Die Filmwelt trauert um eine ihrer markantesten Persönlichkeiten. Der in Köln geborene Schauspieler Udo Kier ist am Sonntagabend im Alter von 81 Jahren in seiner Wahlheimat Palm Springs, USA, verstorben. Dies wurde aus dem Umfeld seines Partners Delbert McBride bestätigt.
Kier, der in über 200 internationalen Filmproduktionen mitwirkte, galt als Ikone des Autorenkinos und als wandlungsfähiger Darsteller, der die Grenzen zwischen Kunst und Mainstream mühelos überwand. Seine Karriere umspannte fast sechs Jahrzehnte und machte ihn zu einem der bekanntesten deutschen Schauspieler in Hollywood.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Schauspieler Udo Kier ist im Alter von 81 Jahren in den USA gestorben.
- Geboren 1944 in Köln, wuchs er im Stadtteil Mülheim auf.
- Kier spielte in mehr als 200 Filmen und arbeitete mit weltberühmten Regisseuren.
- Er war bekannt für seine exzentrischen Rollen in Horror-, Kunst- und Mainstream-Filmen.
Ein Leben zwischen Köln und Hollywood
Udo Kiers Lebensgeschichte begann unter dramatischen Umständen. Geboren als Udo Kierspe am 14. Oktober 1944 in Köln, überlebte er als Säugling nur knapp einen Bombenangriff, bei dem das Krankenhaus, in dem er lag, getroffen wurde. Seine frühen Jahre verbrachte er im kriegszerstörten Köln, genauer im Stadtteil Mülheim, eine Herkunft, die er nie vergaß.
Obwohl er den größten Teil seines Lebens im Ausland verbrachte, blieb die Verbindung zu seiner Geburtsstadt bestehen. In Interviews bezeichnete er sich selbst oft als den „international bekanntesten Kölner“. Dieser Titel unterstreicht nicht nur seinen globalen Erfolg, sondern auch seinen Stolz auf seine rheinischen Wurzeln.
Von Mülheim in die Welt
Im Jahr 1966 verließ der junge Udo Kier Deutschland und zog nach London, um seine Schauspielkarriere zu starten. Sein Debüt gab er kurz darauf im Kurzfilm „Road to Saint Tropez“. Von dort aus führte ihn sein Weg schnell in die Zentren des europäischen und später des amerikanischen Kinos. Seit 1991 lebte Kier in Palm Springs, Kalifornien, wo er bis zu seinem Tod wohnte.
Der Aufstieg zur Kultfigur
Der internationale Durchbruch gelang Udo Kier 1973 mit seiner Rolle in Paul Morrisseys und Andy Warhols Produktion „Flesh for Frankenstein“. Dieser Film etablierte sein Image als Darsteller für das Außergewöhnliche und Abgründige. Seine markanten Gesichtszüge, die durchdringenden blauen Augen und seine unverwechselbare Stimme machten ihn zu einer gefragten Besetzung für exzentrische und oft düstere Charaktere.
In den folgenden Jahrzehnten baute er sich eine beeindruckende Filmografie auf, die von Low-Budget-Produktionen bis hin zu Hollywood-Blockbustern reichte.
Zusammenarbeit mit Meisterregisseuren
Ein wesentlicher Bestandteil seiner Karriere war die enge Zusammenarbeit mit einigen der bedeutendsten Regisseure des 20. Jahrhunderts. Er wurde zu einem Stammschauspieler für den dänischen Filmemacher Lars von Trier und wirkte in vielen seiner Filme mit, darunter „Europa“, „Breaking the Waves“ und „Dancer in the Dark“.
Auch deutsche Regiegrößen wie Rainer Werner Fassbinder und Werner Herzog schätzten sein Talent. International arbeitete er unter anderem mit Gus Van Sant, Dario Argento und Alexander Payne zusammen. Diese Kollaborationen festigten seinen Ruf als Schauspieler, der sowohl im anspruchsvollen Autorenkino als auch im Genrefilm zu Hause war.
Vielseitigkeit als Markenzeichen
Udo Kiers Rollen waren extrem vielfältig. Er spielte Vampire, Wissenschaftler, Adlige und Außenseiter. Zu seinen bekanntesten Horrorfilmen zählen Auftritte in „Blade“ (1998) an der Seite von Wesley Snipes, „Shadow of the Vampire“ (2000) und Uwe Bolls „BloodRayne“ (2005). Seine Rolle in Dario Argentos Horrorklassiker „Suspiria“ (1977) ist bis heute unvergessen.
Mehr als nur ein Schauspieler
Udo Kier war nicht nur auf der Kinoleinwand präsent. Er erweiterte sein künstlerisches Schaffen auch auf andere Bereiche der Popkultur. Ein bemerkenswerter Auftritt war seine Rolle im Musikvideo zu Madonnas Hit „Deeper and Deeper“ aus dem Jahr 1992, in dem er eine Gruppe von Männern an der Leine führte – eine Szene, die sein androgynes und provokantes Image perfekt einfing.
„Ich bin der international bekannteste Kölner.“
Kier, der offen homosexuell lebte, wurde auch zu einer Figur der LGBTQ+-Community. Er sprach offen über seine Sexualität in einer Zeit, in der dies in Hollywood noch nicht selbstverständlich war. Seine Authentizität und sein Mut machten ihn für viele zu einem Vorbild.
Ein unvergessliches Erbe
Mit dem Tod von Udo Kier verliert die Filmwelt eine wahre Legende. Sein Beitrag zum Kino ist unbestreitbar. Er war ein Künstler, der keine Angst hatte, Risiken einzugehen und konventionelle Erwartungen zu unterlaufen. Seine Fähigkeit, zwischen verschiedenen Genres und Budgets zu wechseln, ohne seine künstlerische Integrität zu verlieren, ist selten.
Die Nachricht seines Todes löste in Hollywood und darüber hinaus große Trauer aus. Kollegen, Regisseure und Fans würdigten ihn als einen einzigartigen Künstler und einen besonderen Menschen. Sein Erbe wird in den über 200 Filmen weiterleben, in denen er sein außergewöhnliches Talent unter Beweis stellte.
Udo Kier hat bewiesen, dass man auch ohne klassische Hauptrollen zu einer unsterblichen Ikone werden kann. Der Junge aus Köln-Mülheim hat die Welt erobert und hinterlässt eine Lücke, die nicht zu füllen sein wird.




