Ein Kölner Sparkassenkunde wollte eine Anzahlung für seinen Sommerurlaub überweisen, doch die Zahlung wurde blockiert. Kurz darauf klingelte sein Telefon: Ein Mitarbeiter der Bank wollte sicherstellen, dass die Transaktion echt war. Dieser Vorfall ist kein Einzelfall, sondern Teil einer neuen Strategie, mit der Kölner Banken und Sparkassen ihre Kunden vor dem wachsenden Online-Betrug schützen.
Angesichts steigender Betrugszahlen setzen Geldinstitute wie die Sparkasse Köln-Bonn und die Volksbank Köln Bonn verstärkt auf künstliche Intelligenz (KI), um verdächtige Transaktionen in Echtzeit zu erkennen und zu stoppen. Diese Technologie hat sich bereits als äußerst wirksam erwiesen.
Das Wichtigste in Kürze
- Kölner Banken nutzen KI-Systeme, um den Zahlungsverkehr kontinuierlich zu überwachen.
- Bei verdächtigen Überweisungen werden Kunden persönlich von Bankmitarbeitern angerufen.
- Die Volksbank Köln Bonn hat durch diese Maßnahmen bereits einen Schaden von über einer Million Euro verhindert.
- Die Zahl der Betrugsdelikte in Köln ist in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen.
Wie die KI-Systeme der Banken arbeiten
Die Kölner Geldinstitute haben Systeme implementiert, die den gesamten Zahlungsverkehr ihrer Kunden analysieren. Diese intelligenten Algorithmen lernen das typische Verhalten jedes einzelnen Kunden und suchen nach Abweichungen.
Eine Sprecherin der Volksbank Köln Bonn erklärt, dass verschiedene Faktoren eine Transaktion verdächtig machen können. Dazu gehören:
- Die Höhe des Betrags: Eine Überweisung, die deutlich höher ist als die üblichen Zahlungen eines Kunden.
- Die Häufigkeit: Mehrere Transaktionen in kurzer Zeit, die nicht dem normalen Muster entsprechen.
- Das Zielland: Ungewöhnliche Auslandsüberweisungen, insbesondere in Länder, in die der Kunde noch nie Geld gesendet hat.
- Die Art der Auftragserteilung: Änderungen in der Art und Weise, wie eine Überweisung in Auftrag gegeben wird.
Wenn die Software eine solche Auffälligkeit feststellt, schlägt sie Alarm. Die verdächtige Zahlung wird dann automatisch angehalten und nicht sofort ausgeführt.
Der Mensch greift ein
Nachdem die KI eine Transaktion markiert hat, übernimmt ein menschlicher Mitarbeiter. Diese speziell geschulten Angestellten prüfen den Fall und nehmen im Zweifelsfall direkt Kontakt mit dem Kunden auf. „In diesen Gesprächen klärt der Mitarbeitende die Hintergründe der Zahlung mit dem Kunden und fragt, ob die Zahlung ausgeführt werden soll oder nicht“, erläutert Bettina Neises, Sprecherin der Sparkasse Köln-Bonn.
Dieser Anruf dient als letzte Sicherheitsebene, um sicherzustellen, dass der Kunde die Zahlung tatsächlich selbst und freiwillig veranlasst hat. Erst nach dieser persönlichen Bestätigung wird die Überweisung freigegeben.
Millionenschaden verhindert
Die Wirksamkeit dieser Methode ist beachtlich. Allein die Volksbank Köln Bonn konnte nach eigenen Angaben in diesem Jahr durch ihr KI-gestütztes Überwachungssystem bereits einen finanziellen Schaden von mehr als einer Million Euro für ihre Kunden abwenden.
Steigende Betrugszahlen erfordern neue Maßnahmen
Die Investition in neue Sicherheitstechnologien ist eine direkte Reaktion auf die Kriminalitätsentwicklung. Die Kölner Polizei verzeichnete im vergangenen Jahr knapp 3.000 Fälle von „Betrugsdelikten mittels rechtswidrig erlangter Zahlungsmittel“.
Das sind 500 Fälle mehr als im Vorjahr und sogar 1.000 mehr als vor zwei Jahren. Bei diesen Delikten stehlen oder ergaunern sich Kriminelle die Bankdaten ihrer Opfer, um deren Konten leerzuräumen oder auf deren Namen online einzukaufen.
Was ist Phishing?
Eine der häufigsten Methoden, um an Bankdaten zu gelangen, ist das sogenannte Phishing. Betrüger versenden gefälschte E-Mails oder SMS, die angeblich von der Bank stammen. Darin wird der Empfänger aufgefordert, auf einen Link zu klicken und seine Zugangsdaten einzugeben. Diese Daten landen dann direkt bei den Kriminellen.
So schützen Sie sich selbst
Obwohl die KI-Systeme einen wichtigen Schutz bieten, betonen die Banken, dass sie keine hundertprozentige Sicherheit garantieren können. Die Aufmerksamkeit der Kunden bleibt entscheidend. „Es ist weiterhin wichtig, dass Kunden gewisse Prinzipien zur Betrugsvermeidung im Zahlungsverkehr beachten“, so Bettina Neises von der Sparkasse Köln-Bonn.
Der wichtigste Grundsatz lautet: Geben Sie niemals Ihre PIN oder eine TAN an Dritte weiter.
„Wenn die Sparkasse anruft, wird nie die PIN oder TAN beim Kunden erfragt; auch nicht um eine angehaltene Zahlung auszuführen oder abzulehnen.“
Bettina Neises, Sprecherin der Sparkasse Köln-Bonn
Genau das ist der entscheidende Unterschied zwischen einem echten Anruf Ihrer Bank und dem eines Betrügers. Kriminelle benötigen diese Daten, um ihre betrügerischen Buchungen durchführen zu können.
Vorsicht vor neuen Betrugsmaschen
Betrüger passen ihre Taktiken ständig an. Eine neuere Masche ist der Trick mit dem „Sicherheitskonto“. Dabei rufen die Täter an, geben sich als Bankmitarbeiter aus und behaupten, das Konto des Kunden sei in Gefahr. Sie drängen das Opfer dazu, sein gesamtes Guthaben auf ein angeblich neu eröffnetes, sicheres Konto zu überweisen.
Banken warnen eindringlich vor dieser Methode. „Eine Kontoeröffnung ohne Legitimation des Kunden würde eine Bank niemals vornehmen und auch eine solche Überweisung nicht einfordern“, stellt Sprecherin Neises klar. Wenn Sie einen solchen Anruf erhalten, legen Sie sofort auf und kontaktieren Sie Ihre Bank über die Ihnen bekannte, offizielle Telefonnummer.
Um die Aufklärung weiter zu fördern, plant die Sparkasse Köln-Bonn gemeinsam mit der Kölner Polizei ein neues Online-Talkformat. In diesen Veranstaltungen sollen Experten beider Institutionen über aktuelle Betrugsmaschen informieren und präventive Tipps geben.




