Nach 16 Jahren fand am Sonntagnachmittag das letzte adventliche Mitspielkonzert der Kölner Band Höhner im Dom statt. Die Entscheidung des Domkapitels, die beliebte Veranstaltungsreihe zu beenden, sorgte für eine Mischung aus Wehmut und Unverständnis bei Tausenden von Teilnehmern und Musikern.
Trotz der festlichen Klänge lag ein Schatten über der Veranstaltung, da die Gründe für das abrupte Ende der Tradition bisher nicht transparent kommuniziert wurden. Viele der Anwesenden, darunter auch prominente Unterstützer, äußerten die Hoffnung auf eine mögliche Fortsetzung in der Zukunft.
Das Wichtigste in Kürze
- Nach 16 Jahren endete die Tradition des Höhner-Mitspielkonzerts im Kölner Dom.
- Die Entscheidung des Domkapitels, die Reihe einzustellen, wurde ohne öffentliche Begründung getroffen.
- Musiker, Organisatoren und Besucher zeigten sich enttäuscht und forderten ein Umdenken.
- Hunderte Musiker und rund 1700 Sänger bildeten einen einzigartigen Klangkörper in der voll besetzten Kathedrale.
Ein emotionaler Abschied in der Kathedrale
Am 7. Dezember 2025 versammelten sich Tausende Menschen im bis auf den letzten Platz gefüllten Kölner Dom. Es war ein beeindruckendes Bild: Hunderte Musikerinnen und Musiker hatten ihre Instrumente mitgebracht, um ein letztes Mal gemeinsam mit den Höhnern zu musizieren. Die Atmosphäre war geprägt von feierlicher Stimmung, aber auch von spürbarer Trauer.
Die Veranstaltung, die seit 2010 im Dom stattfand und zuvor in Groß St. Martin beheimatet war, hat sich zu einer festen Institution im Kölner Advent entwickelt. Sie brachte Menschen aller Altersgruppen zusammen, um gemeinsam zu singen und zu spielen.
Ein Orchester aus der Mitte der Gesellschaft
Die Vielfalt der teilnehmenden Musiker spiegelte den gemeinschaftlichen Charakter des Konzerts wider. Die Organisatoren zählten ein beeindruckendes Ensemble, das spontan für diesen Tag zusammenkam:
- 131 Blechblasinstrumente
- 429 Holzblasinstrumente
- 108 Streichinstrumente
- 24 Keyboards
- 5 Harfen
- 9 E-Gitarren
- Zahlreiche weitere Instrumente wie Gitarren, Mundharmonikas und Ukulelen
Zusammen mit einem Chor von rund 1700 Sängerinnen und Sängern entstand ein Klang, der die gotischen Gewölbe des Doms erfüllte. Auf dem Programm standen Klassiker wie „Wir sagen Euch an den lieben Advent“, aber auch kölsche Lieder wie „Hillich Ovend ben ich doheim“.
Unverständnis über die Entscheidung des Domkapitels
Die Nachricht, dass das Domkapitel die Veranstaltungsreihe beenden würde, stieß bei vielen auf Unverständnis. Besonders die fehlende Kommunikation seitens der Kirchenverantwortlichen sorgte für Irritation. Höhner-Sänger Patrick Lück erklärte am Rande der Veranstaltung: „Mit uns hat weiterhin niemand gesprochen, es gibt keine Begründung. Wir sind auch nur über das Ende dieser tollen Reihe informiert worden.“
Das erste Mitspielkonzert fand 2003 in der Kirche Groß St. Martin statt. Aufgrund des enormen Zuspruchs wurde es 2010 in den Kölner Dom verlegt, wo es seitdem jährlich Tausende Menschen anzog.
Auch der ehemalige Frontmann der Höhner, Henning Krautmacher, der ebenfalls anwesend war, äußerte sein Bedauern. „Das ist sehr, sehr schade“, sagte er. Dennoch blickte er nach vorne: „Mir bleibt nur das Prinzip Hoffnung. Wenn eine Tür sich schließt, geht oft eine neue auf. Ich hoffe, dass es eine neue Initiative gibt – so herzergreifend, schön und kölsch.“
Kritik und Hoffnungsschimmer
Während des Konzerts selbst sollten sich die Beteiligten Berichten zufolge nicht kritisch über das Aus äußern. Dennoch fanden einige deutliche Worte, oft auf kreative Weise. Chorleiter Michael Kokott, der mit seinem Kinderchor „Lucky Kids“ auftrat, nutzte die Form einer Fürbitte, die er über soziale Medien einreichte.
„Ich bitte darum, dass das Kölner Domkapitel seine Entscheidung überdenkt und den Wunsch vieler tausend Menschen, das Mitspielkonzert der Höhner in der bisherigen Form weiterzuführen, erhört.“
Später fügte Kokott hinzu, dass mit diesem Konzert viele Menschen erreicht worden seien, die sonst nicht den Weg in die Kirche fänden. „Es ist unfassbar, dass man so eine Chance nun einfach wegwirft“, so seine Einschätzung.
Die Rolle des Domkapitels
Das Domkapitel ist das Leitungsgremium des Kölner Doms. Es besteht aus dem Dompropst, dem Domdechanten und weiteren Domkapitularen. Dieses Gremium entscheidet über alle wichtigen Angelegenheiten, die die Kathedrale betreffen, einschließlich der Genehmigung von Veranstaltungen.Dompropst Guido Assmann äußerte sich zurückhaltend und verglich die Situation mit den Heiligen Drei Königen: „Die haben auf ihrem Weg zur Krippe auch mal Pause gemacht. So machen auch wir heute hier eine Pause.“ Diese Aussage lässt Raum für Interpretationen, ob es sich um ein endgültiges Ende oder nur um eine Unterbrechung handelt.
Ein Abschied mit Galgenhumor
Der musikalische Leiter und Dirigent des Konzerts, Janus Fröhlich, wurde für sein 16-jähriges Engagement mit stehenden Ovationen gefeiert. Seinen Abschied kommentierte er mit einer Prise Galgenhumor, die beim Publikum gut ankam: „Nach 15 Jahren Üben war das heute das finale Konzert. Es war mir immer eine Freude und eine Ehre.“
Organisatorin Petra Dierkes verabschiedete sich ebenfalls mit emotionalen Worten: „Wir haben das mit viel Freude und ganz viel Herz gemacht. Jetzt übernehmen andere die Regie. Denen wünschen wir Gottes Segen, bei dem, was kommt.“ Die Reaktionen nach dem Konzert machten deutlich, dass die Entscheidung des Domkapitels auf breites Unverständnis stößt, unabhängig davon, welches Format in Zukunft an die Stelle des Mitspielkonzerts treten könnte.




