Im Kölner Stadtteil Ehrenfeld wird eine Straße vorerst baumlos bleiben, obwohl ihre Begrünung fest geplant war. Eine unterirdische Fernwärmeleitung im Melatener Weg verhindert die Pflanzung von neun Bäumen, die als Maßnahme gegen die zunehmende Sommerhitze vorgesehen waren. Der Fall wirft ein Schlaglicht auf die komplexen Herausforderungen der städtischen Klimaanpassung.
Die Absage des Projekts, das Teil eines stadtweiten Konzepts zur Pflanzung von 2000 neuen Bäumen ist, wurde erst auf Nachfrage der Grünen-Fraktion in der Bezirksvertretung Ehrenfeld bekannt. Nun prüft die Stadtverwaltung alternative Lösungen, um die Hitzebelastung in der dicht bebauten Straße zu reduzieren.
Das Wichtigste in Kürze
- Neun geplante Straßenbäume im Melatener Weg in Köln-Ehrenfeld können nicht gepflanzt werden.
- Grund ist eine unterirdisch verlaufende Fernwärmeleitung, die erst während der Detailplanung als Hindernis erkannt wurde.
- Die Maßnahme war Teil eines stadtweiten Programms zur Bekämpfung von Hitzeinseln in der Stadt.
- Die Stadtverwaltung prüft nun alternative Maßnahmen wie die Entsiegelung von Flächen.
Ein Plan zur Kühlung der Stadt gerät ins Stocken
Die Sommer in Köln werden spürbar heißer. Insbesondere in dicht besiedelten Stadtteilen wie Ehrenfeld speichern Beton und Asphalt die Wärme, was zu sogenannten Hitzeinseln führt. Um diesen Effekt zu mildern, hat die Stadt Köln ein ambitioniertes Programm aufgelegt: Knapp 2000 zusätzliche Bäume sollen im gesamten Stadtgebiet für mehr Schatten und ein kühleres Mikroklima sorgen.
Für den Melatener Weg, eine kurze Verbindungsstraße zwischen Vogelsanger Straße und Nonniweg, sah das 2019 von der Bezirksvertretung Ehrenfeld beschlossene Straßenbaumkonzept konkret neun neue Bäume vor. Anwohner und Lokalpolitiker hofften auf eine grüne Aufwertung und eine spürbare Entlastung an heißen Tagen.
Eine unerwartete Entdeckung unter der Erde
Doch die Umsetzung verlief anders als geplant. Mitglieder der Grünen-Fraktion in der Bezirksvertretung wurden stutzig, als sie vor etwa einem Jahr auf der Webseite der Stadt nach dem Projektstatus suchten. Dort wurde die Maßnahme für den Melatener Weg als „abgeschlossen“ geführt, obwohl vor Ort kein einziger neuer Baum zu sehen war.
Eine offizielle Anfrage an die Verwaltung brachte schließlich Klarheit. Das Amt für Landschaftspflege und Grünflächen teilte mit, dass bei den Detailplanungen eine entscheidende Hürde aufgetaucht sei: eine Fernwärmeleitung verläuft direkt unter den vorgesehenen Pflanzstandorten. Das Wurzelwerk der Bäume könnte die wichtige Infrastruktur beschädigen, weshalb eine Pflanzung an diesen Stellen ausgeschlossen ist.
Warum sind Bäume in der Stadt so wichtig?
Bäume sind natürliche Klimaanlagen. Sie spenden nicht nur Schatten, der die Oberflächentemperatur um bis zu 20 Grad Celsius senken kann, sondern kühlen ihre Umgebung auch durch Verdunstung von Wasser über ihre Blätter. Zudem filtern sie Feinstaub aus der Luft, binden CO2 und verbessern die Aufenthaltsqualität in städtischen Räumen erheblich.
Die Folgen der geplatzten Pflanzung
Nachdem die Pflanzung als „nicht umsetzbar“ eingestuft wurde, markierte die Verwaltung das Vorhaben intern als „abgeschlossen“. Diese Formulierung sorgte für erhebliche Verwirrung. In der Antwort auf die Anfrage der Grünen räumte das zuständige Amt ein, dass der Begriff „abgeschlossen“ in diesem Kontext missverständlich sei. Daraufhin wurde der Eintrag für den Melatener Weg von der Liste der abgeschlossenen Projekte wieder entfernt.
Für die Anwohner bedeutet dies jedoch, dass sie auf unbestimmte Zeit auf die kühlende Wirkung von Straßenbäumen verzichten müssen. Der Fall zeigt exemplarisch, wie komplex die Begrünung des urbanen Raums ist, wo der oberirdische Platzmangel oft von einem unsichtbaren Wettbewerb um den Raum unter der Erde begleitet wird.
Konflikt im Untergrund
Unter Kölner Straßen verläuft ein dichtes Netz an Infrastruktur:
- Wasser- und Abwasserleitungen
- Strom- und Telekommunikationskabel
- Gasleitungen
- Fernwärmerohre
- Fundamente von Gebäuden und U-Bahnen
Dieses unterirdische Geflecht schränkt die Möglichkeiten für tiefwurzelnde Bäume stark ein und macht die Standortsuche zu einer großen Herausforderung für Stadtplaner.
Alternative Lösungen und Appell an Eigentümer
Die Stadtverwaltung hat das Projekt für den Melatener Weg aber noch nicht vollständig aufgegeben. Man denke derzeit über alternative Lösungen nach, um die Situation vor Ort zu verbessern. Eine Möglichkeit wäre die Entsiegelung von Flächen. Dabei würden Teile des Asphalts oder Pflasters entfernt und durch wasserdurchlässige Beläge oder kleine Grünflächen ersetzt.
Auch wenn diese Maßnahme keinen Schatten spendet, hätte sie dennoch einen positiven Effekt. Weniger versiegelte Fläche bedeutet, dass sich der Boden weniger stark aufheizt und Regenwasser besser versickern kann. Dies trägt zur Grundwasserneubildung bei und entlastet bei Starkregen die Kanalisation.
„Auch wenn wir auf eine Verschattung verzichten müssen, würde das immerhin die Größe der Hitze speichernden Bereiche verringern.“ – Amt für Landschaftspflege und Grünflächen
Zusätzlich verweist die Stadt auf das Förderprogramm „Grün hoch 3“. Dieses Programm richtet sich direkt an Hauseigentümer und bietet finanzielle Unterstützung für die Begrünung von Fassaden, Dächern und Innenhöfen. Solche privaten Initiativen können einen wichtigen Beitrag leisten, um die „sommerliche Überwärmung“ im Viertel zu reduzieren und die Lebensqualität für alle zu steigern.
Der Fall Melatener Weg bleibt somit ein Lehrstück für die Kölner Stadtentwicklung: Der politische Wille zur Klimaanpassung ist vorhanden, doch die praktische Umsetzung scheitert mitunter an den Realitäten des dicht bebauten und untertunnelten Stadtraums. Es bedarf kreativer Lösungen und der Zusammenarbeit von Verwaltung, Politik und Bürgern, um Köln für die Herausforderungen des Klimawandels zu rüsten.
