Pendler und Fahrgäste in weiten Teilen Nordrhein-Westfalens müssen sich in den kommenden Tagen auf erhebliche Beeinträchtigungen im öffentlichen Nahverkehr einstellen. Die Gewerkschaft Verdi hat nach zwei ergebnislosen Verhandlungsrunden zu ganztägigen Warnstreiks aufgerufen, die mehrere Großstädte betreffen werden. Insbesondere am Dienstag, den 10. März, wird ein Stillstand bei Bussen und Bahnen in Düsseldorf und dem Bergischen Land erwartet.
Die Arbeitsniederlegungen sind Teil des laufenden Tarifkonflikts für die rund 30.000 Beschäftigten der kommunalen Verkehrsbetriebe in NRW. Die Maßnahmen werden den Alltag von Hunderttausenden Menschen beeinflussen, die auf den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) angewiesen sind.
Das Wichtigste in Kürze
- Am Dienstag, 10. März, wird der Nahverkehr in Düsseldorf, dem Kreis Mettmann sowie in Wuppertal, Solingen, Remscheid, Leverkusen und Bergisch Gladbach ganztägig bestreikt.
- Bereits am Montag (9. März) ist Dortmund betroffen, am Samstag zuvor das mittlere Ruhrgebiet.
- Verdi fordert bessere Arbeitsbedingungen, darunter eine kürzere Wochenarbeitszeit und längere Ruhezeiten.
- Der Kommunale Arbeitgeberverband (KAV NW) lehnt die Forderungen unter Verweis auf die angespannte Finanzlage der Betriebe ab.
- S-Bahnen und Regionalzüge sind von den Streiks nicht betroffen und verkehren planmäßig.
Ein gestaffelter Streik trifft die Region
Die Gewerkschaft Verdi hat eine Strategie gestaffelter Arbeitsniederlegungen gewählt, um den Druck auf die Arbeitgeberseite zu erhöhen. Die Warnstreiks beginnen bereits an diesem Samstag und ziehen sich bis in die kommende Woche hinein. Fahrgäste sollten sich frühzeitig über Alternativen informieren, da in den betroffenen Gebieten Busse und Straßenbahnen voraussichtlich den gesamten Tag über in den Depots bleiben werden.
Zeitplan der Arbeitsniederlegungen
Die Protestwelle beginnt am Samstag im Herzen des Ruhrgebiets. Betroffen sind die Verkehrsbetriebe in Bochum, Gelsenkirchen, Herne, Castrop-Rauxel und Herten. Hier müssen sich die Bürger bereits am Wochenende auf massive Einschränkungen einstellen.
Am Montag, dem 9. März, verlagert sich der Schwerpunkt nach Dortmund. Auch hier ist mit einem ganztägigen Ausfall des kommunalen Nahverkehrs zu rechnen, was den Start in die Arbeitswoche für viele Pendler erschweren wird.
Der Höhepunkt der Streikwelle wird für Dienstag, den 10. März, erwartet. An diesem Tag werden die Arbeitskämpfe die Landeshauptstadt Düsseldorf und den gesamten Kreis Mettmann lahmlegen. Die Rheinbahn, einer der größten Verkehrsbetriebe der Region, wird vollständig bestreikt. Zeitgleich wird auch im Bergischen Land gestreikt, was die Städte Wuppertal, Solingen und Remscheid betrifft. Auch Fahrgäste in Leverkusen und Bergisch Gladbach müssen sich auf einen Stillstand einstellen.
Wichtiger Hinweis für Reisende
Obwohl Busse und Straßenbahnen ausfallen, sind der S-Bahn-Verkehr und die Regionalzüge der Deutschen Bahn sowie anderer Bahnbetreiber von diesen Warnstreiks nicht betroffen. Sie stellen eine wichtige Alternative für Pendler dar, dürften aber entsprechend voller sein. Reisende sollten mehr Zeit einplanen und sich vor Fahrtantritt über ihre Verbindungen informieren.
Die Forderungen der Gewerkschaft
Im Zentrum des Tarifkonflikts stehen die Arbeitsbedingungen der rund 30.000 Beschäftigten im kommunalen Nahverkehr. Verdi argumentiert, dass die Belastung für Fahrerinnen und Fahrer in den letzten Jahren stetig zugenommen hat. Die Forderungen zielen darauf ab, die Angestellten zu entlasten und den Beruf attraktiver zu machen, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken.
