Seit einem Vierteljahrhundert steht Martin Schopps auf den Bühnen des Kölner Karnevals. Der 51-Jährige hat sich als einer der gefragtesten Redner etabliert und blickt auf eine Karriere zurück, die im Schatten seines berühmten Vaters begann und ihn durch harte Arbeit an die Spitze führte. Dabei bleibt er bescheiden und verzichtet bewusst auf großes Aufheben um sein Jubiläum.
Vom Lehrersohn, der seinen Vater zu Auftritten fuhr, bis zum gefeierten Star im Gürzenich – der Weg von Martin Schopps war geprägt von Ausdauer, Talent und dem unbedingten Willen, das Publikum mit geistreichem Humor zu begeistern.
Das Wichtigste in Kürze
- Martin Schopps feiert sein 25-jähriges Bühnenjubiläum im Kölner Karneval.
- Er zählt heute zu den Top-Rednern neben Größen wie Guido Cantz und Bernd Stelter.
- Sein Vater war die Karnevalslegende Fritz Schopps, bekannt als „Et Rumpelstilzje“.
- Bis 2017 arbeitete Schopps hauptberuflich als Lehrer, bevor er sich ganz der Bühne widmete.
- Sein Markenzeichen ist das interaktive Krätzchen „Leider nicht“, das bei jedem Auftritt gefeiert wird.
Die Anfänge: Im Schatten eines Giganten
Wer im Kölner Karneval aufwächst und den Namen Schopps trägt, hat große Fußstapfen zu füllen. Martin Schopps' Vater war niemand Geringeres als Fritz Schopps, der als „Et Rumpelstilzje“ über Jahrzehnte die Säle zum Beben brachte. Für den Sohn war dieser Name Segen und Bürde zugleich.
„Er war sicherlich ein Türöffner zum Gürzenich, aber durchgehen muss man selbst“, erklärt Martin Schopps heute. „Und es lacht keiner, weil du der Sohn von XY bist.“ Der Respekt vor der Leistung des Vaters, der 2022 verstarb, ist tief. Schon früh lernte er, was eine gute Rede ausmacht.
„Eine Rede muss aktuell und bissig sein – und natürlich selbst gemacht. Das hat er stets gesagt und das 40 Jahre auf der Bühne so durchgezogen.“
Die Faszination für die Bühne entdeckte Schopps, als er mit 18 Jahren seinen frisch erworbenen Führerschein nutzte, um seinen Vater von Auftritt zu Auftritt zu fahren. „Da habe ich mitbekommen, wie nett die Menschen in diesem Metier sind und mit was für einem Strahlen mein Vater von der Bühne gekommen ist“, erinnert er sich.
Der steinige Weg zum Erfolg
Der erste große Schritt auf die Bühne erfolgte beim „Treffpunkt Nachwuchs“ des Festkomitees Kölner Karneval. Gemeinsam mit einem Freund präsentierte er die Nummer „Die Rednerschule“. Darin parodierte er gekonnt die Größen der Zunft – von Gerd Rück über Willibert Pauels bis hin zu seinem eigenen Vater.
Der Erfolg kam jedoch nicht über Nacht. „Bei den großen Kölner Gesellschaften kam ich nicht gut an, die wollten ihre Topstars haben“, blickt Schopps zurück. Gerade in den Anfangsjahren waren Auftritte im Kölner Umland die Regel. Nur wenn einer der etablierten Stars ausfiel, bekam ein Nachwuchstalent wie er eine Chance in den prestigeträchtigen Sälen.
Harte Arbeit als Schlüssel
Der Rat seines Vaters war ihm dabei stets ein wichtiger Wegweiser. „Wenn du im Karneval Fuß fassen willst, dann musst du dir Gedanken machen, das ist Arbeit. Harte Arbeit“, hatte Fritz Schopps ihm mit auf den Weg gegeben. Dazu gehörte auch, bei den Gagen klein anzufangen und jeden Auftritt anzunehmen, um sich einen Namen zu machen.
Diese Beharrlichkeit zahlte sich aus. Langsam, aber stetig erarbeitete sich Martin Schopps seinen Platz in der ersten Riege der Kölner Redner. Sein Stil, der auf geistreiche Pointen statt auf platte Witze setzt, fand immer mehr Anklang.
Vom Klassenzimmer auf die große Bühne
Was viele nicht wissen: Jahrelang führte Martin Schopps ein Doppelleben. Vormittags stand er als Lehrer im Klassenzimmer, abends als Redner in der Bütt. Während er früher als Schüler selbst oft auf dem Flur stand, wie er scherzhaft erzählt, brachte er später anderen etwas bei.
Ein anspruchsvoller Spagat
Im Jahr 2017 wurde die Doppelbelastung zu groß. Die Anzahl der Auftritte war so stark gestiegen, dass der Lehrerberuf nicht mehr zu bewältigen war. Schopps traf die Entscheidung, sich voll und ganz auf seine Karriere als Künstler zu konzentrieren. Sein Vater hingegen hatte den Lehrerberuf fast bis zur Pensionierung ausgeübt. „Ich habe allerhöchsten Respekt, wie er das geschafft hat“, sagt Schopps über die Leistung seines Vaters.
Diese Erfahrung aus dem Schulalltag fließt bis heute in seine Programme ein. Sein Solo-Programm trägt nicht ohne Grund den Titel „Elternabend“. Die Fähigkeit, Alltagsbeobachtungen pointiert auf die Bühne zu bringen, ist eine seiner größten Stärken.
Das Geheimnis hinter „Leider nicht“
Jeder Künstler träumt von einem Markenzeichen, einem Moment, auf den das Publikum wartet. Für Martin Schopps ist das sein Krätzchen „Leider nicht“. Die Idee zu diesem interaktiven Lied entstand eher zufällig während eines kreativen Austauschs mit Kollegen in einer Skihütte in Kärnten.
Zusammen mit Guido Cantz, Klaus Rupprecht und Oliver Blum entwickelte er die Nummer, die ursprünglich von unpassenden Organspenden handelte. „Zum Beispiel die Lunge von Helmut Schmidt“, erzählt Schopps. Das Publikum wurde aufgefordert, den Reim mit einem lauten „leider nicht“ zu vollenden.
Der Erfolg war überwältigend. Das Lied hat mehrere Vorteile, wie Schopps erklärt:
- Einbeziehung des Publikums: Die Leute haben Spaß daran, aktiv mitzumachen und Teil der Nummer zu werden.
- Tempo-Kontrolle: Das Lied nimmt bewusst Geschwindigkeit aus dem Programm und schafft einen gemeinsamen Moment im Saal.
- Perfekter Abschluss: Es dient als idealer Schlusspunkt, der dem Publikum im Gedächtnis bleibt.
Heute ist „Leider nicht“ aus seinen Auftritten nicht mehr wegzudenken und wird vom Publikum bei jeder Sitzung lautstark gefeiert. Es ist der krönende Abschluss eines Programms, das auf Intelligenz, Beobachtungsgabe und einer tiefen Verbundenheit zum Kölner Karneval basiert.




