Nach sechs Jahren Bühnenabsenz ist Xavier Naidoo zurück. Am Dienstagabend trat der umstrittene Sänger vor 16.000 Zuschauern in der ausverkauften Kölner Lanxess-Arena auf. Es war der Auftakt seiner „Bei meiner Seele“-Tour, der von seinen Fans gefeiert, aber von Kritik begleitet wurde.
Während des mehr als zweistündigen Konzerts konzentrierte sich Naidoo fast ausschließlich auf seine Musik und präsentierte ein Best-of seiner bekanntesten Lieder. Seine kontroverse Vergangenheit und die laufenden rechtlichen Verfahren sparte er weitgehend aus, bedankte sich aber mehrfach emotional bei seinem Publikum für die Treue.
Ausverkaufte Arena und emotionale Momente
Die Lanxess-Arena war bis auf den letzten Platz gefüllt. Für viele der 16.000 anwesenden Fans war es ein lang erwartetes Wiedersehen. Schon vor Beginn der Show war die Stimmung erwartungsvoll. Als Xavier Naidoo, 54, die Bühne betrat, wurde er mit lautem Jubel empfangen. Gekleidet mit seinen Markenzeichen, Sonnenbrille und Schiebermütze, wirkte er sichtlich bewegt.
„Wegen Euch bin ich hier!“, rief er der Menge zu und fasste sich dabei ans Herz. Solche direkten Ansprachen blieben selten. Der Abend wurde von der Musik getragen, nicht von langen Reden. Naidoo ließ seine Lieder für sich sprechen, von frühen Klassikern wie „Sie sieht mich nicht“ bis hin zum WM-Song von 2006, „Dieser Weg“.
Besonders bei der Ballade „Und wenn ein Lied“, die er einst mit den Söhnen Mannheims aufnahm, sang das Publikum textsicher mit. An einer Stelle des Konzerts, als Tausende Fans den Refrain von „Wo willst du hin?“ anstimmten, hielt er inne und sagte: „Davon habe ich geträumt.“
Konzert in Zahlen
- 16.000 Zuschauer in der ausverkauften Lanxess-Arena
- 6 Jahre seit Naidoos letzter großer Tour
- 2 Konzerte in Köln an aufeinanderfolgenden Abenden
- Über 2 Stunden dauerte das Auftaktkonzert
Ein Comeback, das polarisiert
Die Rückkehr auf die große Bühne erfolgt nach einer langen Zeit, in der es still um den einst allgegenwärtigen Musiker geworden war. In den vergangenen Jahren hatte sich Naidoo zunehmend mit umstrittenen Äußerungen ins Abseits manövriert. Er verbreitete Verschwörungserzählungen, trat mit sogenannten Reichsbürgern auf und fiel durch antisemitische und rassistische Aussagen auf. Dies führte 2020 zu seinem Ausschluss aus der Jury von „Deutschland sucht den Superstar“ und zur Absage geplanter Konzerte.
Im Jahr 2022 veröffentlichte Naidoo ein Video, in dem er sich für seine Aussagen entschuldigte. Er sei von Verschwörungserzählungen „geblendet“ gewesen und distanziere sich von extremistischen Gruppierungen. Nationalismus, Rassismus und Antisemitismus seien nicht mit seinen Werten vereinbar.
„Ich habe mich Theorien, Sichtweisen und teilweise auch Gruppierungen geöffnet, von denen ich mich heute ohne Wenn und Aber distanziere und lossage.“
Diese Entschuldigung wurde von Kritikern als zu unkonkret und nicht ausreichend bewertet. Auch im Vorfeld der Kölner Konzerte gab es kritische Stimmen. Die Synagogen-Gemeinde Köln äußerte Bedenken und erklärte, es sei problematisch, Naidoo eine Bühne zu bieten, insbesondere in Zeiten zunehmenden Antisemitismus.
Unterstützung und anhaltende Kritik
Der Konzertveranstalter Marek Lieberberg verteidigte die Entscheidung, die Tour durchzuführen. Er betonte, Naidoo habe sich „zweifelsfrei“ distanziert und seine Selbstkritik sei ernsthaft. „Er hat sich an seine Aussagen gehalten und keinerlei Anlass für Zweifel gegeben“, so Lieberberg. Die Konzerte würden sich auf das musikalische Werk konzentrieren.
Die Reaktionen auf das Comeback bleiben gespalten. Während die Fans in der Arena ihre Begeisterung zeigten, wurde in den sozialen Medien weiter kontrovers diskutiert. Der Komiker Oliver Pocher postete ein Video vom Konzert und schrieb: „Sie haben versucht zu canceln, aber Talent und Können setzt sich immer durch!“ Andere Nutzer kommentierten kritisch und fragten, ob die problematischen Aussagen der Vergangenheit nun vergessen seien.
Laufende rechtliche Verfahren
Trotz seines Bühnen-Comebacks sind die juristischen Auseinandersetzungen für Xavier Naidoo nicht beendet. Am Landgericht Mannheim sind weiterhin zwei Verfahren wegen Volksverhetzung anhängig. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, über einen Telegram-Kanal Inhalte mit antisemitischem und holocaustleugnendem Charakter verbreitet zu haben. Eine Entscheidung über die Eröffnung eines Hauptverfahrens steht noch aus. Naidoos Anwälte bestreiten die Vorwürfe.
Der Fokus liegt auf der Musik
Auf der Bühne in Köln spielte die juristische Auseinandersetzung keine Rolle. Naidoo sprach seine Vergangenheit nur indirekt an, als er erwähnte, dass er sich in den letzten Jahren intensiv um seine Familie gekümmert habe. Er bezeichnete diese Zeit scherzhaft als „Frührente“.
Die Setlist des Abends war eine Reise durch seine lange Karriere. Die Fans zeigten sich textsicher und feierten jeden Song. Die ungebrochene Loyalität seines Publikums war an diesem Abend deutlich spürbar. Naidoo schien die Energie aufzusaugen und bedankte sich immer wieder mit Gesten der Demut, indem er die Hände faltete oder sich ans Herz fasste.
Nach dem regulären Set verließ er die Bühne nicht, sondern spielte die erste geplante Zugabe direkt im Anschluss. Der Abend endete mit stehenden Ovationen. Mit Blick auf die kommenden Konzerte in Städten wie München, Hamburg und Berlin sagte er zum Abschied: „Dann bin ich wieder richtig drin.“
Das zweite Konzert in Köln findet bereits am Mittwochabend statt und ist ebenfalls ausverkauft. Die hohe Nachfrage nach Tickets zeigt, dass Xavier Naidoo trotz aller Kontroversen eine große und treue Fangemeinde hat.




