Viele Menschen in Köln und der Region staunten am Wochenende nicht schlecht: Eine feine, gelb-rötliche Staubschicht bedeckte Autos, Gartenmöbel und Fensterscheiben. Ursache für das Phänomen ist Saharastaub, der mit einer warmen Luftströmung aus dem Süden nach Nordrhein-Westfalen gelangt ist. Während das Naturschauspiel faszinierend ist, stellt es für Autobesitzer eine besondere Herausforderung dar.
Regenfälle haben den Staub aus der Atmosphäre gewaschen und auf Oberflächen verteilt. Wer jetzt falsch handelt, riskiert teure Lackschäden an seinem Fahrzeug. Experten warnen davor, den feinen Sand einfach mit einem Lappen wegzuwischen, da dies wie Schmirgelpapier wirken kann.
Das Wichtigste in Kürze
- Eine warme Südströmung hat große Mengen Saharastaub nach Deutschland transportiert.
- Regen wäscht die Partikel aus der Luft, was zu einer schmutzigen Schicht auf Autos führt.
- Die feinen Sandkörner können bei unsachgemäßer Reinigung den Lack zerkratzen.
- Eine gründliche Vorwäsche mit viel Wasser ist entscheidend, um Schäden zu vermeiden.
Woher kommt der Staub über Köln?
Das Wetterphänomen, das derzeit für die staubige Überraschung sorgt, wird oft als „Blutregen“ bezeichnet. Dieser Begriff entsteht durch die rötliche Färbung, die der Regen durch die feinen Sandpartikel annehmen kann. Die aktuelle Wetterlage ist dafür ideal.
Eine kräftige Strömung aus dem Südwesten hat in den vergangenen Tagen nicht nur für ungewöhnlich milde Temperaturen von bis zu 18 Grad Celsius gesorgt, sondern auch Luftmassen direkt aus Nordafrika mitgebracht. In der Sahara-Wüste werden durch starke Winde riesige Mengen an Staub aufgewirbelt und in höhere Luftschichten transportiert.
Von dort aus können die Partikel über Tausende von Kilometern reisen, bis sie schließlich über Mitteleuropa ankommen. Setzt dann Regen ein, werden die Staubteilchen aus der Luft ausgewaschen und legen sich als sichtbarer Film auf alle Oberflächen.
Ein globales Phänomen
Saharastaub-Ereignisse sind in Europa keine Seltenheit und treten mehrmals im Jahr auf. Die Intensität variiert jedoch stark. Besonders im Frühjahr und Herbst, wenn die globalen Windsysteme sich umstellen, sind die Bedingungen für den Transport über weite Strecken günstig. Der Staub hat sogar ökologische Auswirkungen: Er düngt beispielsweise den Atlantik und den Amazonas-Regenwald mit wichtigen Mineralien.
Die Gefahr für den Autolack
Für Autobesitzer ist der Anblick des schmutzigen Fahrzeugs ärgerlich, doch das wahre Problem liegt in der Beschaffenheit des Staubs. Es handelt sich um winzige, scharfkantige Mineralkörner. Wer nun zum trockenen Tuch, einem Schwamm oder einer Bürste greift, um den Schmutz zu entfernen, richtet oft mehr Schaden an als er behebt.
Die Partikel wirken wie feines Schleifpapier. Beim Reiben über die Lackoberfläche entstehen unzählige kleine Kratzer, sogenannte „Swirls“ oder Haarlinienkratzer. Diese sind besonders bei dunklen Lacken und im Sonnenlicht gut sichtbar und mindern den Glanz und den Wert des Fahrzeugs erheblich. Auch Scheiben und Kunststoffteile können beschädigt werden.
"Die Sandkörner auf dem Lack sind wie Schmirgelpapier. Wer hier ohne viel Wasser reibt, riskiert feine, aber dauerhafte Kratzer.", erklärt ein Sprecher des Auto Club Europa (ACE).
Schritt-für-Schritt-Anleitung zur sicheren Reinigung
Um den Saharastaub sicher zu entfernen, ist die richtige Vorgehensweise entscheidend. Geduld und der Einsatz von reichlich Wasser sind der Schlüssel zum Erfolg. Automobilclubs und Pflegeexperten empfehlen eine einheitliche Strategie.
- Gründliche Vorwäsche: Fahren Sie am besten in eine SB-Waschbox. Nutzen Sie einen Hochdruckreiniger, um das Fahrzeug aus sicherer Entfernung (mindestens 30-50 cm) großzügig abzuspritzen. Arbeiten Sie sich von oben nach unten vor und spülen Sie den groben Schmutz vollständig ab.
- Keine Bürsten verwenden: Verzichten Sie unbedingt auf die Nutzung der Schaumstoffbürsten in den Waschboxen. In ihnen können sich Sandkörner von vorherigen Fahrzeugen festgesetzt haben, die wie Schleifpapier wirken.
- Hauptwäsche mit viel Wasser: Nach der Vorwäsche können Sie entweder das Waschprogramm der Anlage nutzen oder zur Handwäsche übergehen. Bei der Handwäsche sollten Sie die Zwei-Eimer-Methode anwenden: ein Eimer mit Shampoo-Wasser und ein zweiter mit klarem Wasser zum Ausspülen des Waschhandschuhs.
- Sanfte Materialien: Verwenden Sie einen weichen Mikrofaser-Waschhandschuh anstelle eines Schwamms. Ein Schwamm kann Schmutzpartikel an seiner Oberfläche halten und über den Lack ziehen.
- Trocknen: Trocknen Sie das Fahrzeug nach der Wäsche mit einem sauberen, weichen Mikrofasertuch, um Wasserflecken zu vermeiden.
Wer eine automatische Waschanlage bevorzugt, sollte ebenfalls darauf achten, ein Programm mit intensiver Vorwäsche zu wählen, um den Sand vor dem Kontakt mit den Waschbürsten zu entfernen.
Wussten Sie schon?
Die Konzentration von Saharastaub in der Luft kann so hoch sein, dass sie die Luftqualität beeinflusst und bei empfindlichen Personen zu Atembeschwerden führen kann. Zudem sorgt der Staub für besonders farbenprächtige Sonnenauf- und -untergänge, da die Partikel das Sonnenlicht auf eine spezielle Weise streuen.
Wie geht das Wetter weiter?
Das milde Intermezzo neigt sich dem Ende zu. Während auch am Sonntag noch mit Niederschlägen und potenziell weiterem „Blutregen“ gerechnet werden muss, kündigt sich für den Beginn der neuen Woche ein deutlicher Wetterumschwung an.
Meteorologen des Deutschen Wetterdienstes erwarten die Zufuhr kalter Polarluft aus dem Norden. Dies führt zu einem spürbaren Temperatursturz in ganz Nordrhein-Westfalen. Die Temperaturen werden voraussichtlich unter die 10-Grad-Marke fallen. In den Nächten ist sogar mit Frost zu rechnen. Damit endet vorerst die Phase der milden Südwestströmung und mit ihr auch der Transport von Saharastaub in unsere Region.




