Während Fans des 1. FC Köln am Freitagabend den 1:0-Sieg gegen den VfL Wolfsburg feierten, fand vor den Toren des Rhein-Energie-Stadions eine großangelegte Kontrollaktion statt. Einsatzkräfte des Zolls überprüften Sicherheitsfirmen und stießen dabei auf mehrere Verdachtsfälle von Schwarzarbeit und Mindestlohnverstößen.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Zoll kontrollierte 57 Beschäftigte von 13 Sicherheitsfirmen vor dem Bundesligaspiel.
- Es ergaben sich erste Hinweise auf Verstöße gegen den Mindestlohn bei fünf Personen.
- In vier Fällen besteht der Verdacht auf Sozialleistungsmissbrauch.
- Die Kontrollen führten zu erheblichen Verzögerungen beim Einlass für viele Fußballfans.
Großeinsatz während des Heimspiels
Für viele Besucher des Bundesligaspiels am 30. Januar 2026 bot sich ein ungewohntes Bild. Neben den üblichen Ordnern waren zahlreiche uniformierte Beamte des Zolls an den Eingängen des Stadions postiert. Die Aktion sorgte nicht nur für neugierige Blicke, sondern auch für längere Wartezeiten.
Die massiven Kontrollen führten dazu, dass etliche Zuschauerinnen und Zuschauer den Anpfiff der Partie verpassten. Berichten zufolge erreichten viele ihre Plätze erst rund zehn Minuten nach Spielbeginn, was bei den Betroffenen für Unmut sorgte.
Hintergrund der Aktion
Die Kontrollen wurden von der Finanzkontrolle Schwarzarbeit (FKS) des Hauptzollamts Köln durchgeführt. Diese Sondereinheit ist darauf spezialisiert, illegale Beschäftigung, Sozialleistungsmissbrauch und die Einhaltung des gesetzlichen Mindestlohns zu überprüfen. Solche Einsätze finden regelmäßig bei Großveranstaltungen statt, wo oft eine Vielzahl von Subunternehmen und deren Angestellte tätig sind.
Fokus auf Mindestlohn und Schwarzarbeit
Der Einsatz richtete sich gezielt gegen mögliche illegale Praktiken im Sicherheitsgewerbe. In Zusammenarbeit mit dem Ordnungsamt der Stadt Köln befragten die Zollbeamten insgesamt 57 Angestellte von 13 verschiedenen Sicherheitsunternehmen, die für den Schutz und die Ordnung rund um das Stadion zuständig waren.
Ziel war es, direkt vor Ort zu überprüfen, ob die Arbeitsverhältnisse ordnungsgemäß angemeldet sind und die gesetzlichen Lohnvorgaben eingehalten werden. Die Beamten glichen die Angaben der Beschäftigten mit vorhandenen Daten ab und dokumentierten die Arbeitsbedingungen.
Erste Ergebnisse der Kontrollen
Die Aktion blieb nicht ohne Ergebnis. Wie das Hauptzollamt Köln mitteilte, ergaben sich bereits während des Einsatzes mehrere konkrete Verdachtsmomente, die nun weiterverfolgt werden müssen.
- Mindestlohnverstöße: Bei fünf Beschäftigten gibt es erste Anhaltspunkte dafür, dass sie nicht den gesetzlich vorgeschriebenen Mindestlohn für ihre Arbeit erhalten.
- Sozialleistungsmissbrauch: In vier weiteren Fällen besteht der Verdacht, dass Sozialleistungen zu Unrecht bezogen wurden.
- Fehlende Anmeldung: Zwei Sicherheitskräfte waren möglicherweise nicht zur Sozialversicherung angemeldet, was ein klassisches Merkmal von Schwarzarbeit ist.
Zahlen im Überblick
Kontrollierte Personen: 57
Beteiligte Firmen: 13
Verdachtsfälle (gesamt): 11
(5x Mindestlohn, 4x Sozialleistungen, 2x Schwarzarbeit)
Ermittlungen gehen in die nächste Phase
Die Befragungen vor Ort sind laut Zoll nur der erste Schritt eines umfassenderen Verfahrens. Die eigentliche Arbeit beginnt für die Ermittler erst jetzt mit der Auswertung der gesammelten Daten und Geschäftsunterlagen.
„Die Überwachung der Einhaltung des Mindestlohns macht nicht selten tiefergehende Geschäftsunterlagenprüfungen, insbesondere der Lohn- und Finanzbuchhaltung, bei den Firmen notwendig“, erklärte Jens Ahland, Pressesprecher des Hauptzollamts Köln.
Erst nach einer gründlichen Prüfung der Unterlagen lässt sich endgültig klären, ob die Firmen ihre Angestellten korrekt gemeldet und bezahlt haben. Sollten sich die Verdachtsfälle bestätigen, drohen den verantwortlichen Unternehmen empfindliche Geldstrafen und Nachzahlungen von Sozialversicherungsbeiträgen.
Auswirkungen auf die Branche
Solche Kontrollen senden ein klares Signal an die gesamte Veranstaltungs- und Sicherheitsbranche. Der Zoll macht deutlich, dass auch im Umfeld von Großereignissen wie Bundesligaspielen genau hingeschaut wird, um faire Arbeitsbedingungen durchzusetzen und Lohndumping zu bekämpfen.
Für die betroffenen Fans war der Abend zwar mit Ärgernis über die Verzögerungen verbunden, doch die Aktion unterstreicht die Notwendigkeit, die Einhaltung von Arbeitsgesetzen zu gewährleisten – auch hinter den Kulissen des Profifußballs.




