In der Nähe von Jülich wird die Landschaft des Hambacher Tagebaus in den kommenden Jahren eine grundlegende Verwandlung erfahren. Wo einst Braunkohle abgebaut wurde, entsteht Deutschlands zweitgrößter See. Ein zentrales Element dieses neuen Naherholungsgebiets wird ein rund 40 Meter hoher Aussichtsturm aus Holz sein, dessen Entwurf nun feststeht. Das Projekt mit dem Namen „Waldtänzerin“ soll bis 2029 fertiggestellt werden.
Das Wichtigste in Kürze
- Projekt: Ein neuer Aussichtsturm namens „Waldtänzerin“ ist am zukünftigen Hambacher See geplant.
- Standort: Der Turm wird auf der Sophienhöhe, einer rekultivierten Abraumhalde, errichtet.
- Design: Der rund 40 Meter hohe Turm besteht aus Holzlamellen und wurde vom Osnabrücker Büro OKF Architekten entworfen.
- Zeitplan: Die Fertigstellung ist für das Jahr 2029 vorgesehen.
Vom Tagebau zur Seenlandschaft
Der Hambacher Tagebau, der seit 1978 die Region prägt, beendet schrittweise seine Tätigkeit. Im Rahmen des Projekts „Neuland Hambach“ wird die riesige Grube geflutet, um einen gigantischen See zu schaffen. Dieser wird nach seiner vollständigen Füllung nur vom Bodensee in seiner Größe übertroffen.
Die Umgestaltung dieser Industrielandschaft in ein Natur- und Erholungsgebiet ist eines der größten Landschaftsbauprojekte in Europa. Die Sophienhöhe, eine künstlich aufgeschüttete Anhöhe aus dem Abraum des Tagebaus, spielt dabei eine zentrale Rolle. Sie ist bereits heute ein beliebtes Ausflugsziel und soll durch den neuen Turm weiter an Attraktivität gewinnen.
Hintergrund: Die Sophienhöhe
Die Sophienhöhe bei Jülich ist eine der größten rekultivierten Abraumhalden der Welt. Sie entstand durch die Aufschüttung von Material aus dem Tagebau Hambach. Heute ist sie ein weitläufiges Waldgebiet mit Wanderwegen und bietet bereits jetzt Ausblicke auf die umliegende Landschaft und den Tagebau.
Der Siegerentwurf „Waldtänzerin“
Um die beste architektonische Lösung für den geplanten Aussichtsturm zu finden, wurde ein Wettbewerb ausgeschrieben. Aus insgesamt 15 eingereichten Vorschlägen wählte eine Fachjury unter dem Vorsitz von Prof. Thomas Meurer den Entwurf des Architekturbüros OKF aus Osnabrück aus.
Ihr Konzept trägt den poetischen Namen „Waldtänzerin“. Der Name soll die elegante und organische Form der Holzkonstruktion widerspiegeln, die sich harmonisch in die bewaldete Umgebung der Sophienhöhe einfügen soll. Der Turm wird eine Höhe von etwa 40 Metern erreichen und aus vertikalen Holzlamellen gefertigt.
Die Wahl des Materials ist dabei kein Zufall. „Holz steht als nachhaltiges Baumaterial für den Anspruch, ökologische Verantwortung und zeitgemäßes Bauen miteinander zu verbinden“, heißt es von den Projektverantwortlichen bei „Neuland Hambach“. Die Konstruktion soll Leichtigkeit und Stabilität zugleich vermitteln.
Ein Turm mit Aussicht und Einblick
Die „Waldtänzerin“ soll mehr sein als nur eine Aussichtsplattform. Im Inneren sind mehrere Ebenen geplant, die den Besuchern unterschiedliche Perspektiven auf die entstehende Seenlandschaft und die rekultivierte Umgebung bieten.
Zusätzlich ist Raum für eine kleine Dauerausstellung vorgesehen. Laut den Architekten von OKF könnte diese Ausstellung die bewegte Geschichte des Ortes thematisieren – von der ursprünglichen Landschaft über die Zeit des Braunkohleabbaus bis hin zur zukünftigen Nutzung als Erholungsgebiet. Damit wird der Turm auch zu einem Ort der Information und des Gedenkens.
Fakten zum Projekt
- Höhe: ca. 40 Meter
- Material: Holzlamellen
- Architekten: OKF Architekten, Osnabrück
- Besonderheit: Geplante Dauerausstellung zur Geschichte der Region
- Standort: Steinstraßer Wall auf der Sophienhöhe
Die nächsten Schritte bis 2029
Auch wenn der Siegerentwurf nun feststeht, beginnt die eigentliche Arbeit erst. Derzeit laufen am geplanten Bauplatz auf dem Steinstraßer Wall, dem höchsten Punkt der Sophienhöhe, detaillierte Artenschutzuntersuchungen. Diese sind notwendig, um sicherzustellen, dass der Bau die lokale Tier- und Pflanzenwelt nicht gefährdet.
Nach Abschluss dieser Prüfungen und der weiteren Detailplanung kann mit dem Bau begonnen werden. Das Ziel ist es, die „Waldtänzerin“ bis zum Jahr 2029 für Besucher zu eröffnen. Dann wird der Turm nicht nur ein architektonisches Wahrzeichen sein, sondern auch ein Symbol für den gelungenen Strukturwandel in der Region – ein Fenster in eine neue, grünere Zukunft.




