Ein neues Berliner Unternehmen will den europäischen Nachtzugverkehr grundlegend verändern. Ab 2027 plant Nox Mobility, ein Netz von Nachtzügen zu etablieren, das über 100 Städte verbinden soll. Im Mittelpunkt der Pläne steht Nordrhein-Westfalen mit Köln als einem der zentralen Knotenpunkte. Das Konzept verspricht ausschließlich private Schlafkabinen zu Preisen, die mit Billigfliegern konkurrieren sollen.
Das Reisen im Schlaf erlebt eine Renaissance, doch viele Angebote kämpfen mit hohen Kosten und mangelnder Privatsphäre. Nox Mobility will diese Probleme lösen und eine komfortable Alternative zum Fliegen bieten. Die Gründer setzen auf ein modernes Design und ein effizientes Betriebskonzept, um Reisen über Nacht für eine breitere Zielgruppe attraktiv zu machen.
Das Wichtigste in Kürze
- Neuer Anbieter: Das Startup Nox Mobility plant ab 2027 den Start eines europaweiten Nachtzugnetzes.
- NRW im Fokus: Köln und das Rhein-Ruhr-Gebiet sollen ein zentraler Hub für Verbindungen in ganz Europa werden.
- Privatsphäre garantiert: Das Konzept sieht ausschließlich private Schlafräume vor, keine geteilten Abteile.
- Günstige Preise: Fahrten sollen bereits ab 79 Euro pro Person buchbar sein und damit eine Alternative zu Flügen darstellen.
Ein ambitioniertes Projekt für Europa
Hinter Nox Mobility stehen die Gründer Janek Smalla, der bereits Erfahrung beim Aufbau von FlixTrain sammelte, und Thibault Constant. Constant ist in der Bahn-Community als YouTube-Creator „Simply Railway“ bekannt und hat nach eigenen Angaben über 400 Nachtzugfahrten absolviert. Dieses Wissen soll nun in die Entwicklung eines kundenfreundlicheren Produkts fließen.
„Im Schlaf durch Europa zu reisen ist ein großartiges Konzept. Aber heute muss man sich das Abteil mit Fremden teilen, die Betten sind eng und es ist oft teurer als ein Flug. Das wollen wir ändern“, erklärt Constant die Vision des Unternehmens. Bis zum Jahr 2035 soll das Streckennetz auf über 100 europäische Städte anwachsen.
„Unser Ziel ist es, Nachtzüge alltagstauglich zu machen. Komfortabel, privat und bezahlbar für jeden.“ – Janek Smalla, Mitgründer Nox Mobility
Das Unternehmen hat bereits Waggons gesichert und arbeitet derzeit an der finalen Gestaltung des Innenraums. Der Betriebsstart ist für das Jahr 2027 geplant.
Von Köln nach Rom, Barcelona und Stockholm
Für Reisende aus Köln und der gesamten Rhein-Ruhr-Region sind die Pläne von Nox Mobility besonders interessant. Die Region ist als zentraler Verkehrsknotenpunkt in Westdeutschland fest im geplanten Streckennetz verankert. Die ersten veröffentlichten Netzpläne zeigen eine Vielzahl an direkten Verbindungen von Städten wie Köln und Essen aus.
Geplante Routen umfassen unter anderem:
- Südliche Ziele: Verbindungen nach München, Zürich, Mailand und Rom sind ebenso vorgesehen wie Strecken nach Barcelona und tief in den Süden Italiens.
- Östliche Metropolen: Reisen über Nacht nach Wien und Budapest sollen ebenfalls möglich werden.
- West- und Nordeuropa: Paris, Brüssel und Amsterdam stehen genauso auf dem Plan wie Verbindungen über Hamburg nach Kopenhagen und Stockholm.
Damit könnten Urlauber und Geschäftsreisende aus NRW künftig abends in den Zug steigen und am nächsten Morgen ausgeruht an der Côte d’Azur, in den italienischen Alpen oder in der schwedischen Hauptstadt ankommen.
