Im Cineplex-Kino am Kölner Rudolfplatz hat Herbert Grönemeyer am Dienstagabend sein neues Akustik-Album „Unplugged 2 – Von allem anders“ vorgestellt. Vor Fans und Medienvertretern sprach der Musiker über die Entstehung des Werks, seine emotionale Verbindung zu den Liedern und seine Zeit in Köln, wo er sogar einen Karnevalssong anstimmte.
Das Wichtigste in Kürze
- Herbert Grönemeyer präsentierte sein neues Album „Unplugged 2 – Von allem anders“ in einem Kölner Kino.
- Das Album enthält neu arrangierte Akustikversionen von Songs, die nach 1995 entstanden sind.
- Für eine Neuaufnahme von „Flugzeuge im Bauch“ arbeitete er mit dem Berliner Rundfunkchor zusammen.
- Grönemeyer teilte persönliche Anekdoten und sprach über die emotionalen Herausforderungen bei der Aufnahme bestimmter Lieder.
Ein besonderes Hörerlebnis am Rudolfplatz
Statt Schnittchen und Wein gab es Popcorn und Nachos. Die Atmosphäre im großen Saal des Cineplex-Kinos war entspannt, als Herbert Grönemeyer die Bühne betrat. Der Anlass war kein neuer Film, sondern ein gemeinsames Hörerlebnis, wie er es selbst nannte. „Früher haben wir uns zusammengesetzt, um andächtig eine neue Platte zu hören. Das ist heute selten geworden“, erklärte der Künstler im Gespräch mit Moderatorin Sabine Heinrich.
Für die Präsentation seines zweiten Unplugged-Albums wurde der Kinosaal technisch aufgerüstet. Ausgewählte Stücke erklangen in einem immersiven Dolby-Atmos-Sound, der die Zuhörer mitten in die Musik versetzte. „Es ist leicht, es ist luftig, es macht unglaublich Freude“, schwärmte Grönemeyer von dem Klangerlebnis, das er selbst mit abgemischt hatte.
30 Jahre nach dem ersten „Unplugged“
Das erste „Unplugged“-Album von Herbert Grönemeyer erschien vor 30 Jahren. 1995 war er der erste deutsche Künstler, der vom Musiksender MTV zu dem legendären Akustik-Konzertformat eingeladen wurde. Die Aufnahmen fanden damals in den Babelsberg Studios in Potsdam statt.
Neue Arrangements und emotionale Tiefe
Für „Unplugged 2 – Von allem anders“ hat Grönemeyer bewusst einen anderen Weg eingeschlagen. Die Idee sei von seiner Plattenfirma gekommen, doch er habe die Bedingung gestellt, ausschließlich Lieder aus der Zeit nach 1995 auszuwählen. Es sei ihm nicht darum gegangen, nur die größten Hits neu aufzulegen.
Eine Ausnahme bildet der Klassiker „Flugzeuge im Bauch“. Grönemeyer erinnerte sich daran, wie er vor über 40 Jahren in den Kölner EMI-Studios am Maarweg jede einzelne Background-Stimme selbst einsingen musste. Für die neue Version stand ihm der renommierte, 64-köpfige Berliner Rundfunkchor zur Seite. Das Ergebnis ist eine opulente, fast cineastische Neuinterpretation, die im Kinosaal ihre volle Wirkung entfaltete.
Rund anderthalb Jahre hat Herbert Grönemeyer an dem neuen Album gearbeitet. Die Aufnahmen fanden unter anderem im historischen Meistersaal der Hansa-Studios in Berlin statt, wo bereits David Bowie Musikgeschichte schrieb.
Die schwierigsten Momente im Studio
Die Arbeit an dem Album war für den Künstler auch eine Reise in die eigene Vergangenheit, die nicht immer einfach war. Besonders die Lieder von seinem Album „Bleibt alles anders“ seien eine emotionale Herausforderung gewesen. Die Platte entstand im selben Jahr, in dem seine Frau und sein Bruder verstarben.
„Da weiß ich beim Singen, da wird es schwer“, gestand Grönemeyer dem Publikum. „Der Song ‚Ich dreh' mich um dich‘ war am schwersten zu singen, wenn man nicht von zehntausend Fans im Konzert getragen wird, sondern allein im Studio auf sich selbst zurückgeworfen ist.“
Die neue Version des Liedes ist minimalistisch begleitet, bis Streicher einsetzen und eine tröstliche Atmosphäre schaffen. Andere Stücke überraschen mit neuen Rhythmen, etwa wenn brasilianische Batucada-Trommeln und ein Salsa-Klavier den Song „Du fühlst, du glaubst, du fliegst“ antreiben.
Ein Abend voller Kölner Anekdoten
Während des Abends zeigte sich Herbert Grönemeyer bestens gelaunt und plauderte aus dem Nähkästchen. Er erzählte von seiner Zeit in Köln, von einem Friseur, der sich nicht traute, seine berühmte Locke abzuschneiden, und von seiner Leidenschaft für alte Alfa-Romeo-Modelle.
Auch sein bevorstehender 70. Geburtstag im April nächsten Jahres war Thema. Zu diesem Anlass plant er bereits ein weiteres neues Album. Die Präsentation in Köln nutzte er auch für eine spontane musikalische Einlage, die das Publikum begeisterte.
Völlig unerwartet stimmte er einen bekannten Kölner Karnevalsschlager an: „Wenn am Himmel die Stääne danze, un dr Dom sing Jlocke spillt.“ Das Publikum sang textsicher mit und es entstand ein Moment der Verbundenheit, der zeigte, wie sehr Grönemeyer auch nach Jahren noch mit der Stadt verbunden ist.
Der Abend im Cineplex war somit mehr als nur eine Albumvorstellung. Es war eine persönliche Begegnung mit einem Künstler, der Rückschau hält, ohne nostalgisch zu verharren, und der die Musik nutzt, um immer wieder neue Facetten von sich und seinen Liedern zu zeigen. „Zusammen sitzen, Musik hören, das ist doch ein Knaller“, fasste er den Abend treffend zusammen.




