Die Pläne der Stadt Köln, ein Suchthilfezentrum mit Drogenkonsumraum im Pantaleonsviertel zu errichten, haben zu massivem Widerstand geführt. Bei einem Informationsabend am Dienstag versammelten sich rund 200 besorgte Bürgerinnen und Bürger, um gegen das Vorhaben zu protestieren, das die Drogenszene vom Neumarkt verlagern soll.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Stadt Köln plant ein Suchthilfezentrum inklusive Drogenkonsumraum im Pantaleonsviertel.
- Ziel ist die Entlastung des Neumarkts, einem bekannten Treffpunkt der Drogenszene.
- Anwohner und eine Interessengemeinschaft protestieren vehement und äußern Sicherheitsbedenken.
- Ein angespannter Informationsabend mit Stadt- und Polizeivertretern verdeutlichte die tiefen Gräben.
Die Pläne der Stadt stoßen auf Ablehnung
Die Stadtverwaltung will noch in diesem Jahr eine neue Einrichtung für Suchtkranke auf einer Grünanlage im Pantaleonsviertel bauen. Das geplante Suchthilfezentrum (SHZ) soll nicht nur Beratungsangebote umfassen, sondern auch einen Raum für den kontrollierten Konsum von Drogen bieten. Mit diesem Schritt soll die seit Jahren angespannte Lage am Neumarkt entschärft werden.
Führende Vertreter der Stadt, darunter Sozialdezernent Harald Rau und Polizeipräsident Johannes Herrmanns, stellten sich bei einer Veranstaltung den Fragen der Öffentlichkeit. Sie verteidigten das Vorhaben als notwendige Maßnahme, um die offene Drogenszene am Neumarkt zu verkleinern und den Betroffenen eine sichere Anlaufstelle zu bieten.
Hintergrund: Die Situation am Neumarkt
Der Neumarkt im Herzen von Köln ist seit langer Zeit ein zentraler Treffpunkt für Drogenabhängige. Die sichtbare Präsenz der Szene führt immer wieder zu Beschwerden über Unsicherheit und öffentliche Unordnung. Die Stadt sucht seit Jahren nach Lösungen, um die Situation für Anwohner, Geschäftsleute und die Suchtkranken selbst zu verbessern.
Anwohner organisieren Widerstand
Im Pantaleonsviertel hat sich in den letzten Wochen eine starke Protestbewegung formiert. Eine neu gegründete Interessengemeinschaft (IG) bündelt den Widerstand der Anwohner. Vor Beginn des Informationsabends am Berufskolleg am Perlengraben machten rund 200 Menschen ihrem Unmut Luft.
Mit Plakaten und Schildern verliehen sie ihren Sorgen Ausdruck. Aufschriften wie „Der Schulweg darf kein Risiko sein“ und „Tausende Schüler vor Drogen schützen“ waren zu lesen. Die zentrale Befürchtung vieler Eltern ist, dass die Sicherheit ihrer Kinder auf dem Weg zu den umliegenden Schulen gefährdet sein könnte.
„Die Hoffnung stirbt zuletzt, dass dieser Beschluss noch verhindert wird“, äußerte eine Anwohnerin namens Judith ihre Bedenken. Sie sorgt sich nicht nur um die Sicherheit ihrer Kinder, sondern auch um einen möglichen Anstieg der Beschaffungskriminalität im Viertel.
Die Protestierenden argumentieren, dass die Verlagerung des Problems keine Lösung sei. Sie befürchten eine Abwertung ihres Wohnquartiers und eine Zunahme von Kriminalität und sozialen Konflikten direkt vor ihrer Haustür.
Ein Informationsabend unter Hochspannung
Die Stimmung bei der Veranstaltung war von Anfang an aufgeheizt. Aufgrund des erwarteten großen Andrangs hatte die Stadt den Veranstaltungsort kurzfristig in die größere Aula des Berufskollegs verlegt. Eine Woche zuvor mussten bei einer ähnlichen Versammlung rund 100 Interessierte abgewiesen werden, da der Raum zu klein war.
Trotz der größeren Kapazität von 400 Sitzplätzen war die Atmosphäre angespannt. Um Transparenz zu gewährleisten, übertrug die Stadt die gesamte Veranstaltung live auf YouTube. Die Vertreter von Stadt und Polizei sahen sich mit kritischen Fragen und emotionalen Wortmeldungen aus dem Publikum konfrontiert. Viele Anwesende zeigten durch Zwischenrufe ihre klare Ablehnung der Pläne.
Zahlen zur Veranstaltung
- ca. 200 Protestierende vor der Veranstaltung
- 400 Sitzplätze in der Aula des Berufskollegs
- 1 Livestream zur Übertragung der Debatte
Wie geht es weiter im Pantaleonsviertel?
Die Stadtverwaltung hält an ihren Plänen fest und betont die Notwendigkeit des Suchthilfezentrums als Teil einer gesamtstädtischen Strategie. Die Verantwortlichen argumentieren, dass solche Einrichtungen die öffentliche Sicherheit langfristig verbessern, indem sie den Betroffenen einen geschützten Raum bieten und die offene Szene verkleinern.
Die Interessengemeinschaft im Pantaleonsviertel hat jedoch angekündigt, ihren Widerstand fortzusetzen. Die Fronten zwischen der Stadt und den betroffenen Bürgern scheinen verhärtet. Es bleibt abzuwarten, ob ein Kompromiss gefunden werden kann oder ob der Konflikt um den neuen Standort weiter eskaliert. Die Debatte zeigt deutlich, wie schwierig die Suche nach Lösungen im Umgang mit Drogensucht im öffentlichen Raum ist.