Die Gewerkschaft hat ein klares Forderungspaket vorgelegt, das über reine Lohnerhöhungen hinausgeht:
- Reduzierung der Wochenarbeitszeit: Die Arbeitszeit soll von derzeit 39 Stunden auf 37 Stunden pro Woche verkürzt werden – bei vollem Lohnausgleich.
- Längere Ruhezeiten: Die gesetzlich vorgeschriebene Ruhezeit zwischen zwei Schichten soll von 10 auf mindestens 11 Stunden verlängert werden, um ausreichend Erholung zu gewährleisten.
- Höherer Sonntagszuschlag: Der Zuschlag für Arbeit an Sonntagen soll von aktuell 25 Prozent des Stundenlohns auf mindestens 40 Prozent angehoben werden.
Verdi betont, dass diese Maßnahmen dringend notwendig seien, um die Gesundheit der Mitarbeiter zu schützen und die Attraktivität des Berufsfeldes zu steigern. Ohne bessere Bedingungen sei es kaum möglich, neues Personal zu gewinnen und die Verkehrswende erfolgreich umzusetzen.
Zahlen zum Tarifkonflikt
Rund 30.000 Beschäftigte in etwa 30 kommunalen Verkehrsbetrieben in NRW sind von den Tarifverhandlungen betroffen. Die Verhandlungen befinden sich in einer schwierigen Phase, nachdem bereits zwei Runden ohne ein greifbares Ergebnis endeten.
Die Position der Arbeitgeber
Der Kommunale Arbeitgeberverband Nordrhein-Westfalen (KAV NW), der die Verkehrsbetriebe in den Verhandlungen vertritt, weist die Forderungen von Verdi als unrealistisch zurück. Die Arbeitgeberseite argumentiert, dass die finanzielle Situation der meisten kommunalen Verkehrsunternehmen äußerst angespannt sei.
Der KAV NW wirft der Gewerkschaft vor, die wirtschaftliche Realität zu ignorieren. Die geforderten Verbesserungen würden zu erheblichen Mehrkosten führen, die von den bereits defizitären Betrieben nicht getragen werden könnten. Diese Kosten müssten letztlich entweder durch höhere Ticketpreise oder durch zusätzliche Subventionen aus den kommunalen Haushalten, also von den Steuerzahlern, finanziert werden.
Der Kommunale Arbeitgeberverband Nordrhein-Westfalen wirft Verdi seit Wochen vor, die Augen vor der desolaten Finanzlage der Verkehrsbetriebe zu verschließen.
Die Arbeitgeber betonen zudem, dass die Tarif- und Entgeltbedingungen in den letzten Jahren bereits deutlich verbessert worden seien. Der Nahverkehr biete attraktive und sichere Arbeitsplätze. Die Forderungen von Verdi seien daher überzogen und gefährdeten die wirtschaftliche Stabilität der Unternehmen.
Ausblick und nächste Schritte
Die Fronten zwischen Gewerkschaft und Arbeitgebern sind verhärtet. Mit den nun angekündigten Warnstreiks will Verdi den Druck vor der nächsten Verhandlungsrunde erhöhen, die für den 24. März angesetzt ist. Ob es bis dahin zu einer Annäherung kommt, ist derzeit ungewiss.
Fahrgäste müssen sich darauf einstellen, dass es auch nach dem kommenden Dienstag zu weiteren Arbeitskampfmaßnahmen kommen könnte, falls die dritte Verhandlungsrunde ebenfalls scheitert. Es bleibt abzuwarten, ob die Arbeitgeber ein neues, verbessertes Angebot vorlegen werden, um weitere Streiks zu verhindern und eine Lösung am Verhandlungstisch zu finden.
Bis dahin ist allen Betroffenen zu raten, sich tagesaktuell über die Lage in ihrer Stadt zu informieren, auf alternative Verkehrsmittel wie S-Bahnen, Regionalzüge oder das Fahrrad umzusteigen oder Fahrgemeinschaften zu bilden.




