Die Kölner Karnevalsszene steht unter Schock. Der bekannte Büttenredner Ralph Kuhn, auf den Bühnen als „Ne Usjeflippte“ gefeiert, ist am Montag plötzlich und unerwartet im Alter von 65 Jahren verstorben. Er erlag einem Herzinfarkt und hinterlässt eine große Lücke in der Welt des kölschen Fastelovends.
Kuhn war nicht nur für seinen scharfsinnigen Humor bekannt, mit dem er Alltagssituationen und sich selbst auf die Schippe nahm, sondern auch für seine herzliche Art. Sein Tod trifft Freunde, Kollegen und das Publikum wenige Tage vor einer mit Spannung erwarteten Premiere.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Kölner Büttenredner Ralph Kuhn ist am 1. Dezember 2025 im Alter von 65 Jahren an einem Herzinfarkt gestorben.
- Bekannt wurde er als Type „Ne Usjeflippte“ und zuvor als Teil des „Schnäuzer Duos“.
- Sein Tod ereignete sich kurz vor der Premiere seines neuen Weihnachtsprogramms „Kölsche Kreßnaach“.
- Kollegen und Freunde aus der Karnevalsszene äußerten sich tief bestürzt und würdigten ihn als herzlichen und ehrlichen Menschen.
Ein plötzlicher Abschied aus dem Leben
Die Nachricht vom Tod Ralph Kuhns verbreitete sich am Montagabend wie ein Lauffeuer. Wie die Sängerin Marita Köllner berichtete, verstarb der Künstler in seinem Zuhause. „Er hat sich um 17 Uhr hingelegt. Als seine Frau Ulla um 18 Uhr was von ihm wollte, war er nicht mehr ansprechbar“, erklärte sie. Ein herbeigerufener Notarzt versuchte noch, ihn zu reanimieren, jedoch ohne Erfolg.
Der plötzliche Tod des ehemaligen Ford-Mitarbeiters reißt eine schmerzliche Lücke. Kuhn war eine feste Größe im Kölner Karneval und wurde für seine authentische und humorvolle Art geschätzt. Er stand kurz davor, ein neues Kapitel seiner Bühnenkarriere aufzuschlagen.
Ein Leben für die Bütt
Ralph Kuhn prägte die Kölner Karnevalsbühnen über Jahrzehnte. Viele kannten ihn noch aus seiner Zeit als Teil des fidelen „Schnäuzer Duos“. An der Seite von Peter „Fibbes“ Schulte agierte er 16 Jahre lang als die freche „Puppe“, die aus einer Mülltonne sprang und das Publikum mit Witz und Charme begeisterte. Ihre Auftritte, unter anderem bei der legendären „Lachenden Kölnarena“, sind unvergessen.
Vom Duo zum Solokünstler
Nach der Zeit beim „Schnäuzer Duo“ startete Ralph Kuhn erfolgreich als Solokünstler durch. In seiner Paraderolle als „Ne Usjeflippte“ erzählte er aus seinem Leben, spießte Alltagsprobleme auf und bewies dabei eine bemerkenswerte Fähigkeit zur Selbstironie. Die Künstler-Agentur Ahrens, die ihn vertrat, bezeichnete ihn treffend als „ein Büttenredner wie er im Buche steht“.
Sein Humor war bodenständig, ehrlich und kam direkt aus dem Leben. Er sprach den Menschen aus der Seele und schaffte es, ganze Säle zum Lachen zu bringen, ohne verletzend zu werden. Diese Fähigkeit machte ihn zu einem der beliebtesten Redner seiner Generation.
Geplante Projekte und tiefe Trauer
Der Tod traf Ralph Kuhn mitten in den Vorbereitungen für ein neues Projekt. Gemeinsam mit seinen Freunden Ralf Knoblich („Dä Knubbelisch“), Patrick Kafka und Tommy Walter wollte er am kommenden Samstag, dem 6. Dezember, die Premiere der „Kölsche Kreßnaach“ feiern. Das Programm aus Musik und „Verzällche op Kölsch“ rund um Weihnachten war bereits an mehreren Veranstaltungsorten wie dem „Stadt-Treff“, dem „Balthasar em Agnesveedel“ und dem Brauhaus „Em Kölsche Boor“ fast vollständig ausverkauft.
Sein enger Freund Ralf Knoblich zeigte sich tief betroffen. Auf sozialen Netzwerken teilte er ein gemeinsames Foto und schrieb bewegende Worte auf Kölsch:
„Jitz häs Do mich un janz Kölle em Ress jelosse. Bes einfach esu jejange. [...] Verdammp, ich dun Dich jitz ald ärch vermesse.“
Trotz der Trauer äußerte Knoblich den Wunsch, die geplanten Abende zu Ehren seines Freundes stattfinden zu lassen. „Mein erster Impuls lautet: Jetzt machen wir es erst recht, dem Ralph zu Ehren“, sagte er. Eine endgültige Entscheidung stehe aber noch aus.
Kollegen würdigen einen besonderen Menschen
Zahlreiche Weggefährten aus der Karnevalswelt meldeten sich zu Wort und würdigten nicht nur den Künstler, sondern vor allem den Menschen Ralph Kuhn.
Die Kabarettistin Ingrid Kühne beschrieb ihn als „ein Karnevals-Urgestein, ein herzlicher, fröhlicher und empathischer, aber auch empfindsamer, gnadenlos ehrlicher und trotzdem leicht verletzbarer Mensch“. Sie betonte, dass man mit ihm herrlich habe lachen können, er aber auch in ernsten Momenten ein mitfühlender Freund gewesen sei.
Ein Mentor für den Nachwuchs
Ralph Kuhn war auch dafür bekannt, jüngeren Künstlern eine Chance zu geben. Comedian Dennis Schick wollte mit seiner Hilfe auf den Kölner Bühnen Fuß fassen. „Du hast mir das Gefühl gegeben, dass ich meinen Platz gefunden habe. Dass meine Stimme zählt“, schrieb Schick in einem emotionalen Nachruf.
Auch Jörg Runge, bekannt als „Dä Tuppes vum Land“, erinnerte sich an eine besondere Verbindung. Bei der WDR-Sendung „Die Rampensäue“ sei Kuhn sein Pate gewesen, obwohl er selbst bereits viel länger auf der Bühne stand. „Ich habe das ‚Schnäuzer Duo‘ sehr gemocht und bin schockiert, dass sein Leben nun viel zu früh ein Ende fand. Maach et joot leeven Ralph. Du warst ne echte Type“, so Runge.
Der plötzliche Tod von Ralph Kuhn hinterlässt eine spürbare Leere. Der Kölner Karneval hat einen seiner authentischsten und herzlichsten Künstler verloren. Sein Humor und seine Menschlichkeit werden jedoch in den Herzen seines Publikums und seiner Freunde weiterleben.




