Der Leverkusener Agrarchemiekonzern Bayer hat einen wichtigen juristischen Etappensieg im langjährigen Rechtsstreit um den Unkrautvernichter Glyphosat in den USA erzielt. Ein Gericht in St. Louis, Missouri, hat einem milliardenschweren Sammelvergleich vorläufig zugestimmt. Dieser Schritt könnte den Weg für die Beilegung Tausender Klagen ebnen.
Die Entscheidung ist ein entscheidender Fortschritt für Bayer, das seit der Übernahme von Monsanto im Jahr 2018 mit einer Welle von Klagen konfrontiert ist. Kläger machen den in Roundup enthaltenen Wirkstoff Glyphosat für ihre Krebserkrankungen verantwortlich.
Das Wichtigste in Kürze
- Ein US-Gericht hat einem Sammelvergleich von Bayer im Glyphosat-Streit vorläufig zugestimmt.
- Der Vergleich sieht Zahlungen von bis zu 7,25 Milliarden US-Dollar über 21 Jahre vor.
- Damit sollen aktuelle und zukünftige Klagen wegen Krebserkrankungen beigelegt werden.
- Die endgültige Genehmigung steht noch aus und ist von weiteren Schritten abhängig.
Ein wichtiger Schritt für Bayer
Der Agrarchemie- und Pharmakonzern aus Leverkusen hat die vorläufige Genehmigung des Gerichts als wichtigen Erfolg gewertet. Die Entscheidung kam nur wenige Stunden, nachdem Konzernchef Bill Anderson bei der Vorstellung der Jahreszahlen für 2025 seine Zuversicht geäußert hatte.
In einer offiziellen Mitteilung äußerte sich das Unternehmen optimistisch. „Das ist der erste wichtige Schritt für die Umsetzung des Sammelvergleichs“, hieß es von Bayer. Die Zustimmung des Gerichts wird als Signal gesehen, dass der vorgeschlagene Deal eine realistische Chance auf eine endgültige Annahme hat.
„Wir sind überzeugt, dass der langfristige und solide finanzierte Vergleichsvorschlag, der von führenden Klägerkanzleien unterstützt wird, durch das Gericht endgültig genehmigt werden sollte.“
Die Nachricht kommt zu einem kritischen Zeitpunkt für das Unternehmen, das versucht, die massiven Rechtsrisiken in den USA unter Kontrolle zu bringen und das Vertrauen der Anleger wiederherzustellen.
Der Vergleich in Zahlen
- Maximale Summe: 7,25 Milliarden US-Dollar (ca. 6,23 Milliarden Euro)
- Zeitraum: Zahlungen über bis zu 21 Jahre verteilt
- Rückstellungen: Bayer erhöhte seine Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten um 4 Milliarden auf insgesamt 11,8 Milliarden Euro.
Was der Milliarden-Deal beinhaltet
Der im Februar bei Gericht eingereichte Vergleichsvorschlag zielt darauf ab, einen Schlussstrich unter einen Großteil der Glyphosat-Problematik zu ziehen. Er soll nicht nur die bereits anhängigen Klagen abdecken, sondern auch einen Mechanismus für mögliche zukünftige Fälle schaffen.
Im Mittelpunkt stehen Klagen von Personen, die an einem Non-Hodgkin-Lymphom (NHL) erkrankt sind und ihre Erkrankung auf den Kontakt mit dem glyphosathaltigen Unkrautvernichter Roundup zurückführen. Der nun vorläufig genehmigte Deal soll ein strukturiertes Verfahren zur Beilegung dieser Ansprüche etablieren.
Die finanzielle Dimension des Vergleichs ist enorm. Mit einer vorgesehenen Maximalsumme von 7,25 Milliarden US-Dollar will Bayer Rechtssicherheit schaffen. Diese Summe soll über einen langen Zeitraum von bis zu 21 Jahren gestreckt werden, um die finanzielle Belastung für den Konzern zu steuern.
Der Weg zur endgültigen Einigung ist noch lang
Trotz des positiven Signals aus St. Louis ist die vorläufige Genehmigung nur ein erster Schritt in einem mehrstufigen Prozess. Die endgültige Beilegung der Klagewelle ist damit noch nicht erreicht. Der weitere Fahrplan sieht mehrere Etappen vor:
- Information der Kläger: Die Anwälte der Klägerseite werden nun ihre Mandanten über die Details des Vergleichs informieren.
- Frist für Einwände: Die Kläger haben bis Anfang Juni Zeit, dem Vergleich zu widersprechen oder sich dagegen zu entscheiden (Opt-out).
- Gerichtliche Anhörung: Nach Ablauf der Frist wird das Gericht eine weitere Anhörung abhalten, um eventuelle Einwände zu prüfen.
- Finale Genehmigung: Erst nach dieser Anhörung kann die endgültige Genehmigung erfolgen.
Selbst nach einer finalen Genehmigung durch das Gericht in St. Louis besteht weiterhin die Möglichkeit, dass gegen diese Entscheidung Rechtsmittel eingelegt werden. Der Prozess könnte sich also noch weiter in die Länge ziehen.
Hintergrund des Rechtsstreits
Der Ursprung der Klagewelle liegt in der 63 Milliarden Dollar teuren Übernahme des US-Saatgutriesen Monsanto durch Bayer im Jahr 2018. Mit Monsanto holte sich Bayer auch dessen Bestseller Roundup und die damit verbundenen rechtlichen Risiken ins Haus. Zehntausende Menschen in den USA haben seither geklagt.
Wissenschaftliche Kontroverse um Glyphosat
Die wissenschaftliche Bewertung von Glyphosat ist seit Jahren umstritten. Im Jahr 2015 stufte die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC), eine Einrichtung der Weltgesundheitsorganisation (WHO), den Wirkstoff als „wahrscheinlich krebserregend beim Menschen“ ein. Auf diese Einschätzung stützen sich viele Kläger.
Andere renommierte Aufsichtsbehörden weltweit, darunter die US-Umweltschutzbehörde (EPA) und die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA), kamen jedoch zu dem Schluss, dass Glyphosat bei vorschriftsmäßiger Anwendung sicher sei. Bayer verweist stets auf diese Studien und betont die Sicherheit seiner Produkte.
Neben dem Vergleichsverfahren setzt Bayer seine Hoffnungen auch auf ein Grundsatzurteil des Obersten Gerichtshofs der USA. Ein für das Unternehmen positives Urteil, das im Juni erwartet wird, könnte die Grundlage für viele weitere Klagen entziehen und ebenfalls zur Beendigung der Klagewelle beitragen.




