Eine Kölner Bar wurde zur besten in ganz Deutschland gekürt, und gleich vier Adressen aus der Domstadt finden sich in der nationalen Spitze wieder. Eine neue Auszeichnung des renommierten Falstaff Bar Guides bestätigt, was Szenekenner schon länger beobachten: Köln hat sich still und leise zum Zentrum der deutschen Cocktailkultur entwickelt.
Die Anerkennung ist das Ergebnis einer lebendigen und vielfältigen Szene, die von inhabergeführten Bars, innovativen Konzepten und einem starken Gemeinschaftsgefühl geprägt ist. Bartender setzen auf höchste Qualität bei den Zutaten und entwickeln ständig neue Ideen, die weit über klassische Drinks hinausgehen.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Bar „Seiberts“ am Friesenwall wurde vom Falstaff Guide zur besten Bar Deutschlands 2026 ernannt.
- Köln stellt mit vier Bars mehr Adressen in der Spitzengruppe des Guides als jede andere deutsche Stadt.
- Die Szene zeichnet sich durch inhabergeführte Konzepte, einen starken kollegialen Zusammenhalt und die Kombination von hochwertigen Drinks und Speisen aus.
- Trends wie alkoholfreie Cocktails und innovative Techniken, etwa Drinks vom Fass, gewinnen an Bedeutung.
Ein Kölner an der Spitze der deutschen Barszene
Die Nachricht schlug in der Branche hohe Wellen: Der „Falstaff Bar Guide 2026“, eines der wichtigsten Nachschlagewerke für Barkultur, hat die Bar „Seiberts“ von Volker Seibert zur besten des Landes gekürt. Doch das ist nicht alles. Mit dem „Little Link“, dem „Al Salam“ und dem „Samuel's Shep“ finden sich drei weitere Kölner Betriebe in der absoluten Elite wieder. Keine andere Stadt ist so stark im Spitzenfeld vertreten.
Volker Seibert, Inhaber des Siegers, sieht die Stärke Kölns in der persönlichen Note. „Hier gibt es viele Bars, wo der Inhaber oft selbst von Tisch zu Tisch geht. Dieses Persönliche, das Inhabergeführte, das schätzen die Leute“, erklärt er. Sein eigenes Konzept am Friesenwall setzt auf eine intime Wohnzimmeratmosphäre. Es gibt ausschließlich Sitzplätze, keine Reservierungen und Gruppen werden nur bis zu vier Personen angenommen, um die Qualität des Erlebnisses zu sichern.
Qualität ohne Kompromisse
Für seine Drinks geht Volker Seibert keine Kompromisse ein. Sein Team bezieht die seltenen Mieze-Schindler-Erdbeeren von einem Spezialisten aus Nürnberg und bestellt den Jahresvorrat von 60 Kilogramm der japanischen Yuzu-Zitrusfrucht direkt aus deren Heimat. Diese Liebe zum Detail spiegelt sich in jeder Kreation wider.
Was macht die Kölner Szene so besonders?
Neben den Auszeichnungen ist es vor allem der Geist der Zusammenarbeit, der Köln auszeichnet. „Wir empfehlen uns den Gästen gegenseitig“, sagt Seibert. Dieser kollegiale Zusammenhalt sei eine Besonderheit der Barszene, die er aus der Restaurantwelt so nicht kenne.
Auch Stephan Hinz, eine der prägendsten Figuren der deutschen Barkultur, betont die Stärke des Standorts. „Köln ist klein, zentral, gut erreichbar“, sagt der Betreiber des „Little Link“, des „Grace & Grape“ und des „Punky Panda“. „Vor allem der Mensch hat mir in Köln gefallen, er ist nett und unterhaltsam.“ Hinz ist überzeugt: „Köln hat die klassische Barkultur in Deutschland maßgeblich geprägt.“ Je mehr Qualitätsläden es gebe, desto besser sei es für die ganze Stadt.
