Der Karnevalssamstag in Köln wurde von zwei schweren Gewalttaten erschüttert. Die Kölner Polizei ermittelt nach einer Vergewaltigung einer Jugendlichen in der Innenstadt und einer gewalttätigen Auseinandersetzung am Hohenstaufenring. Die Vorfälle trüben die ansonsten von den Behörden als eher ruhig bewerteten Feierlichkeiten.
Das Wichtigste in Kürze
- Eine Jugendliche wurde am Samstagabend in einer mobilen Toilette am Rathenauplatz vergewaltigt.
- Kurze Zeit später wurden bei einer Schlägerei am Hohenstaufenring drei Männer verletzt.
- Die Polizei hatte bereits nach Weiberfastnacht Ermittlungen in zwei weiteren mutmaßlichen Vergewaltigungsfällen aufgenommen.
- Trotz dieser schweren Straftaten bewertet die Polizei den bisherigen Straßenkarneval als ruhiger im Vergleich zu Vorjahren.
Vergewaltigungsvorwurf am Rathenauplatz
Am Samstagabend, gegen 18 Uhr, erreichte die Kölner Polizei ein Notruf. Zeugen meldeten eine Vergewaltigung in einer mobilen Toilette, einem sogenannten Dixi-Klo, im Bereich der Roonstraße und des Rathenauplatzes. Das Opfer ist eine Jugendliche.
Die alarmierten Einsatzkräfte waren schnell vor Ort, um die Jugendliche zu versorgen und erste Ermittlungen aufzunehmen. Der mutmaßliche Täter war zu diesem Zeitpunkt bereits geflüchtig. Die Kriminalpolizei hat umgehend die Ermittlungen übernommen und eine Fahndung eingeleitet.
Polizei veröffentlicht Täterbeschreibung
Basierend auf den Aussagen der Geschädigten konnte eine Beschreibung des flüchtigen Mannes erstellt werden. Die Polizei bittet die Öffentlichkeit um Mithilfe bei der Suche nach dem Verdächtigen.
Fahndungsdetails zum Tatverdächtigen
- Größe: ca. 1,70 bis 1,75 Meter
- Statur: schmal
- Haare: schwarz, sogenannter Boxer-Haarschnitt
- Bekleidung: komplett schwarz gekleidet
Die Ermittler des Kriminalkommissariats 12 bitten Zeugen, die zur Tatzeit verdächtige Beobachtungen im Bereich Roonstraße und Rathenauplatz gemacht haben oder Hinweise zur Identität des Mannes geben können, sich dringend zu melden.
Gewaltexzess am Hohenstaufenring
Nur etwa eine Stunde nach dem Vorfall am Rathenauplatz kam es zu einem weiteren schweren Gewaltdelikt in der Kölner Innenstadt. Gegen 19:10 Uhr eskalierte vor einem Kiosk am Hohenstaufenring ein Streit zwischen mindestens fünf Männern.
Die Auseinandersetzung zwischen den Männern im Alter von 22 bis 41 Jahren artete in eine brutale Schlägerei aus. Die genaue Ursache für den Konflikt ist bislang unklar und Gegenstand der polizeilichen Ermittlungen.
Drei der Beteiligten erlitten bei der Konfrontation erhebliche Verletzungen, darunter auch Schnittwunden. Sie mussten von Rettungskräften versorgt und zur weiteren Behandlung in umliegende Krankenhäuser gebracht werden. Die Polizei leitete ein Strafverfahren wegen wechselseitiger gefährlicher Körperverletzung ein.
Karneval als sicherheitsrelevante Großveranstaltung
Der Kölner Karneval zieht jährlich Hunderttausende Feiernde an und stellt für Polizei, Ordnungsamt und Rettungsdienste eine enorme Herausforderung dar. Trotz umfassender Sicherheitskonzepte, erhöhter Polizeipräsenz und Awareness-Teams kommt es im Gedränge und unter Alkoholeinfluss immer wieder zu Straftaten, die von Taschendiebstählen bis hin zu schweren Gewaltdelikten reichen.
Weitere schwere Straftaten seit Weiberfastnacht
Die Vorfälle vom Samstag sind nicht die einzigen schweren Sexualdelikte, die die Polizei während der laufenden Karnevalstage beschäftigen. Bereits seit Weiberfastnacht, dem Auftakt des Straßenkarnevals, wird in zwei weiteren Fällen wegen des Verdachts der Vergewaltigung ermittelt.
Ein Fall soll sich am späten Abend in einer Kneipe in der Kölner Südstadt ereignet haben. Dort soll eine Frau von einem bislang unbekannten Mann vergewaltigt worden sein. In einem zweiten Fall, der sich im Zülpicher Viertel zugetragen haben soll, wird ein Mann beschuldigt, einen anderen Mann zum Oralverkehr gezwungen zu haben. In beiden Fällen stehen die Ermittlungen noch am Anfang.
Polizeibilanz: Weniger Feiernde, aber ernste Vorfälle
Trotz der Schwere dieser einzelnen Taten zieht die Kölner Polizei für den bisherigen Verlauf des Straßenkarnevals eine eher verhaltene Bilanz. Insbesondere an Weiberfastnacht seien deutlich weniger Menschen in der Stadt unterwegs gewesen als in den Jahren vor der Pandemie.
Die Stimmung sei überwiegend friedlich gewesen. Dennoch mussten die Einsatzkräfte konsequent durchgreifen. Am Donnerstag wurden 35 Personen in Gewahrsam genommen, um beispielsweise Platzverweise durchzusetzen oder weitere Straftaten zu verhindern. Anzeigen wurden unter anderem wegen sexueller Belästigung, Körperverletzungsdelikten und Diebstählen erstattet.
„Jede einzelne dieser Taten ist eine zu viel und trübt das Bild eines an sich fröhlichen Festes. Unsere Ermittler arbeiten mit Hochdruck an der Aufklärung der Fälle“, so ein Sprecher der Polizei am Sonntag.
Die Ermittlungen zu allen genannten Fällen dauern an. Die Polizei verstärkt ihre Präsenz in den bekannten Feierzonen und ruft alle Karnevalisten zu Wachsamkeit und Zivilcourage auf. Wer eine Straftat beobachtet, solle umgehend den Notruf 110 wählen.




