In der Kölner Bildungslandschaft klafft eine besorgniserregende Lücke. An fast jeder zehnten Schule der Stadt fehlt die Schulleitung. Aktuelle Zahlen zeigen, dass 31 Rektorenstellen unbesetzt sind, was die verbleibenden Lehrkräfte stark belastet und die Organisation des Schulalltags erschwert.
Diese Entwicklung ist kein rein Kölner Phänomen, sondern Teil einer landesweiten Krise in Nordrhein-Westfalen, wo insgesamt über 1.100 Führungspositionen an Schulen nicht besetzt werden können. Besonders prekär ist die Lage an den Grundschulen.
Das Wichtigste in Kürze
- In Köln sind aktuell 31 Schulleiterstellen unbesetzt, das entspricht rund 11,3 Prozent aller Schulen.
- Besonders betroffen sind die Grundschulen, an denen allein 20 Leitungspositionen fehlen.
- Viele dieser Stellen sind Langzeitvakanzen und seit mehr als sechs Monaten offen.
- Landesweit fehlen in NRW 1.167 Schulleiter und Konrektoren, was zu erheblicher Mehrbelastung für die Kollegien führt.
Alarmierende Zahlen für den Bildungsstandort Köln
Die Kölner Schullandschaft steht vor einer ernsten Herausforderung. Mit 274 Schulen ist Köln der größte Schulstandort in Nordrhein-Westfalen, doch die Stadt führt auch die Statistik bei den unbesetzten Rektorenstellen an. Insgesamt 31 Schulleitungen fehlen, was den Schulbetrieb an zahlreichen Einrichtungen beeinträchtigt.
Die Situation verschärft sich durch die Dauer der Vakanzen. Von den 31 offenen Stellen sind 21 bereits seit mehr als einem halben Jahr unbesetzt. Dieser Zustand führt zu einem organisatorischen Schwebezustand, in dem wichtige Entscheidungen aufgeschoben werden und strategische Schulentwicklung kaum möglich ist.
Ein landesweites Problem
Die Zahlen, die durch eine Anfrage der FDP-Landtagsfraktion an das NRW-Bildungsministerium öffentlich wurden, zeichnen ein düsteres Bild für das gesamte Bundesland. Fast jede achte Führungsposition an Schulen in NRW ist unbesetzt. Während Köln mit 31 Vakanzen an der Spitze liegt, fehlen beispielsweise in Düsseldorf (159 Schulen) und der Städteregion Aachen (153 Schulen) jeweils zwölf Schulleitungen. Dies verdeutlicht, dass es sich um ein strukturelles Problem handelt.
Nicht nur Rektoren fehlen
Die Lücke in der Führungsebene geht über die Rektorenposten hinaus. Auch die Stellvertreterpositionen sind stark unterbesetzt. In Köln fehlen derzeit 42 Konrektoren oder stellvertretende Schulleitungen. Auch hier handelt es sich oft um Langzeitprobleme: 27 dieser Stellen sind seit über sechs Monaten vakant.
Diese doppelte Belastung bedeutet, dass die verbleibenden Lehrkräfte nicht nur ihre eigenen Aufgaben bewältigen, sondern zusätzlich administrative und organisatorische Tätigkeiten übernehmen müssen. Dies geht unweigerlich zulasten der Zeit, die für die pädagogische Arbeit mit den Schülerinnen und Schülern zur Verfügung steht.
Grundschulen im Zentrum der Krise
Ein genauerer Blick auf die Daten offenbart, dass die Grundschulen am stärksten von der Führungskrise betroffen sind. Allein 20 der 31 unbesetzten Rektorenstellen in Köln entfallen auf diesen Schultyp. Experten sehen hierfür klare Gründe.
Franziska Müller-Rech, die schulpolitische Sprecherin der FDP-Landtagsfraktion, identifiziert die mangelnde Attraktivität der Positionen als Kern des Problems.
„Dort sind Leitungsfunktionen unattraktiv, weil Verantwortung und Arbeitsbelastung in keinem Verhältnis zur Vergütung stehen.“
Die hohe Verantwortung, der enorme Verwaltungsaufwand und die vergleichsweise geringe Bezahlung schrecken viele qualifizierte Lehrkräfte davon ab, sich auf eine Leitungsstelle an einer Grundschule zu bewerben. Die Folge ist eine Abwärtsspirale aus Überlastung und sinkender Attraktivität.
Zahlen im Überblick: Die Führungslücke in Köln
- Unbesetzte Schulleiterstellen: 31 (von 274 Schulen)
- Davon länger als 6 Monate unbesetzt: 21
- Unbesetzte Konrektorenstellen: 42
- Davon länger als 6 Monate unbesetzt: 27
- Betroffenheit: ca. 11,3 % der Kölner Schulen haben keine Leitung
Folgen für Schüler und Lehrer
Die Konsequenzen der unbesetzten Führungspositionen sind im Schulalltag deutlich spürbar. Ohne eine feste Schulleitung fehlt eine klare Richtung. Wichtige pädagogische Konzepte können nicht weiterentwickelt, neue Projekte nicht angestoßen und Konflikte nur schwer gelöst werden.
Organisatorischer Stillstand
Schulen ohne Leitung geraten schnell in einen Zustand des organisatorischen Stillstands. Die verbleibenden Lehrerinnen und Lehrer sind gezwungen, Führungsaufgaben kommissarisch zu übernehmen, was ihre eigentliche Lehrtätigkeit einschränkt. Die Belastung für das gesamte Kollegium steigt enorm, was zu höheren Krankenständen und einer allgemeinen Demotivation führen kann.
Franziska Müller-Rech warnt eindringlich vor den Auswirkungen: „Wenn Leitungsstellen monatelang unbesetzt bleiben, führt das zu Überlastung im Kollegium und zu organisatorischem Stillstand – zulasten der Bildungsqualität.“
Leidtragende sind die Kinder
Letztendlich sind es die Schülerinnen und Schüler, die unter der Situation leiden. Eine fehlende Schulleitung kann sich negativ auf das Schulklima, die Unterrichtsqualität und die individuelle Förderung auswirken. Die Stabilität, die eine gute Schulleitung bietet, ist für ein positives Lernumfeld unerlässlich.
Forderungen nach strukturellen Änderungen
Angesichts der dramatischen Zahlen werden die Rufe nach politischen Konsequenzen lauter. Es reicht nicht aus, nur die Symptome zu bekämpfen. Es bedarf grundlegender Reformen, um den Beruf des Schulleiters wieder attraktiver zu machen.
Zu den zentralen Forderungen gehören:
- Bessere Vergütung: Insbesondere an Grundschulen muss das Gehalt der Verantwortung und der Arbeitsbelastung angepasst werden.
- Weniger Bürokratie: Schulleitungen müssen von administrativen Aufgaben entlastet werden, damit sie sich auf ihre pädagogischen Führungsaufgaben konzentrieren können.
- Mehr Gestaltungsspielraum: Rektoren benötigen mehr Autonomie, um ihre Schulen aktiv gestalten und weiterentwickeln zu können.
Die aktuelle Krise ist auch Teil des allgemeinen Lehrermangels in Nordrhein-Westfalen, wo derzeit rund 8.800 Lehrkräfte fehlen. Ohne genügend Personal wird es auch in Zukunft schwierig bleiben, qualifizierte Kandidaten für die anspruchsvollen Leitungspositionen zu finden. Die Politik ist gefordert, nachhaltige Lösungen zu entwickeln, um das Fundament des Bildungssystems – die Schulen und ihre Leitungen – zu stärken.
