Eine großangelegte Kontrollaktion der Stadt Köln hat schockierende Zustände in Kiosken und Gastronomiebetrieben offengelegt. Bei Testkäufen, die den Jugendschutz überprüfen sollten, wurde eine Verstoßquote von 71 Prozent festgestellt. Die Ermittler fanden nicht nur illegal verkauften Alkohol und Tabak, sondern auch versteckte Drogen, Potenzmittel in Lebensmitteln und gefälschte Markenware.
Das Wichtigste in Kürze
- Bei städtischen Testkäufen in Köln verstießen 71 Prozent der überprüften Betriebe gegen das Jugendschutzgesetz.
- Kontrolleure fanden illegale Vapes, unversteuerten Snus und Lebensmittel mit beigemischten Potenzmitteln.
- Mehrere Betriebe wurden sofort geschlossen, darunter eine Gaststätte wegen Hygienemängeln und ein illegaler Spielsalon in einem Keller.
- Die Stadt kündigt an, die strengen Kontrollen, insbesondere während der Karnevalszeit, fortzusetzen.
Alarmierende Ergebnisse bei Jugendschutz-Tests
Seit dem Jahr 2024 führt die Stadt Köln systematische Testkäufe durch, bei denen jugendliche Prüfer die Einhaltung der Jugendschutzgesetze in Kiosken, Gaststätten und im Einzelhandel testen. Die Bilanz ist ernüchternd: Von rund 815 überprüften Betrieben haben fast drei Viertel gegen die Vorschriften verstoßen.
Die Kontrollen sollen sicherstellen, dass Alkohol, Tabakwaren oder Lachgas nicht an Minderjährige verkauft werden. Die hohe Missachtungsquote zeigt jedoch ein tiefgreifendes Problem in der Kölner Handelslandschaft auf und hat eine Welle von behördlichen Maßnahmen ausgelöst.
71 Prozent Verstoßquote
Seit Beginn der Testkauf-Aktion im Jahr 2024 wurden in Köln insgesamt rund 815 Betriebe überprüft. In 71 Prozent der Fälle wurden verbotenerweise jugendschutzrelevante Produkte an die minderjährigen Testkäufer verkauft.
Spezialkontrollen legen kriminelle Machenschaften offen
In der ersten Februarwoche dieses Jahres eskalierten die Befunde während einer gezielten Aktion in den Stadtteilen Kalk und Mülheim. Mitarbeiter des Ordnungsamtes stießen gemeinsam mit der Polizei sowie dem Umwelt- und Rechtsamt auf weit mehr als nur Verstöße gegen den Jugendschutz.
In zwei Kiosken, die bereits zum vierten Mal auffällig wurden, entdeckten die Einsatzkräfte nicht nur den Verkauf von Vapes an Minderjährige. In einem Geheimversteck fanden sie zudem eine große Menge illegaler E-Zigaretten. Gegen die Betreiber wurde ein Zwangsgeld in Höhe von jeweils 5.000 Euro verhängt.
Potenzmittel in Honig und Schokolade
Besonders besorgniserregend waren Funde in mehreren anderen Geschäften. Dort wurden Lebensmittel wie Honig, Schokolade und Energydrinks sichergestellt, denen illegal Potenzmittel beigemischt waren. Diese Produkte, oft als „Potenzhonig“ vermarktet, stellen ein unkalkulierbares Gesundheitsrisiko dar und wurden umgehend beschlagnahmt.
Die Liste der illegalen Waren setzte sich fort:
- Unversteuerte Vapes und Snus (Oraltabak)
- Gefälschte Designerkleidung
- Unerlaubte Glücksspielautomaten
Bei einem Kioskbetreiber führte die Menge der sichergestellten illegalen Produkte sogar zu einer richterlich angeordneten Durchsuchung seiner Privatwohnung. In einem anderen Fall wurde ein Verkäufer nicht nur wegen des Verkaufs von Alkohol und Tabak an Jugendliche, sondern auch wegen des Handels mit gefälschten Markenartikeln zur Rechenschaft gezogen.
Hintergrund der Kontrollen
Die gemeinsamen Einsätze von Ordnungsamt, Polizei und weiteren städtischen Ämtern sind eine Reaktion auf die zunehmenden Verstöße. Sie zielen darauf ab, nicht nur den Jugendschutz durchzusetzen, sondern auch Steuerhinterziehung, illegalen Handel und andere kriminelle Aktivitäten im Umfeld von Kiosken und Kleingastronomie zu bekämpfen.
Sofortige Schließungen und weitere Maßnahmen
Die Konsequenzen für die Betreiber waren in einigen Fällen drastisch. Eine Gaststätte musste aufgrund von „gravierenden Hygienemängeln“ mit sofortiger Wirkung geschlossen werden, wie die Pressestelle der Stadt mitteilte. Die Gesundheit der Gäste war hier akut gefährdet.
Ein besonders dreister Fall wurde in einem Keller in Kalk aufgedeckt. Dort hatten die Betreiber eine illegale Gaststätte eingerichtet. Aufgestellte Spieltische deuteten zudem auf unerlaubtes Glücksspiel hin. Auch dieser Betrieb wurde umgehend versiegelt und geschlossen.
„Die Ergebnisse zeigen, dass wir mit unseren Kontrollen einen Nerv getroffen haben. Wir werden nicht nachlassen, um die Sicherheit der Bürger und insbesondere der Jugendlichen zu gewährleisten“, so ein Sprecher der Stadt.
In zwei weiteren Fällen nutzte das Ordnungsamt die Anwesenheit der Polizei, um offene Geldforderungen der Stadt direkt vor Ort einzutreiben. Die Schulden konnten teils vollständig, teils in Ratenzahlungen beglichen werden.
Kontrollen werden auch an Karneval fortgesetzt
Angesichts der bevorstehenden Karnevalstage hat die Stadt Köln bereits angekündigt, die Kontrollen nicht nur fortzusetzen, sondern weiter zu intensivieren. Gerade während des Straßenkarnevals steigt der Alkoholkonsum, und der Schutz von Minderjährigen hat für die Behörden höchste Priorität.
Bürger und Besucher können also auch in den kommenden Wochen mit einer starken Präsenz von Ordnungsamt und Polizei rechnen. Ziel ist es, den illegalen Machenschaften ein Ende zu setzen und die Kölner Kioskkultur wieder zu einem sicheren Ort für alle zu machen.




