigen rechtlichen Rahmen, um Restrukturierungsmaßnahmen schnell und effizient umzusetzen, ohne den laufenden Betrieb zu gefährden.
„Die Sanierung in Eigenverwaltung gibt uns die Möglichkeit, das Unternehmen bei voller operativer Kontrolle zu stabilisieren und strategisch weiterzuentwickeln“, erklärte Geschäftsführer Oliver Pieper.
Diese Aussage unterstreicht das Vertrauen der Führungsebene in die Zukunft des Unternehmens. Es handelt sich nicht um eine Geschäftsaufgabe, sondern um einen geplanten Neustart unter schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen.
Was bedeutet Insolvenz in Eigenverwaltung?
Bei einer Insolvenz in Eigenverwaltung bleibt die bisherige Unternehmensleitung im Amt und führt die Sanierung selbst durch. Sie wird dabei von einem gerichtlich bestellten Sachwalter überwacht, der die Interessen der Gläubiger wahrt. Dieses Verfahren wird in der Regel nur Unternehmen gewährt, bei denen eine realistische Chance auf eine erfolgreiche Sanierung besteht.
Auswirkungen auf Köln und die Mitarbeiter
Für die Kölnerinnen und Kölner ist die Nachricht von besonderer Bedeutung, da die Parfümerie Pieper in der Stadt stark vertreten ist. Vier Filialen sind Teil des lokalen Einzelhandels und beliebte Anlaufstellen für Kosmetik- und Duftprodukte.
Die betroffenen Standorte in Köln sind:
- Innenstadt: Schwertnergasse
- Neustadt-Nord: Hohenzollernring
- Weiden: Rhein-Center
- Rodenkirchen: Maternusstraße
Die Geschäftsführung betonte, dass alle Filialen, auch die in der Region wie in Leverkusen und Bergisch Gladbach, uneingeschränkt geöffnet bleiben. Auch der Online-Shop ist von den Maßnahmen nicht betroffen und steht den Kunden weiterhin zur Verfügung.
Sicherheit für die Belegschaft
Eine der wichtigsten Nachrichten für die Belegschaft ist die Sicherung ihrer Einkünfte. Die Löhne und Gehälter der Mitarbeitenden sind für einen Zeitraum von drei Monaten durch das Insolvenzgeld der Bundesagentur für Arbeit vollständig abgedeckt. Dies verschafft dem Unternehmen den nötigen finanziellen Spielraum, um die Sanierungspläne voranzutreiben, ohne die Mitarbeiter unmittelbar zu belasten.
Diese Maßnahme sorgt für Stabilität in einer unsicheren Phase und ermöglicht es den Angestellten, sich weiterhin auf ihre Arbeit und den Kundenservice zu konzentrieren. Die kommenden Monate werden entscheidend dafür sein, wie die langfristige Personalstruktur des Unternehmens aussehen wird.
Ein Familienunternehmen mit langer Tradition
Die Geschichte der Parfümerie Pieper reicht bis ins Jahr 1931 zurück. Anna Pieper und ihr Sohn Gerhard eröffneten damals das erste Seifengeschäft in Bochum. Über Jahrzehnte entwickelte sich das Unternehmen unter der Führung von Gerd Pieper, dem Enkel der Gründerin, zur größten inhabergeführten Parfümerie in Deutschland. Heute wird es in der vierten Generation von Dr. Oliver Pieper und Torsten Pieper geleitet.
Was bedeutet das für die Kunden?
Für die Kundinnen und Kunden der Parfümerie Pieper soll sich im Alltag vorerst nichts ändern. Das Unternehmen hat versichert, dass der Geschäftsbetrieb in vollem Umfang aufrechterhalten wird. Das bedeutet konkret:
- Einkaufen wie gewohnt: Sowohl die Filialen als auch der Online-Shop sind normal geöffnet.
- Sortiment bleibt bestehen: Das bekannte Produktangebot an Düften, Pflegeprodukten und Kosmetik ist weiterhin verfügbar.
- Gutscheine und Kundenkarten: Informationen zur Gültigkeit von Gutscheinen und zum Kundenbindungsprogramm werden in der Regel im Laufe des Verfahrens geklärt, doch meist bleiben diese zunächst gültig, um das Kundenvertrauen zu erhalten.
Die Fortführung des Geschäftsbetriebs ist ein zentraler Bestandteil des Sanierungskonzepts. Ein stabiler Umsatz ist die Grundlage dafür, das Vertrauen von Lieferanten und Geschäftspartnern zu sichern und die Restrukturierung erfolgreich umzusetzen. Kunden spielen dabei eine entscheidende Rolle, indem sie dem Unternehmen weiterhin die Treue halten.
Ein Blick in die Zukunft
Die kommenden Monate werden zeigen, wie die Neuausrichtung der Parfümerie Pieper konkret aussehen wird. Die Geschäftsführung wird nun einen Sanierungsplan erarbeiten, der dem Gericht und den Gläubigern vorgelegt wird. Dieser Plan wird voraussichtlich Maßnahmen zur Kostensenkung, zur Optimierung des Filialnetzes und zur Stärkung des Online-Geschäfts enthalten.
Die Insolvenz in Eigenverwaltung ist eine Chance, die Weichen für eine stabile Zukunft zu stellen. Für den Kölner Einzelhandel bleibt zu hoffen, dass die vier Standorte erhalten bleiben und das Traditionsunternehmen diese schwierige Phase erfolgreich meistert. Die Fortführung des Betriebs ist ein positives Signal für Mitarbeiter und Kunden gleichermaßen.