Warum Nachtzüge wieder im Trend liegen
Die wachsende Beliebtheit von Nachtzügen ist Teil einer breiteren gesellschaftlichen Entwicklung. Ein gestiegenes Umweltbewusstsein führt dazu, dass viele Menschen nach Alternativen zu Kurzstreckenflügen suchen. Gleichzeitig schätzen Reisende die Effizienz: Man spart nicht nur Zeit, sondern auch die Kosten für eine Hotelübernachtung. Anbieter wie die ÖBB mit ihren Nightjets haben diesen Trend erkannt und ihr Angebot in den letzten Jahren bereits ausgebaut.
Mini-Hotelzimmer auf Schienen
Das Kernstück des Konzepts von Nox Mobility sind die Schlafräume. Im Gegensatz zu traditionellen Anbietern wird es keine Liegewagen oder Schlafwagen mit geteilten Abteilen geben. Jeder Fahrgast bucht seinen eigenen privaten Raum. Drei verschiedene Kategorien sind geplant, um unterschiedlichen Bedürfnissen und Budgets gerecht zu werden.
Die Kabinen im Detail
Single Loft Rooms: Diese Einzelkabinen sind für Alleinreisende konzipiert. Sie verfügen über ein zwei Meter langes Hochbett, das quer zur Fahrtrichtung angebracht ist. Unter dem Bett befindet sich ein kleiner Sitzbereich mit einem Tisch. Der Startpreis soll bei 79 Euro liegen.
Double Loft Rooms: Für Paare oder gemeinsam reisende Freunde bieten diese Räume entweder ein Doppelbett oder zwei Einzelbetten als Hochbetten. Auch hier gibt es einen separaten Sitzbereich darunter. Die Preise sollen ab 149 Euro pro Raum beginnen, was 74,50 Euro pro Person entspricht.
Double Vista Rooms: In der Premium-Kategorie sind die Betten längs zur Fahrtrichtung platziert, was einen direkten Panoramablick aus dem Fenster ermöglicht. Das untere Bett kann tagsüber zu zwei Sitzen mit Tisch umfunktioniert werden. Alle Kabinen werden mit WLAN und ausreichend Stauraum für Gepäck ausgestattet sein.
Fakten zum Preisvergleich
Laut Angaben des Unternehmens sollen die dynamischen Preise mit Billigfluggesellschaften konkurrieren können. Während ein durchschnittlicher Ryanair-Flug etwa 80 Euro kostet, kommen dort oft noch Gebühren für Gepäck hinzu. Bei Nox Mobility ist das Gepäck im Preis inbegriffen, und Reisende sparen zusätzlich die Kosten für eine Übernachtung im Hotel.
Herausforderungen und Chancen
Das Konzept von Nox Mobility hat das Potenzial, den Reisemarkt nachhaltig zu verändern. Eine Studie des Wuppertal Instituts zeigt, dass bis zu 40 Prozent der innereuropäischen Kurzstreckenflüge durch Nachtzüge ersetzt werden könnten, wenn Preis und Komfort stimmen. Für NRW als bevölkerungsreichstes Bundesland ist die Aussicht auf ein solches Angebot eine große Chance.
Allerdings steht das Startup auch vor erheblichen Hürden. Die Kapazitäten auf dem europäischen Schienennetz sind begrenzt, und die Vergabe von Fahrplantrassen ist ein komplexer und stark regulierter Prozess. Nox Mobility ist daher auf politische Unterstützung angewiesen, um die benötigten Trassen zu erhalten. Die EU-Kommission hat bereits signalisiert, Nachtzugverbindungen fördern zu wollen, was dem Vorhaben zugutekommen könnte.
Ob das ambitionierte Ziel erreicht wird, bleibt abzuwarten. Der Start scheint jedoch vielversprechend. Das Unternehmen informiert bereits auf seiner Webseite über den Fortschritt und hat einen „Early Bird Club“ für Interessenten eingerichtet, die über den Buchungsstart informiert werden möchten.




