Die Europäische Weltraumorganisation (ESA) bietet eine außergewöhnliche Möglichkeit in Köln an. Für eine wissenschaftliche Studie, die eine Mission zum Mars simuliert, werden sechs Freiwillige gesucht. Die Teilnehmer werden 100 Tage in völliger Isolation leben und erhalten dafür eine Aufwandsentschädigung von 23.000 Euro.
Das Experiment soll im Frühjahr 2026 beginnen und wertvolle Erkenntnisse über die psychischen und physischen Auswirkungen von Langzeit-Raumflügen liefern. Die Anforderungen an die Bewerber sind jedoch anspruchsvoll.
Das Wichtigste in Kürze
- Die ESA sucht sechs Freiwillige für eine 100-tägige Isolationsstudie in Köln.
- Die Studie simuliert die Bedingungen einer Marsmission und startet im Frühjahr 2026.
- Teilnehmer erhalten eine Vergütung von 23.000 Euro.
- Die Bewerbungsvoraussetzungen umfassen Alter, Fitness, einen Hochschulabschluss und exzellente Englischkenntnisse.
- Parallel dazu sucht das DLR Probanden für eine 60-tägige Bettruhe-Studie.
Einblicke in das Leben auf dem Mars
Die Zukunft der bemannten Raumfahrt hängt nicht nur von technologischem Fortschritt ab, sondern auch vom Verständnis der menschlichen Belastbarkeit. Genau hier setzt das Kölner Projekt der ESA an. In einer speziell ausgestatteten, abgeschotteten Umgebung sollen die Teilnehmer den Alltag von Astronauten auf einer langen Reise zu einem fremden Planeten nacherleben.
Der Tagesablauf wird streng geregelt sein. Feste Arbeitszeiten, gemeinsame Mahlzeiten und wissenschaftliche Experimente gehören ebenso dazu wie regelmäßige Sporteinheiten. Das Ziel ist es, die Auswirkungen von Enge, Monotonie und der Trennung von der Außenwelt auf die Gruppendynamik, die Leistungsfähigkeit und die Gesundheit zu untersuchen.
Die wissenschaftlichen Ziele der Mission
Forscher wollen verstehen, wie sich der menschliche Körper und die Psyche an extreme Bedingungen anpassen. Die gesammelten Daten sind entscheidend für die Planung zukünftiger Missionen zum Mond und zum Mars. Es geht darum, Strategien zu entwickeln, um Astronauten bestmöglich zu unterstützen.
Zu den untersuchten Aspekten gehören:
- Stressbewältigung in kleinen Teams
- Kognitive Leistungsfähigkeit unter Druck
- Veränderungen im Schlaf-Wach-Rhythmus
- Physische Anpassungen an einen begrenzten Lebensraum
Die Ergebnisse fließen direkt in die Entwicklung von Trainingsprogrammen und Unterstützungssystemen für echte Raumfahrer ein.
Warum Köln der Standort ist
Köln ist ein zentraler Standort für die europäische Raumfahrt. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und das Europäische Astronautenzentrum (EAC) der ESA haben hier ihren Sitz. Die notwendige Infrastruktur und das wissenschaftliche Know-how sind somit direkt vor Ort verfügbar, was die Durchführung solch komplexer Studien erleichtert.
Wer wird für die Mission gesucht?
Die ESA hat ein klares Anforderungsprofil für die potenziellen Teilnehmer definiert. Gesucht werden nicht nur Abenteurer, sondern belastbare und teamfähige Persönlichkeiten, die einen wissenschaftlichen Beitrag leisten wollen. Die Teilnahme ist eine ernsthafte Verpflichtung, die sowohl physisch als auch mental herausfordernd ist.
Anforderungen im Überblick
- Alter: Zwischen 25 und 55 Jahre
- Gesundheit: Körperlich fit und psychisch stabil
- Bildung: Abgeschlossenes Hochschulstudium
- Sprache: Exzellente Englischkenntnisse in Wort und Schrift
Die strengen Kriterien sollen sicherstellen, dass die Teilnehmer den Belastungen der hunderttägigen Isolation gewachsen sind. Ein Hochschulabschluss wird vorausgesetzt, da die Probanden auch komplexe wissenschaftliche Aufgaben durchführen müssen. Da Englisch die Arbeitssprache internationaler Raumfahrtmissionen ist, sind fließende Kenntnisse unerlässlich für die Kommunikation im Team.
„Wir suchen Menschen, die nicht nur die physische Fitness, sondern auch die mentale Stärke mitbringen, um über einen langen Zeitraum in einer kleinen Gruppe unter Stress zu funktionieren.“
Interessenten durchlaufen ein mehrstufiges Auswahlverfahren, das medizinische Tests, psychologische Eignungsprüfungen und Interviews umfasst. Nur wer alle Hürden meistert, erhält die Chance, Teil dieses einzigartigen Experiments zu werden.
Eine zweite Studie testet die Schwerelosigkeit
Parallel zur Isolationsstudie der ESA führt das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Köln ein weiteres wichtiges Experiment durch. Für eine 60-tägige Bettruhe-Studie werden ebenfalls Freiwillige gesucht. Dieses Projekt konzentriert sich auf die physischen Effekte der Schwerelosigkeit.
Die Teilnehmer verbringen zwei Monate im Bett, wobei ihr Kopf leicht nach unten geneigt ist. Diese Position simuliert die Flüssigkeitsverschiebung und den Muskel- und Knochenschwund, den Astronauten im Weltall erleben.
Die Herausforderung der Bettruhe
Während der Studie werden die Probanden rund um die Uhr medizinisch überwacht. Die Forscher testen verschiedene Gegenmaßnahmen, wie spezielle Trainingsmethoden oder Ernährungspläne, um die negativen Auswirkungen der Schwerelosigkeit zu minimieren. Die Erkenntnisse sollen helfen, Astronauten auf langen Missionen gesund zu halten.
Auch wenn es verlockend klingen mag, 60 Tage lang im Bett zu liegen, ist die Studie extrem anspruchsvoll. Jede Aktivität, vom Essen bis zur Körperpflege, findet im Liegen statt. Die physische und psychische Belastung ist erheblich.
Bewerbung für ein außergewöhnliches Erlebnis
Beide Studien bieten eine seltene Gelegenheit, aktiv an der Zukunft der Raumfahrt mitzuwirken und dabei einen finanziellen Ausgleich zu erhalten. Die Teilnahme ist jedoch mehr als nur ein Job – es ist ein Beitrag zur Wissenschaft, der zukünftigen Generationen von Entdeckern zugutekommen wird.
Wer die Voraussetzungen erfüllt und sich der Herausforderung stellen möchte, kann sich über die offizielle Probandensuche des DLR bewerben. Dort finden sich detaillierte Informationen zu beiden Studien sowie die entsprechenden Bewerbungsunterlagen. Für viele könnte dies der erste Schritt sein, um einem Traum von der Raumfahrt ein Stück näherzukommen, ohne die Erde verlassen zu müssen.
