Der 1. FC Köln ist nach einer 1:4-Niederlage gegen den FC Bayern München aus dem DFB-Pokal ausgeschieden. Doch nach dem Spiel wird weniger über das Ergebnis als über umstrittene Schiedsrichterentscheidungen diskutiert. Ein klares Abseitstor und ein möglicher Handelfmeter sorgten für erheblichen Unmut bei den Kölnern und entfachten erneut die Debatte um den Videobeweis.
Die Kernpunkte
- Der 1. FC Köln verlor das DFB-Pokalspiel gegen Bayern München mit 1:4.
- Der 1:1-Ausgleichstreffer für Bayern durch Luis Diaz war eine klare Abseitsstellung.
- In der zweiten Pokalrunde kommt der Videoassistent (VAR) nicht zum Einsatz.
- Experten und ein ehemaliger Schiedsrichter kritisierten die Leistung des Schiedsrichtergespanns scharf.
- Eine weitere strittige Szene war ein nicht gegebener Handelfmeter für Köln.
Ein Spiel mit zwei Gesichtern
Für den 1. FC Köln begann der Pokalabend vielversprechend. Die Mannschaft zeigte in der ersten halben Stunde eine couragierte Leistung gegen den favorisierten Rekordmeister aus München. Der Lohn für den engagierten Auftritt war der Führungstreffer durch Ragnar Ache in der 31. Spielminute, der das Stadion in einen Freudentaumel versetzte.
Die Freude der Kölner währte jedoch nur kurz. Nur fünf Minuten später fiel der Ausgleich, der die Gemüter erhitzte und als Wendepunkt des Spiels angesehen wird. Dieser Treffer hätte nach den Fußballregeln nicht zählen dürfen.
Der umstrittene Ausgleichstreffer
In der 36. Minute landete der Ball nach einem Abpraller bei Bayerns Luis Diaz, der zum 1:1 einschob. Die Fernsehbilder zeigten jedoch unmissverständlich, dass der Kolumbianer bei der Ballabgabe deutlich im Abseits stand. Da in dieser Phase des DFB-Pokals jedoch kein Videoassistent (VAR) eingesetzt wird, hatte die Entscheidung des Schiedsrichterassistenten auf dem Feld Bestand.
Der verletzte FC-Profi Jan Thielmann äußerte sich in der Halbzeitpause bei Sky sichtlich enttäuscht von der Tribüne aus: „Und dann muss man sagen, die klare Abseitssituation – da kann man schon erwarten, dass der Linienrichter das sieht.“ Der Treffer zeigte sofort Wirkung. Nur zwei Minuten später erzielte Harry Kane mit einem sehenswerten Tor das 2:1 für die Bayern und drehte das Spiel noch vor der Pause.
Warum gab es keinen VAR?
Im DFB-Pokal wird der Videoassistent (VAR) aus organisatorischen und Kostengründen erst ab dem Achtelfinale eingesetzt. In den ersten Runden spielen oft Amateurvereine in Stadien, die nicht über die notwendige technische Infrastruktur für das VAR-System verfügen. Um die Wettbewerbsgleichheit zu wahren, wird daher in den ersten beiden Runden komplett auf den Videobeweis verzichtet.
Scharfe Kritik von Experten
Die Fehlentscheidung sorgte nicht nur im Kölner Lager für Kopfschütteln. Auch die TV-Experten fanden deutliche Worte. Der ehemalige Nationalspieler Bastian Schweinsteiger sprach in der ARD von „sehr viel Pech“ für den 1. FC Köln. „Leider gibt es heute keinen VAR“, fügte er hinzu.
Noch deutlicher wurde der ehemalige Bundesliga-Schiedsrichter Manuel Gräfe. Auf der Plattform X (ehemals Twitter) bezeichnete er den Fehler des Assistenten als „inakzeptabel“. Seiner Meinung nach hatte die Situation nichts mit dem fehlenden VAR zu tun.
„1:1 so krass Abseits, dass (...) das auch nichts mit fehlendem VAR zu tun hat. Das muss man in der Bundesliga erkennen.“
Gräfe betonte, dass eine solch offensichtliche Fehlstellung auch ohne technische Hilfsmittel vom Schiedsrichtergespann hätte erkannt werden müssen. Seine Kritik richtete sich direkt an die Qualität der Leistung auf dem Platz.
Eine zweite strittige Szene sorgt für Diskussionen
Als wäre der Ärger über das Abseitstor nicht genug, gab es beim Stand von 1:2 eine weitere Szene, die den Kölnern Anlass zur Beschwerde gab. Der Münchner Spieler Michael Olise berührte den Ball im eigenen Strafraum mit dem ausgestreckten Arm. Die Kölner forderten vehement einen Handelfmeter, doch die Pfeife des Schiedsrichters blieb stumm.
Auch wenn diese Szene von Experten als weniger eindeutig bewertet wurde als das Abseitstor, trug sie zum Gefühl der Benachteiligung auf Kölner Seite bei. Manuel Gräfe merkte an, dass die Situation selbst nach Ansicht der Fernsehbilder nicht zweifelsfrei zu bewerten sei, was die Komplexität der Entscheidung unterstreicht.
Der Spielverlauf in Zahlen
- 31. Minute: Tor für Köln durch Ragnar Ache (1:0)
- 36. Minute: Umstrittenes Abseitstor durch Luis Diaz (1:1)
- 38. Minute: Tor für Bayern durch Harry Kane (1:2)
- Endstand: 1:4
Ein bitteres Ende für den FC
In der zweiten Halbzeit konnten die Kölner nicht mehr an die starke Anfangsphase anknüpfen. Die Bayern kontrollierten das Spiel zunehmend und erhöhten das Ergebnis auf 4:1. Am Ende stand ein sportlich klares Ergebnis, das jedoch von den Ereignissen der ersten Halbzeit überschattet wurde.
Für den 1. FC Köln bleibt die Erkenntnis, einem Favoriten lange Paroli geboten zu haben, aber auch der bittere Nachgeschmack, durch eine klare Fehlentscheidung entscheidend benachteiligt worden zu sein. Die Diskussionen über die Leistung des Schiedsrichtergespanns und den sinnvollen Einsatz des VAR werden nach diesem Abend sicherlich weitergehen.




