Die städtischen Kliniken in Köln stehen vor einer ernsten Herausforderung: Die Vorräte an Blutkonserven sind zu Beginn des Jahres gefährlich niedrig. Ein Mangel, der durch eine anhaltende Krankheitswelle und ein verändertes Spendenverhalten in der Gesellschaft verschärft wird, gefährdet die Versorgung von Patienten nach Operationen und in Notfällen.
Eine Sprecherin der Kliniken der Stadt Köln bestätigte die angespannte Lage. Die derzeitige Menge an Blutspenden reicht nicht aus, um den idealen Vorrat für mehrere Tage zu sichern. Dies betrifft die Krankenhäuser in Merheim und Holweide sowie das Kinderkrankenhaus an der Amsterdamer Straße, die täglich auf Spenden angewiesen sind.
Das Wichtigste in Kürze
- In den Kölner Krankenhäusern herrscht ein Mangel an Blutkonserven.
- Besonders dringend werden die universell einsetzbaren Blutgruppen 0 negativ und 0 positiv benötigt.
- Die Kliniken und das DRK rufen die Bevölkerung dringend zur Blutspende auf.
- Ursachen sind eine hohe Krankheitswelle, demografischer Wandel und ausgefallene Termine.
Die Situation in den Krankenhäusern
Der tägliche Bedarf an Blutkonserven in den Kölner Kliniken ist hoch. Sie sind unverzichtbar für die Versorgung von Patienten nach großen Operationen, bei der Behandlung von Krebserkrankungen oder zur Versorgung von Unfallopfern. Die Planbarkeit des Bedarfs ist jedoch schwierig.
„Nach einem schweren Unfall können Patienten plötzlich sehr große Mengen Blut benötigen“, erklärt die Sprecherin der Kliniken. Diese unvorhersehbaren Notfälle stellen eine enorme Belastung für die knappen Blutreserven dar. Die Situation wird dadurch erschwert, dass Blutkonserven nicht unbegrenzt haltbar sind.
Frischprodukt Blut
Blutkonserven sind empfindliche Frischprodukte und können nur etwa sechs Wochen gelagert werden. Eine kontinuierliche Versorgung durch regelmäßige Spenden ist daher unerlässlich, um die Bestände auf einem sicheren Niveau zu halten.
Auch der Blutspendedienst West des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) meldet seit Jahresbeginn einen signifikanten Rückgang der Spendenbereitschaft in der Region, was die Lage weiter zuspitzt.
Warum Blutgruppe 0 so wichtig ist
Obwohl alle Blutgruppen benötigt werden, sind zwei ganz besonders gefragt: 0 Rhesus negativ und 0 Rhesus positiv. Der Grund liegt in ihrer universellen Einsetzbarkeit.
Blut der Gruppe 0 negativ kann fast jedem Patienten transfundiert werden, unabhängig von dessen eigener Blutgruppe. Dies macht es zum wichtigsten Blut in der Notfallmedizin. Wenn nach einem schweren Unfall keine Zeit bleibt, die Blutgruppe des Patienten zu bestimmen, greifen die Ärzte auf diese Konserven zurück. Jede Minute zählt, und eine Spende der Gruppe 0 kann hier Leben retten.
„Besonders bei Notfallpatienten zählt oft jede Minute, sodass Spenden dieser Blutgruppe enorm hilfreich sind“, betont die Kliniksprecherin.
Auch Blut der Gruppe 0 positiv ist sehr gefragt und kann einem Großteil der Bevölkerung sicher verabreicht werden. Der Mangel an diesen beiden universellen Blutgruppen ist daher besonders besorgniserregend.
Gründe für die Knappheit
Die Ursachen für den aktuellen Mangel sind vielschichtig. Zum einen führt eine anhaltende Krankheitswelle dazu, dass viele potenzielle Spender nicht spenden dürfen oder ihre Termine absagen müssen. Hinzu kamen witterungsbedingte Ausfälle von mobilen Spendeterminen.
Gesellschaftlicher Wandel
Die Kliniken beobachten seit Jahren ein verändertes Spendenverhalten. „Die Generation der Großeltern war vom Krieg oder der Nachkriegszeit geprägt, die Blutspende war eine regelmäßige Selbstverständlichkeit“, so die Sprecherin. Heute müsse das Bewusstsein für die Notwendigkeit von Blutspenden in der Gesellschaft neu verankert werden.
Der demografische Wandel trägt ebenfalls zur Problematik bei: Während die spendenbereite Bevölkerungsgruppe tendenziell abnimmt, steigt der Bedarf an Blutprodukten durch eine älter werdende Gesellschaft und fortschrittlichere medizinische Behandlungsmöglichkeiten.
Ihr Beitrag kann Leben retten
Die Kölner Kliniken und das DRK appellieren eindringlich an die Bürgerinnen und Bürger, Blut zu spenden. Jede Spende hilft, die Versorgungslücke zu schließen und die medizinische Versorgung in der Stadt zu sichern. Eine Blutspende ist nicht nur ein Akt der Solidarität, sondern bietet auch einen kleinen gesundheitlichen Vorteil für den Spender selbst.
Vor jeder Spende wird ein kleiner Gesundheitscheck durchgeführt. Dabei werden folgende Werte überprüft:
- Blutdruck
- Puls
- Körpertemperatur
- Hämoglobinwert (Blutfarbstoff)
Dieser Check kann erste Hinweise auf gesundheitliche Probleme geben. Der gesamte Prozess, von der Anmeldung bis zur Ruhephase nach der Spende, dauert in der Regel nicht länger als eine Stunde.
So können Sie spenden
Die Terminvereinbarung ist unkompliziert und kann auf mehreren Wegen erfolgen. Interessierte können sich online oder telefonisch anmelden:
- Deutsches Rotes Kreuz (DRK): Termine können online über die Webseite blutspende.jetzt oder telefonisch unter der kostenfreien Hotline 0800 11 949 11 vereinbart werden.
- Kliniken der Stadt Köln: Auch über die Webseite der städtischen Kliniken ist eine kurzfristige Online-Terminbuchung für die Blutspende möglich.
Jeder gesunde Erwachsene zwischen 18 und in der Regel 68 Jahren kann Blut spenden. Ein kleiner Pieks kann den entscheidenden Unterschied machen und bis zu drei Menschenleben retten.




