Nachdem in den vergangenen Nächten Polarlichter in Teilen Deutschlands für Aufsehen sorgten, hoffen viele Kölner auf ein ähnliches Himmelsspektakel über der Domstadt. Experten dämpfen jedoch die Erwartungen. Mehrere Faktoren machen eine Sichtung der tanzenden Lichter in unserer Region äußerst unwahrscheinlich.
Das Wichtigste in Kürze
- Kölns südwestliche Lage erfordert extrem starke Sonnenstürme für sichtbare Polarlichter.
- Die hohe Lichtverschmutzung in der Metropolregion überstrahlt das schwache Leuchten.
- Die aktuelle geomagnetische Aktivität ist laut Experten zu schwach für Sichtungen im Rheinland.
- Klare, dunkle Nächte und ein freier Blick nach Norden sind zwingende Voraussetzungen.
Ein seltenes Phänomen sorgt für Hoffnung
Berichte und beeindruckende Fotos von Polarlichtern, die kürzlich sogar in nördlicheren Teilen Deutschlands aufgenommen wurden, haben eine Welle der Begeisterung ausgelöst. Viele Menschen fragen sich nun, ob dieses faszinierende Naturschauspiel auch den Kölner Nachthimmel erhellen könnte. Die Antwort darauf ist jedoch ernüchternd.
Das Phänomen der Aurora Borealis, wie die Nordlichter wissenschaftlich heißen, entsteht, wenn elektrisch geladene Teilchen des Sonnenwindes auf die oberen Schichten der Erdatmosphäre treffen. Dort regen sie Luftmoleküle zum Leuchten an, was wir als farbenprächtige Schleier am Himmel wahrnehmen.
Wie entstehen Polarlichter?
Polarlichter sind das Ergebnis einer Kollision von hochenergetischen Teilchen, die von der Sonne ausgestoßen werden, mit Gasen in der Erdatmosphäre. Wenn diese Teilchen des Sonnenwindes auf das Magnetfeld der Erde treffen, werden sie zu den Polen gelenkt. Dort interagieren sie mit Sauerstoff- und Stickstoffatomen, was zur Emission von Licht in verschiedenen Farben führt – meist grün, aber auch rosa, rot oder violett.
Die geografische Hürde für Köln
Der entscheidende Faktor, der gegen eine Sichtung in Köln spricht, ist die geografische Lage. Polarlichter sind typischerweise in den Polarregionen zu sehen. Je weiter man sich vom Polarkreis entfernt, desto stärker muss der Sonnensturm sein, damit das Leuchten auch in südlicheren Breitengraden sichtbar wird.
Während im äußersten Norden Deutschlands, etwa an den Küsten von Nord- und Ostsee, bereits eine mäßige geomagnetische Aktivität für ein schwaches Glimmen am Horizont ausreichen kann, ist für das Rheinland ein sogenannter geomagnetischer Sturm von erheblicher Stärke notwendig. Solche Ereignisse sind selten.
Die Macht der Lichtverschmutzung
Selbst wenn ein starker Sonnensturm die Polarlichter theoretisch bis nach Köln bringen würde, stünde einer Sichtung ein weiteres, menschengemachtes Hindernis im Weg: die Lichtverschmutzung. Die Metropolregion Köln ist eine der am dichtesten besiedelten und damit hellsten Gegenden Deutschlands.
Die unzähligen Lichtquellen von Straßenlaternen, Gebäuden, Industrieanlagen und Werbetafeln erzeugen eine riesige Lichtglocke über der Stadt. Dieses künstliche Licht überstrahlt den Nachthimmel so stark, dass selbst helle Sterne oft nur schwer zu erkennen sind. Ein zartes, diffuses Leuchten wie das von Polarlichtern hätte unter diesen Bedingungen kaum eine Chance, wahrgenommen zu werden.
Was ist Lichtverschmutzung?
Lichtverschmutzung bezeichnet die Aufhellung des Nachthimmels durch künstliche Lichtquellen. Dies hat nicht nur negative Auswirkungen auf astronomische Beobachtungen, sondern stört auch den natürlichen Rhythmus von Tieren und Pflanzen. In Großstädten ist der Nachthimmel oft um ein Vielfaches heller als in ländlichen, naturbelassenen Gebieten.
Aktuelle Wetterlage und Sonnenaktivität
Experten des Deutschen Wetterdienstes (DWD) bestätigen die geringe Wahrscheinlichkeit. Zwar bleibt die geomagnetische Aktivität derzeit leicht erhöht, doch ein stärkerer Sturm, der für eine Sichtung in unseren Breiten nötig wäre, ist nicht in Sicht. Die aktuelle Aktivität reicht bei weitem nicht aus, um die geografischen und lichttechnischen Nachteile Kölns zu überwinden.
Hinzu kommt der Faktor Wetter. Polarlichter spielen sich in sehr großen Höhen ab. Eine dichte Wolkendecke oder auch nur leichter Dunst können den Blick auf das Schauspiel vollständig verhindern. Für eine erfolgreiche Beobachtung ist ein wolkenloser und klarer Himmel unerlässlich.
Bedingungen für eine mögliche Sichtung
Damit die Kölnerinnen und Kölner doch einmal in den Genuss von Polarlichtern kommen, müssten mehrere seltene Bedingungen gleichzeitig eintreten:
- Extrem starker Sonnensturm: Es bräuchte eine außergewöhnlich hohe geomagnetische Aktivität.
- Perfektes Wetter: Die Nacht müsste absolut klar und wolkenfrei sein.
- Dunkler Beobachtungsort: Man müsste die Stadt weit hinter sich lassen und einen Ort mit minimaler Lichtverschmutzung und freiem Blick nach Norden aufsuchen.
Zusammenfassend lässt sich sagen: Die Hoffnung auf Polarlichter direkt über dem Kölner Dom sollte man vorerst begraben. Wer das Naturschauspiel erleben möchte, hat in den Küstenregionen Norddeutschlands oder bei einer Reise in den hohen Norden deutlich bessere Karten.