„Köln ist mitunter die Barstadt in Deutschland. Sie war es auch früher schon. Diese Qualität und diesen Hype bekommen wir nur nicht so transportiert, unsere Branche redet zu wenig.“
Verändertes Gästeverhalten nach der Pandemie
Die Corona-Pandemie hat die Gewohnheiten der Gäste nachhaltig verändert. Das klassische „Barhopping“, also der Besuch mehrerer Bars an einem Abend, ist seltener geworden. „Wenn wir früher von bis zu drei Stationen an einem Abend ausgegangen sind, gehen wir nun von maximal zwei aus“, beobachtet Hinz. Die Menschen verweilen länger an einem Ort.
Diese Entwicklung führt zu einer Verschmelzung von Bar- und Restaurantkultur. Bars bieten zunehmend hochwertige kleine Speisen an, während Restaurants ihr Getränkeangebot aufwerten, um Gäste länger zu halten. Dieser Trend zur Kombination von Essen und Trinken ist in Köln besonders stark ausgeprägt.
Innovation trifft auf Tradition
Ein Paradebeispiel für die Verbindung von exzellenter Küche und hochwertiger Barkultur ist das „Al Salam“ am Eifelplatz. Der 40-jährige Familienbetrieb wurde von Falstaff zur „Restaurantbar des Jahres“ gekürt. Die Betreiber Mohammad und Ahmad Nazzal setzen nicht nur auf handgemachte Drinks, sondern auch auf Innovation.
Sie bieten eine Auswahl von jeweils fünf alkoholischen und alkoholfreien Cocktails direkt aus dem Zapfhahn an. Die Rezepte werden selbst entwickelt und von einer Spezialfirma in Fässer abgefüllt. „Eine gewisse Auswahl bereiten wir händisch vor, aber ein Teil läuft über das Schankanlagesystem“, erklärt Mohammad Nazzal. Frische Zutaten wie Limettensaft werden erst beim Servieren hinzugefügt, um die Qualität zu gewährleisten.
Die Talentschmiede am Rathenauplatz
Viele Wege in der Kölner Barszene führen zum ehemaligen „Shepheard“ am Rathenauplatz. Die Bar galt als Institution und Talentschmiede. Stephan Hinz arbeitete dort, bevor er sich selbstständig machte, und auch andere heutige Größen der Szene orientierten sich an diesem Maßstab. Heute befindet sich an gleicher Stelle das „Samuel's Shep“, das die Tradition hoher Barkunst fortführt.
Neue Trends und mehr Frauen hinter der Theke
Die Kölner Gäste sind experimentierfreudiger geworden. Katrin Löcher, die über drei Jahre im „Samuel's Shep“ tätig war, beobachtet eine wachsende Offenheit für komplexe Aromen. „Die Leute haben Lust, immer mehr die Grenzen des Geschmacks auszuloten“, sagt sie. Spirituosen wie Tequila und Mezcal mit ihren kräftigen, rauchigen Noten seien gefragter denn je. Dennoch bleiben die Klassiker beliebt: „Mit einem Whiskey Sour macht man in Köln viele Leute glücklich.“
Gleichzeitig setzt sich der Trend zu hochwertigen alkoholfreien Drinks fort. Stephan Hinz betont: „Die Drinks müssen aber in Ästhetik und Komplexität dem alkoholhaltigen sehr nahe kommen.“
Auch in der Personalstruktur tut sich etwas. „Es ist weiterhin eine Männerdomäne“, stellt Katrin Löcher fest, sieht aber positive Entwicklungen. „Es gibt mittlerweile viele tolle Frauen, ob in der Spirits-Bar, im Ona Mor oder im Rosebud.“ Sie ist überzeugt, dass gemischte Teams dynamischer sind. Passend dazu macht sie sich demnächst mit ihrer besten Freundin selbstständig und wird bald ihre erste eigene Bar in Köln eröffnen.




