Die neueste Kader-Nominierung von Bundestrainer Julian Nagelsmann für die anstehenden WM-Qualifikationsspiele hat eine Welle der Diskussion ausgelöst. Während der junge Kölner Said El Mala überraschend berufen wurde, fehlt eine Reihe etablierter Bundesliga-Spieler. Insbesondere TV-Experte Dietmar Hamann äußert deutliche Kritik an den Entscheidungen.
Das Wichtigste in Kürze
- Der 19-jährige Kölner Said El Mala wurde erstmals für die deutsche Nationalmannschaft nominiert.
- Spieler wie Angelo Stiller (VfB Stuttgart) und Maximilian Beier (Borussia Dortmund) wurden nicht berücksichtigt.
- Experten wie Dietmar Hamann und VfB-Trainer Sebastian Hoeneß äußern Unverständnis über die Auswahl.
- Lothar Matthäus verteidigt die Nominierung El Malas, kritisiert aber den Zeitpunkt der Bekanntgabe.
Überraschung aus Köln, Enttäuschung in Stuttgart
Bundestrainer Julian Nagelsmann hat mit seiner Auswahl für die kommenden Länderspiele für Gesprächsstoff gesorgt. Im Mittelpunkt steht die erstmalige Berufung des erst 19-jährigen Said El Mala vom 1. FC Köln. Der junge Offensivspieler hat in den letzten Wochen mit starken Leistungen auf sich aufmerksam gemacht.
Gleichzeitig sorgte das Fehlen mehrerer formstarker Spieler für Verwunderung. Besonders der VfB Stuttgart, aktuell auf dem vierten Tabellenplatz der Bundesliga, fühlt sich übergangen. Mit Angelo Stiller (24) und Maximilian Mittelstädt (28) wurden zwei Leistungsträger nicht nominiert. Auch der Dortmunder Stürmer Maximilian Beier (23) und Robert Andrich (31) von Bayer Leverkusen fehlen im Aufgebot.
Hoeneß zeigt sich „ziemlich verwundert“
Sebastian Hoeneß, Trainer des VfB Stuttgart, machte aus seiner Überraschung keinen Hehl. Vor dem Europa-League-Spiel seiner Mannschaft äußerte er sich deutlich zur Nicht-Nominierung seines Mittelfeldstrategen Angelo Stiller. „Ich weiß nicht, warum. Ganz klar, wir waren sehr überrascht“, erklärte der 43-jährige Coach.
Hoeneß betonte die zentrale Rolle Stillers für den Erfolg seiner Mannschaft. „Er ist für uns der zentrale Spieler. Er ist auch ein großer Faktor dafür, dass wir in der Bundesliga auf Platz 4 stehen“, so der Trainer. Das Fehlen im DFB-Kader habe ihn und den Verein daher „ziemlich verwundert“.
Hintergrund: Der Weg zur WM
Die deutsche Nationalmannschaft befindet sich in der Qualifikationsphase für die kommende Weltmeisterschaft. Bundestrainer Julian Nagelsmann nutzt diese Spiele, um verschiedene Spieler zu testen und den Kern seines Kaders für das Turnier zu formen. Jede Nominierung wird daher genau beobachtet und analysiert, da sie Aufschluss über die Pläne des Trainers geben kann.
Hamann mit klarer Kritik an Nagelsmanns Wahl
Deutliche Worte fand auch der ehemalige Nationalspieler und heutige TV-Experte Dietmar Hamann. In einer Fernsehsendung kritisierte er die Entscheidungen von Julian Nagelsmann scharf. Insbesondere die Berufung des jungen Kölners El Mala hält er für verfrüht.
„Ich hätte da noch gerne gewartet bis zum Frühjahr“, sagte Hamann. Seiner Meinung nach wäre die Nominierung eines anderen Spielers sinnvoller gewesen. Er nannte dabei explizit den Dortmunder Stürmer Maximilian Beier, „der das mit Dortmund oder in Dortmund sehr gut macht und da gerade einen Schritt vorwärts gemacht hat.“
Hamanns Einschätzung
Dietmar Hamann (52) ist der Meinung, dass die Nicht-Nominierung für Spieler wie Beier ein größerer Rückschlag sei, als die Nominierung für El Mala ein Vorteil. Er argumentiert, dass man El Mala bei anhaltend guten Leistungen auch später noch hätte einladen können.
Hamann sieht die Chancen für die nun nicht berücksichtigten Spieler auf eine WM-Teilnahme schwinden. „Für die, die jetzt nicht dabei sind, wird es, glaube ich, sehr eng“, so seine düstere Prognose. Er lobte insbesondere die Stuttgarter als „eine der besten Mannschaften im Moment“ und hätte deren Spieler daher im Kader erwartet.
Matthäus verteidigt El Mala, kritisiert aber das Timing
Eine andere Perspektive brachte Rekordnationalspieler Lothar Matthäus in die Debatte ein. Er verteidigte die Entscheidung, Said El Mala zu berufen, und widersprach damit seinem ehemaligen Teamkollegen Hamann.
„Die Leistung sollte zählen und die hat er bisher gebracht. Und er bringt vielleicht etwas mit, was Julian Nagelsmann in seinem Kader zurzeit noch vermisst. Diese Frechheit, diese Kaltschnäuzigkeit, diese Geschwindigkeit, diese Dribbelstärke.“
Matthäus sieht in dem Kölner Talent also eine wertvolle Ergänzung für die Mannschaft. Seine Kritik richtet sich jedoch gegen einen anderen Aspekt: den Zeitpunkt der Bekanntgabe. Der Kader wurde an einem Donnerstag veröffentlicht, kurz vor einem wichtigen europäischen Spiel des VfB Stuttgart.
„Wenn der VfB Stuttgart zu Hause ein ganz wichtiges Spiel hat, dann sollte man die Nominierungen vielleicht auf Freitag verlegen“, schlug Matthäus vor. Er befürchtet, dass die Enttäuschung bei den nicht nominierten Spielern deren Leistung negativ beeinflussen könnte. „Der Spieler macht sich schon Gedanken, die Enttäuschung ist groß und hier muss er ja wieder performen.“ Die Diskussionen um Nagelsmanns Entscheidungen dürften also auch in den kommenden Tagen weitergehen.




