In der Kölner Südstadt entsteht ein innovatives Wohnprojekt, das Gemeinschaft und Glauben in den Mittelpunkt stellt. Im Rahmen des „Campus Kartause“ der evangelischen Kirche wird Anfang 2027 eine christliche Wohngemeinschaft bezugsfertig sein. Das Projekt richtet sich an Menschen, die eine Alternative zum anonymen Wohnen suchen und ihren Glauben aktiv im Alltag leben möchten.
Das Bauvorhaben am Kartäuserwall kombiniert Bildungs-, Wohn- und Gemeinschaftsräume und schafft so einen neuen sozialen Treffpunkt im Viertel. Für die Wohngemeinschaft sind neun separate Appartements sowie großzügige Gemeinschaftsflächen geplant. Zwei der Wohnungen sind bereits vergeben, sieben stehen noch für Interessierte zur Verfügung.
Das Wichtigste in Kürze
- Projekt: Christliche Wohngemeinschaft im „Campus Kartause“ in der Kölner Südstadt.
- Fertigstellung: Geplant für Anfang 2027.
- Wohnungen: Neun Appartements zwischen 58 und 83 Quadratmetern.
- Mietpreis: Voraussichtlich 18 Euro pro Quadratmeter zuzüglich Nebenkosten.
- Konzept: Privater Wohnraum kombiniert mit gemeinschaftlich genutzten Bereichen und einem geteilten christlichen Alltagsleben.
Ein Zuhause gegen die Einsamkeit
In einer Zeit, in der viele Menschen über Anonymität und Einsamkeit in Großstädten klagen, bietet der Campus Kartause ein bewusstes Gegenmodell. Das Projekt will zwei zentrale gesellschaftliche Herausforderungen adressieren: die Suche nach bezahlbarem Wohnraum und das Bedürfnis nach sozialer Verbundenheit.
Antje Rinecker, Studienleiterin der Melanchthon-Akademie, begleitet das Vorhaben organisatorisch. Sie sieht die große Stärke des Projekts darin, Menschen zusammenzubringen. „Menschen teilen ihr alltägliches und ihr geistliches Leben. Das verbindet, schafft Vertrauen, Miteinander – und vielleicht sogar Kreativität und Engagement“, erklärt sie die Vision hinter der Gemeinschaft.
Die zukünftigen Bewohnerinnen und Bewohner gestalten ihr Zusammenleben selbst. Es gibt kein starres Regelwerk oder ein „Pflichtenheft“, wie eine der zukünftigen Mieterinnen betont. Die Basis ist der gemeinsame christliche Glaube, der jedoch Raum für individuelle Lebensentwürfe lässt.
Zahlen und Fakten zum Campus Kartause
- Standort: Kartäuserwall, Köln
- Gesamtprojekt: Umfasst fünf Bildungseinrichtungen der evangelischen Kirche, 29 Studierendenwohnungen, zwölf weitere Mietwohnungen und einen Gastronomiebetrieb.
- Anzahl WG-Wohnungen: 9
- Verfügbarkeit: 7 Wohnungen sind noch frei.
Die ersten Bewohnerinnen stehen fest
Zwei Frauen haben sich bereits entschieden, Teil dieser neuen Gemeinschaft zu werden: Antje Gensichen und Christiane Pawlik. Für beide ist der Einzug Anfang 2027 ein bewusster Schritt, ihrem Leben eine neue Richtung zu geben. Sie freuen sich auf die Möglichkeit, ihren Glauben nicht nur im Stillen, sondern in einer unterstützenden Gemeinschaft zu leben.
Unterschiedliche Wege, ein gemeinsames Ziel
Antje Gensichen bringt einen starken evangelischen Hintergrund mit. Sie hat viele Jahre das Café Lichtblick in Stammheim geleitet und war in der Stadtmission Wuppertal aktiv. Eine prägende Erfahrung war für sie auch eine Pilgerreise auf dem Jakobsweg. „Ich möchte den Glauben im Alltag mit anderen Menschen teilen“, sagt Gensichen. „Dabei geht es nicht darum, ständig über Glaubensfragen reden zu müssen. Aber der Glaube sollte für mich in einer christlichen WG ein bewusster Teil des Alltags sein.“
Christiane Pawlik, die beruflich im Prozessmanagement tätig ist, betont die Offenheit des Konzepts. „Jeder investiert das, was er kann. Die Basis ist der christliche Glaube“, erklärt sie. Wichtig sei ihr, die Dinge einfach zu halten und gemeinsam Rituale zu finden, die für alle passen.
Die beiden Frauen sehen einen großen Vorteil darin, von Anfang an dabei zu sein. „Noch ist nichts gesetzt. Wir können gemeinsam etwas entwickeln“, so Gensichen. Wer später dazustoße, finde bereits einen bestehenden Rahmen vor.
Inspiration aus Schottland: Die Iona-Community
Als Vorbild für das Kölner Projekt dient die Iona-Community, eine ökumenische Gemeinschaft auf der schottischen Insel Iona. Um sich auf ihr zukünftiges Zusammenleben vorzubereiten, haben Gensichen und Pawlik die Gemeinschaft kürzlich für eine Woche besucht.
Die Iona-Community: Ein Modell für gelebten Glauben
Die Gemeinschaft wurde 1938 vom Glasgower Pfarrer George MacLeod gegründet. Er brachte arbeitslose Handwerker und Theologiestudenten zusammen, um die Ruinen der alten Abtei von Iona wiederaufzubauen. Daraus entstand eine spirituelle Gemeinschaft, die sich bis heute an fünf grundlegenden Regeln orientiert.
Die Regeln der Iona-Community umfassen:
- Tägliches Gebet und Bibelstudium
- Verantwortlicher Umgang mit Geld und Zeit
- Einsatz für Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung
- Regelmäßige Treffen und Austausch
Diese Prinzipien sollen auch das Leben in der Kölner Wohngemeinschaft inspirieren, ohne sie dogmatisch zu übernehmen. Es geht darum, eine Balance zwischen individuellem Freiraum und gemeinschaftlicher Verantwortung zu finden.
Wohnen im Detail: Was erwartet die Mieter?
Die neun Appartements der Wohngemeinschaft bieten modernen Wohnkomfort und gleichzeitig die Möglichkeit zur Gemeinschaft. Die Wohnungen sind zwischen 58 und 83 Quadratmeter groß und können von den Mietern individuell eingerichtet werden. Auch eine eigene kleine Küche mit Herd und Kühlschrank ist in den privaten Einheiten möglich.
Das Herzstück der Gemeinschaft sind die großzügigen Gemeinschaftsbereiche. Hier befinden sich eine große, voll ausgestattete Küche und viel Platz für gemeinsame Mahlzeiten, Gespräche oder andere Aktivitäten. Dieser Bereich soll der zentrale Ort des Austauschs und des Miteinanders werden.
Der Mietpreis ist derzeit mit 18 Euro pro Quadratmeter Kaltmiete kalkuliert, hinzu kommen die üblichen Nebenkosten. Einige der zwölf weiteren Wohnungen im Campus Kartause sind öffentlich gefördert, was die soziale Durchmischung des gesamten Projekts sicherstellen soll.
Interessierte, die sich vorstellen können, Teil dieser besonderen Gemeinschaft zu werden, können sich für weitere Informationen direkt an Antje Rinecker von der Melanchthon-Akademie wenden ([email protected]).




