Eine neue Studie zeigt, wie der Klimawandel Köln bis zum Jahr 2050 verändern könnte. Die Stadt rüstet sich bereits mit millionenschweren Projekten gegen die zunehmenden Gefahren durch Starkregen, Hitze und Hochwasser. Die Risiken für die Infrastruktur nehmen laut Experten deutlich zu.
Köln gehört schon heute zu den am stärksten gefährdeten Regionen Deutschlands. Forscher des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) haben berechnet, dass die Bedrohung durch Extremwetterereignisse in den kommenden Jahrzehnten weiter ansteigen wird.
Das Wichtigste in Kürze
- Eine Studie des IW platziert Köln aktuell auf Rang 131 von 400 deutschen Regionen mit einem Klimarisiko-Index von 3,42.
- Bis 2050 soll der Index auf 3,87 steigen, was Köln auf Rang 59 der am stärksten gefährdeten Regionen vorrücken lässt.
- Die größten Gefahren für die Stadt sind Starkregen und Stürme, aber auch Hitzewellen und Wasserknappheit nehmen zu.
- Die Stadt investiert hunderte Millionen Euro in Schutzmaßnahmen wie neue Überflutungsräume und das „Schwammstadt-Konzept“.
Köln im nationalen Vergleich bereits stark betroffen
Die Erinnerungen an das Jahrhunderthochwasser von 1995, als Teile der Altstadt überflutet wurden, sind in Köln noch präsent. Seitdem hat die Stadt erheblich in den Hochwasserschutz investiert. Dennoch zeigt eine aktuelle Untersuchung, dass die städtische Infrastruktur weiterhin verwundbar ist.
Die Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) weist für Köln einen Klimarisiko-Index von 3,42 aus. Dieser Wert, auf einer Skala von 0 (geringes Risiko) bis 10 (hohes Risiko), platziert die Domstadt im oberen Drittel der 400 untersuchten Regionen in Deutschland.
Hintergrund: Der Klimarisiko-Index
Der Index wurde vom IW auf Basis eines Risikomodells der Köln Assekuranz, einer Tochter der Ergo Versicherung, entwickelt. Er bewertet die potenzielle Schadenshöhe durch verschiedene Wetterextreme wie Sturm, Starkregen, Hitze, Dürre und Hagel für eine Region.
„Sturm und Starkregen leisten den größten Beitrag zum Gesamtrisiko“, erklärt Hanno Kempermann vom IW. Er fügt hinzu, dass auch die Gefahren durch Hitze, Hagel und Überschwemmungen in Köln im bundesweiten Vergleich überdurchschnittlich ausgeprägt sind. Die geografische Lage im warmen Rheintal trägt maßgeblich zu dieser Einschätzung bei.
Prognose für 2050: Risiken nehmen deutlich zu
Der Blick in die Zukunft fällt noch düsterer aus. Die Forscher prognostizieren für das Jahr 2050 einen Anstieg des Kölner Risiko-Index auf 3,87. Damit würde die Stadt im nationalen Ranking auf Platz 59 vorrücken.
Besonders die Risiken durch Hitze und Wasserknappheit werden laut der Studie stark an Bedeutung gewinnen. Die Gefahr durch Starkregen (Einzelwert 7,4) und Stürme (Einzelwert 8,9) bleibt dabei auf einem sehr hohen Niveau. „Zudem weisen auch die Überschwemmungsrisiken, insbesondere in Köln, eine beachtliche Zunahme auf“, so die Analyse.
„Es ist wichtig, dass Städte die zunehmende Bedrohung auf dem Schirm haben, denn sie sind diejenigen, die die Gefahren abwehren müssen.“Hanno Kempermann, Geschäftsführer IW Consult
Kempermann warnt, dass viele Kommunen nicht über die finanziellen Mittel verfügen, um sich ausreichend auf die Folgen des Klimawandels vorzubereiten. Notwendige Investitionen könnten auf der Strecke bleiben, wenn Bund und Länder die Kommunen nicht ausreichend finanziell ausstatten.
Kölns Strategien gegen die Fluten
Die Stadt Köln bleibt jedoch nicht untätig. Die Stadtentwässerungsbetriebe (StEB) treiben mehrere Großprojekte voran, um die Resilienz der Stadt zu stärken. Eines der wichtigsten Vorhaben ist der Bau eines neuen Überflutungsraums bei Köln-Worringen.
Projekt Köln-Worringen in Zahlen
- Kosten: 226 Millionen Euro
- Fläche: 670 Hektar
- Wasserkapazität: 30 Millionen Kubikmeter
- Wirkung: Senkung von Hochwasserspitzen um bis zu 17 Zentimeter
- Geplanter Baubeginn: 2027
Dieses Becken soll gezielt geflutet werden, wenn der Kölner Pegel 11,70 Meter erreicht und eine Welle von über 11,90 Metern erwartet wird. Es dient dem Schutz von Zehntausenden Menschen im Kölner Norden und entlastet auch die flussabwärts gelegenen Gebiete. Nach jahrelangen Verzögerungen, unter anderem wegen Grundstücksfragen, hat die Flutkatastrophe von 2021 den Planungsprozess beschleunigt.
Die Vision der „Schwammstadt“
Neben dem Schutz vor großen Rhein-Hochwassern liegt ein weiterer Fokus auf der Bewältigung von Starkregenereignissen. Hier verfolgen die StEB das sogenannte „Schwammstadt-Konzept“.
Ingo Schwerdorf, Abteilungsleiter bei den StEB, fordert ein „blau-grünes Denken“. Anstatt Flächen zu versiegeln, sollen mehr Grünflächen geschaffen werden. Diese kühlen nicht nur die Stadt, sondern helfen auch bei Starkregen.
„Maßnahmen der Klimafolgenanpassung klingen in den Ohren der Bevölkerung immer etwas unsexy. Aber es geht darum, dafür zu sorgen, dass wir auch in Zukunft in unseren Städten leben können.“Ingo Schwerdorf, Abteilungsleiter StEB
Das Ziel der Schwammstadt ist es, Regenwasser nicht einfach in die Kanalisation zu leiten, sondern es vor Ort zu speichern und zu nutzen – beispielsweise für die Bewässerung von Parks. In Stadtteilen wie Porz/Eil, Zollstock und Dellbrück wurden bereits Versickerungsanlagen und Becken für Kosten zwischen 0,9 und 1,7 Millionen Euro pro Projekt realisiert. Weitere Anlagen sind in Planung.
Trinkwasserversorgung bleibt stabil
Trotz der zunehmenden Gefahr von Trockenperioden gibt die Rhein-Energie Entwarnung für die Trinkwasserversorgung. Ein Sprecher des Unternehmens erklärte, dass man das Risiko einer Wasserknappheit für die Kölner Bucht „ausdrücklich nicht“ sehe.
Die Grundwasserspeicher in der Region seien sehr ergiebig und würden sowohl durch Niederschläge als auch durch den Rhein gespeist. Paradoxerweise könnten die prognostizierten häufigeren Starkregenereignisse sogar dazu beitragen, die Grundwasserbestände aufzufüllen. Die Versorgung für Privathaushalte und Industrie sei daher auch in trockenen Sommern gesichert.




