Eine Brass-Band aus Bonn erobert den Kölner Karneval im Sturm. Die Gruppe Druckluft hat mit ihrem Song „Karnevalsmaus“ den wohl größten Überraschungshit der diesjährigen Session gelandet. Das Lied ist nicht nur in den Festsälen und Kneipen ein Dauerbrenner, sondern hat sich auch zu einem viralen Phänomen in den sozialen Medien entwickelt und schaffte es sogar in die deutschen Charts.
Für die zehnköpfige Band, die 2009 als Schülerband begann, ist der plötzliche Erfolg eine völlig neue Erfahrung. Frontmann Florian Hertel beschreibt die aktuelle Zeit als „absoluten Wahnsinn“, während die Gruppe von einem Auftritt zum nächsten eilt und erlebt, wie ihr Lied die Massen begeistert.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Bonner Band Druckluft hat mit „Karnevalsmaus“ den Überraschungshit der Karnevalssession gelandet.
- Der Erfolg des Liedes wurde stark durch soziale Medien und den hochdeutschen Text vorangetrieben.
- Die Band erlebt eine enorme Nachfragesteigerung und spielt nun auf den größten Bühnen Kölns.
- Trotz des Erfolgs bleibt die Band ihrem handgemachten Brass-Sound treu.
Vom Geheimtipp zum Sessionshit
Noch vor wenigen Monaten hätten wohl nur wenige Kenner der Kölner Musikszene auf Druckluft als Interpreten des Sessionshits gewettet. Die Band, die erst seit drei Jahren eigene Lieder im Karneval präsentiert, stand im Schatten etablierter Größen. Doch mit der „Karnevalsmaus“ änderte sich alles.
Der Song verbreitete sich rasant auf Plattformen wie TikTok und wurde schnell zum Ohrwurm. „Wir erleben gerade den absoluten Wahnsinn“, berichtet Frontmann Florian Hertel. Der Erfolg hat den Terminkalender der Musiker bis zum Bersten gefüllt und ihnen Türen zu den prestigeträchtigsten Bühnen geöffnet.
Spontaner Auftritt in der Kölnarena
Ein besonderer Höhepunkt war der spontane Auftritt bei der „Lachenden Kölnarena“. „Dort mal aufzutreten, war ein absoluter Traum von uns“, so Hertel. Plötzlich stand die Band im Januar fünfmal vor tausenden von Menschen auf der Bühne – eine direkte Folge des Hypes um ihren Song.
Der Erfolg zeigt sich auch im Straßenkarneval. Fans erscheinen in Mäusekostümen zu den Konzerten. Hertel erzählt: „Mitarbeiter von Deiters haben uns gesagt, dass die Nachfrage nach Mauseohren in Köln sehr, sehr groß ist.“ Es scheint, als hätte die Band nicht nur einen Hit, sondern auch das Trendkostüm der Session inspiriert.
Wer ist Druckluft?
Druckluft wurde 2009 als Schülerband in Bonn gegründet. Heute besteht die Formation aus zehn Musikern und ist für ihren energiegeladenen Brass-Sound bekannt. Obwohl sie im benachbarten Bonn beheimatet ist, hat die Band in den letzten Jahren gezielt den Sprung in die hart umkämpfte Kölner Karnevalsszene gewagt.
Das Erfolgsrezept der „Karnevalsmaus“
Was macht ein einfaches Lied über eine Maus so erfolgreich? Laut Florian Hertel war eine entscheidende Weiche die Wahl der Sprache. Die Band hatte zunächst mit einer kölschen Version experimentiert. „Die ‚Fastelovendsmus‘ war aber nicht so catchy, wäre auf TikTok kein Trend geworden“, erklärt er.
Die Entscheidung für Hochdeutsch erwies sich als goldrichtig. „Der Text muss der Musik dienen, und da funktioniert die ‚Karnevalsmaus‘ einfach besser“, sagt Hertel. Mit dieser Strategie erreichte die Band ein Publikum weit über die Grenzen des Rheinlands hinaus und schaffte den Sprung in die nationalen Charts – eine Seltenheit für einen reinen Karnevalssong.
„Wir haben es mit der Maus bis in die deutschen Charts geschafft, das hätten wir uns nie erträumt für einen Karnevalssong.“ – Florian Hertel, Sänger von Druckluft
Traditioneller Sound statt Elektronik
Obwohl der Song modern und eingängig ist, legte die Band Wert auf einen authentischen Klang. Im Gegensatz zu vielen aktuellen Partyhits, die stark auf elektronische Beats setzen, um auch auf Mallorca zu funktionieren, bleibt die „Karnevalsmaus“ handgemacht.
„Da ist eigentlich überhaupt keine Elektronik oder fette Beats drin. Wenn wir die ‚Karnevalsmaus‘ auf der Bühne spielen, klingt sie mehr oder weniger wie die Studioversion“, betont Hertel. Dieser traditionelle Bandsound scheint bei den Jecken gut anzukommen und hebt sich vom Trend zur „Ballermannisierung“ ab, vor der zuletzt auch Kölns Oberbürgermeister Torsten Burmester warnte.
Karneval im Wandel
Die Karnevalsmusik hat sich in den letzten Jahren verändert. Viele Lieder werden gezielt partytauglich produziert, um auch außerhalb der Session erfolgreich zu sein. Künstler wie Mätropolis oder DJ Aaron stehen für einen elektronischeren Sound. Druckluft beweist mit der „Karnevalsmaus“, dass auch klassischer Brass-Sound das Potenzial für einen viralen Hit hat.
Zwischen Euphorie und Erschöpfung
Der Erfolg hat seinen Preis. Die zehn Musiker befinden sich seit Wochen im Dauereinsatz. „Am Karnevalssonntag haben wir acht Auftritte, das ist verrückt, das hatten wir noch nie“, erzählt Hertel. Die Tage davor seien ähnlich vollgepackt. Zeit zum eigenen Feiern bleibt da kaum.
Die Angst, als One-Hit-Wonder in die Geschichte einzugehen, hat der Sänger nicht. „Wenn es nie wieder so einen Song gibt, der beim Publikum so ankommt, dann würde ich die aktuelle Zeit als ein unfassbares Jahr betrachten“, sagt er gelassen. Für ihn ist der Erfolg keine Selbstverständlichkeit. „Lieber einmal One-Hit-Wonder als keinmal.“
Für die kommenden Tage steht für die Band weiter ein Marathonprogramm an. Wie er den Höhepunkt des Karnevals verbringen wird, weiß Hertel schon genau: „An Rosenmontag werde ich wahrscheinlich glücklich und beseelt auf der Couch sitzen und den Zoch im Fernsehen anschauen.“ Nach Wochen unter Dauerstrom sei die Energie für eine weitere Party einfach aufgebraucht.




