In einer Wohnung im Kölner Stadtteil Bickendorf wurde die Leiche eines 52-jährigen Mannes entdeckt. Die Polizei nahm einen 19-jährigen Mann fest, der in der Wohnung angetroffen wurde und nun unter Tatverdacht steht. Die Ermittlungen zu den Hintergründen der Tat laufen auf Hochtouren.
Der Fall kam ins Rollen, nachdem ein Arbeitskollege des späteren Opfers eine Vermisstenanzeige erstattet hatte. Die anschließende Suche führte die Beamten zu der Adresse des jungen Mannes am Ollenhauerring, wo sie die tragische Entdeckung machten.
Das Wichtigste in Kürze
- Ein 52-jähriger Mann wurde tot in einer Wohnung in Köln-Bickendorf aufgefunden.
- Ein 19-jähriger Tatverdächtiger, der Bewohner der Wohnung, wurde von der Polizei festgenommen.
- Der Festnahme ging eine Reihe auffälliger Vorfälle voraus, darunter ein Widerstand gegen Polizeibeamte.
- Opfer und Tatverdächtiger kannten sich; der ältere Mann hatte eine Art Betreuungsfunktion.
- Der Verdächtige bestreitet die Tat. Die Mordkommission hat die Ermittlungen übernommen.
Die Entdeckung in Bickendorf
Die Polizei wurde am Mittwochnachmittag alarmiert, als ein besorgter Arbeitskollege meldete, dass sein 52-jähriger Kollege nicht zur Arbeit erschienen sei. Dies war äußerst ungewöhnlich für den als zuverlässig bekannten Mann. Der Kollege gab den entscheidenden Hinweis, dass das Opfer am Vortag bei dem 19-Jährigen in Bickendorf zu Besuch gewesen sein sollte.
Beamte der Kölner Polizei fuhren daraufhin umgehend zur Wohnung des 19-Jährigen am Ollenhauerring. Da auf wiederholtes Klingeln und Klopfen niemand die Tür öffnete, entschieden sich die Einsatzkräfte für einen alternativen Zugang. Sie verschafften sich über den Balkon Zutritt zur Wohnung.
Im Inneren trafen die Polizisten auf den 19-jährigen Bewohner, der einen apathischen und verwirrten Eindruck machte. Kurze Zeit später fanden sie in der Wohnung die Leiche des 52-jährigen Mannes. Ein Notarzt konnte nur noch den Tod feststellen. Der 19-Jährige wurde umgehend als Tatverdächtiger festgenommen.
Eine ungewöhnliche Beziehung
Erste Ermittlungen der Polizei zeichnen das Bild einer besonderen Beziehung zwischen dem Opfer und dem Tatverdächtigen. Die beiden kannten sich gut. Nach Angaben der Ermittler hatte der 52-Jährige eine Art Betreuungsrolle für den jungen Mann übernommen.
Diese Vereinbarung wurde in Absprache mit den Eltern des 19-Jährigen getroffen, die im Ausland leben. Der ältere Mann sollte sich gelegentlich um das „Wohlbefinden“ des Heranwachsenden kümmern. Was genau diese Betreuung umfasste, ist nun Teil der laufenden Ermittlungen.
Hintergrund: Die Ermittlungsarbeit
Nach einem Tötungsdelikt sichert die Spurensicherung am Tatort alle relevanten Beweise. Parallel dazu beginnt die Mordkommission mit der Befragung von Zeugen, Nachbarn und dem Umfeld von Opfer und Täter. Die Obduktion des Opfers liefert entscheidende Hinweise zur Todesursache und zum Tatablauf. In diesem Fall wird die Beziehung zwischen den beiden Männern ein zentraler Punkt der Ermittlungen sein.
Die Polizei geht davon aus, dass es am Dienstagabend zu einem heftigen Streit zwischen den beiden Männern in der Wohnung gekommen ist. Im Verlauf dieser Auseinandersetzung soll der 52-Jährige so schwere Verletzungen erlitten haben, dass er an deren Folgen verstarb. Zur genauen Todesursache machten die Behörden aus ermittlungstaktischen Gründen bisher keine Angaben. Die Leiche wurde zur Obduktion in die Gerichtsmedizin gebracht.
Auffälliges Verhalten vor der Festnahme
Besonders bizarr erscheint eine Kette von Ereignissen, die sich nach der mutmaßlichen Tatzeit und vor der Entdeckung der Leiche abspielten. Der 19-Jährige verließ nach dem Vorfall offenbar seine Wohnung und fiel nur wenige Stunden später erneut auf.
In der Nacht zum Mittwoch geriet er an der Venloer Straße mit dem Sicherheitspersonal einer Moschee aneinander. Er versuchte, das zu dieser Zeit verschlossene Gotteshaus zu betreten, woran ihn ein Sicherheitsmitarbeiter hinderte. Bei diesem Vorfall wurde die Polizei alarmiert.
Widerstand im Krankenhaus
Da der 19-Jährige bei dem Vorfall an der Moschee leichte Verletzungen aufwies, riefen die Polizisten einen Rettungswagen. Im Krankenhaus zeigte der junge Mann jedoch ein äußerst aggressives Verhalten. Er leistete erheblichen Widerstand gegen die polizeilichen Maßnahmen und bewarf die Beamten sogar mit einer Flasche, die mit Urin gefüllt war. Aufgrund dieses Verhaltens wurde er in Polizeigewahrsam genommen.
Überraschenderweise wurde der 19-Jährige am nächsten Morgen wieder aus dem Gewahrsam entlassen. Zu diesem Zeitpunkt ahnte noch niemand, was sich in seiner Wohnung in Bickendorf abgespielt hatte. Erst der Hinweis des Arbeitskollegen Stunden später führte die Polizei zurück zu seiner Adresse.
Ermittlungen dauern an
Der festgenommene 19-Jährige bestreitet die Vorwürfe. In ersten Vernehmungen gab er an, den 52-jährigen Mann nicht getötet zu haben. Die Staatsanwaltschaft Köln hat einen Haftbefehl wegen des Verdachts des Totschlags beantragt. Ein Richter wird nun über die Anordnung der Untersuchungshaft entscheiden.
Die Mordkommission steht vor der Aufgabe, den genauen Tathergang und das Motiv zu klären. „Die Ermittlungen zu den Hintergründen der Tat und dem Motiv dauern an“, erklärte ein Polizeisprecher. Die Ermittler analysieren die am Tatort gesicherten Spuren und befragen Zeugen aus dem Umfeld beider Männer, um die Ereignisse des Dienstagabends zu rekonstruieren.
Viele Fragen sind noch offen: Was war der Auslöser für den tödlichen Streit? Gab es bereits zuvor Konflikte zwischen den beiden? Und welche Rolle spielte der psychische Zustand des 19-Jährigen, der bei seiner Festnahme als apathisch beschrieben wurde? Die kommenden Tage werden zeigen, ob die Ermittler Licht ins Dunkel dieses tragischen Falls bringen können.




