Trotz grauem Himmel und kühlen Temperaturen haben rund eine halbe Million Menschen den Rosenmontagszug in Mainz gefeiert. Die Straßen der Landeshauptstadt füllten sich mit Narren in bunten Kostümen, die den Höhepunkt des Straßenkarnevals ausgelassen und friedlich begingen. Politische Motivwagen und ein massives Sicherheitsaufgebot prägten das Bild des diesjährigen Umzugs.
Das Wichtigste in Kürze
- Rund 500.000 Zuschauer feierten den Rosenmontagszug in Mainz.
- Die Stimmung war trotz des nasskalten Wetters fröhlich und friedlich.
- Elf Motivwagen nahmen die nationale und internationale Politik satirisch aufs Korn.
- Ein umfassendes Sicherheitskonzept mit rund 1.100 Polizisten sorgte für einen reibungslosen Ablauf.
Ausgelassene Stimmung trotz grauem Himmel
Wer dachte, dass Schnee und Regen die Mainzer Fastnachter abschrecken könnten, wurde am Rosenmontag eines Besseren belehrt. Obwohl das Wetter mit Temperaturen zwischen sechs und acht Grad eher ungemütlich war, säumten Hunderttausende die Straßen, um den traditionellen Umzug zu erleben.
„Schlechtes Wetter hatten wir schon immer“, kommentierte Michael Bonewitz, Sprecher des Mainzer Carneval-Vereins (MCV). „Und eigentlich sind Fastnachter hart gesotten.“ Diese Einschätzung bestätigte sich: Die Feiernden ließen sich die Laune nicht verderben und schunkelten, sangen und riefen unermüdlich „Helau“.
Das Motto 2026
In diesem Jahr stand der Mainzer Karneval unter dem Motto: „Die Hofsänger im Gold'nen Mainz – seit 100 Jahr' die Nummer eins“. Damit wurde der überregional bekannte Chor geehrt, der sein 100-jähriges Bestehen feiert.
Kreative Kostüme gegen die Kälte
Die Wahl der Kostüme war sichtlich von den Temperaturen beeinflusst. Viele Närrinnen und Narren entschieden sich für praktische und wärmende Verkleidungen. Besonders beliebt waren dicke, pelzige Tierkostüme wie Leoparden, Löwen und Kängurus.
Auch ganze Gruppen hatten sich auf das Wetter eingestellt. So sah man zahlreiche Skifahrer mit Mützen und Brillen oder Imker, deren Kinder als Bienen und Hummeln verkleidet waren. Die Kreativität kannte keine Grenzen: Mönche tanzten mit Piraten, während Zwerge und Elfen neben Wikingern schunkelten.
Politische Satire auf Rädern
Ein zentrales Element des Mainzer Rosenmontagszugs sind traditionell die Motivwagen, die sich kritisch und humorvoll mit aktuellen politischen Themen auseinandersetzen. Auch in diesem Jahr sparten die Wagenbauer nicht mit deutlichen Botschaften.
Auf einem der elf Wagen wurde der ehemalige US-Präsident Donald Trump dargestellt, wie er die Freiheitsstatue erdrückt. Auch Bundespolitiker wie Friedrich Merz (CDU) und Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) wurden karikiert. Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) wurde beim Wurstessen gezeigt.
Lokalkolorit als Flamingo
Besonderes Aufsehen erregte ein Wagen, der sich der Mainzer Lokalpolitik widmete. Darauf zu sehen: Innenminister Michael Ebling (SPD), Oberbürgermeister Nino Haase (parteilos) und der frühere Bürgermeister Günter Beck (Grüne) als Flamingos im Wasser. Hintergrund ist die Entscheidung der Stadt, die bei den Bürgern beliebten Flamingos aus Tierschutzgründen aus dem Stadtpark zu entfernen. Der Wagen schlug vor, dass die Politiker nun selbst diese Rolle übernehmen könnten.
Ein reibungsloser Ablauf
Pünktlich um 11:11 Uhr setzte sich der Zug mit über 9.200 Teilnehmern in Bewegung. Die Strecke führte über 7,2 Kilometer durch die Innenstadt. Zugmarschall Thorsten Hartel zeigte sich zufrieden mit der Organisation. Die Verkürzung des Zuges auf 121 Nummern habe sich bewährt und den Ablauf erleichtert. „Wir sind gut durchgekommen“, bilanzierte er am Nachmittag, als der letzte Wagen das Ziel erreicht hatte.
Ein Fest unter wachsamen Augen
Für die Sicherheit der Feiernden sorgte ein Großaufgebot an Einsatzkräften. Allein in Mainz waren rund 1.100 Polizistinnen und Polizisten im Einsatz, um einen friedlichen Verlauf zu gewährleisten.
Moderne Technik für mehr Sicherheit
Die Behörden setzten in diesem Jahr verstärkt auf technische Überwachung. „Wir rüsten jedes Jahr technisch ein bisschen auf“, erklärte Innenminister Michael Ebling (SPD) bei einem Besuch der Einsatzleitung. Mehr Videokameras an neuralgischen Punkten sollten helfen, potenzielle Probleme frühzeitig zu erkennen. Auch der Luftraum wurde überwacht, um den Einsatz privater Drohnen zu unterbinden. Ein Drohnenpilot wurde identifiziert und muss nun mit einem Bußgeld rechnen.
„Wir haben wieder einen fröhlichen und friedlichen Rosenmontagszug erlebt. Die Fastnacht verbindet die Menschen und ist wie immer ein grandioses Aushängeschild unserer Stadt.“
Bilanz der Einsatzkräfte
Die Polizei zog eine positive Bilanz. Die Stimmung sei überwiegend ausgelassen und fröhlich gewesen. Polizeisprecher Rinaldo Roberto sprach von einem Verlauf ohne größere Probleme und stellte fest: „Es wird jedes Jahr besser.“
- Kontrollen: 860 Personen wurden kontrolliert, davon über 500 Kinder und Jugendliche.
- Alkohol: Rund 190 Liter alkoholischer Getränke wurden sichergestellt.
- Anzeigen: Es gab 17 Strafanzeigen und 14 Ordnungswidrigkeitenanzeigen.
- Sanitätsdienst: Feuerwehr und Sanitäter hatten rund 200 Einsätze, die meisten davon waren kleinere Hilfeleistungen.
Auch in anderen Städten in Rheinland-Pfalz wurde gefeiert. In Koblenz kamen rund 100.000 Menschen zusammen, in Trier waren es etwa 60.000. Dort scheiterte allerdings ein Weltrekordversuch: Mehr als 500 als Clowns verkleidete Karnevalisten reichten nicht aus, um den bestehenden Rekord von 707 zu brechen.
Prominenz feiert mit
Auf der Ehrentribüne am Mainzer Dom versammelte sich auch politische Prominenz. Ministerpräsident Alexander Schweitzer (SPD) kam erneut im Kostüm des berühmtesten Sohnes der Stadt, Johannes Gutenberg. An seiner Seite feierten unter anderem Oberbürgermeister Nino Haase und Innenminister Michael Ebling.
Auch die Fußballprofis von Mainz 05 ließen sich das närrische Treiben nicht entgehen. Trotz einer Niederlage am Wochenende zuvor zeigten sich die Spieler auf Wagen Nummer 73 in bester Feierlaune und verteilten Kamelle an die Zuschauer.




